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Parchimer Zeitung

08. Dezember 2016 | 10:55 Uhr

Naturschutzgebiet nach Parchim gebracht : Lewitz-Botschafter mit Leib und Seele

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Parchim liest: Ranger Ralf Ottmann zu Gast im Buchhaus Fette

Eigentlich ist er gelernter Tischler, merkte nach seiner Ausbildung aber schnell, dass in der Werkstatt arbeiten nicht das Richtige für ihn ist. Er wollte lieber draußen in der Natur sein, die ihn schon immer faszinierte und so viel zu bieten hat. Anfangs war er noch drei Jahre als Umwelttechniker unterwegs, bis er sich konsequenter Weise ganz der Arbeit in der Natur verschrieb und seitdem als freiberuflicher Fotograf, Naturführer und Autor arbeitet.

Sein Name: Ralf Ottmann, mittlerweile Ranger in der Lewitz, und er kennt diese einzigartige Naturperle, wie er gerne sagt, wie seine Westentasche. Er hat bereits mehrere Bücher, Kalender und Wanderkarten publiziert und bietet verschiedenste Führungen durch die Lewitz an. In dieser Woche nun war er im Buchhaus Fette im Rahmen von „Parchim liest“ zu Gast. Er hatte nicht nur viel Wissenswertes und Spannendes über dieses große Naturschutzgebiet mitgebracht, sondern auch wunderbare Aufnahmen aus Flora und Fauna, die auf einer großen Leinwand für die zahlreich erschienenen Gäste gut sichtbar waren und das gesprochene Wort treffend ergänzten.

Ralf Ottmann brennt für das, was er tut und er liebt die Natur. Das war für jeden deutlich spürbar, der an diesem Abend in das Buchhaus gekommen war. Er las Textpassagen aus seinen Büchern, Zeilen von Heimatdichtern wie Willi Dahnke und Hedwig Tarnow vor. Vogelstimmen via TING-Stift, wie die des Eisvogels, der Beutelmeise und des Schwarzspechtes, versetzten das Publikum fast an den Ort des Geschehens. Vor allem aber weiß Ralf Ottmann viel Interessantes über die Lewitz zu erzählen. Ihr Name stammt von dem wendischen Wort „lowit“ ab, was in etwa „sammeln“, „jagen“ oder auch „wildreich“ bedeutet. Sie ist eine der ältesten Kulturlandschaften in M/V, bereits um 8000 v. Chr. fand dort die erste Besiedlung statt. Die einzigartige Niederungslandschaft liegt umrahmt von den Städten Neustadt-Glewe, Parchim, Crivitz und Schwerin und ist ein wichtiges Habitat für dreißig seltene Vogelarten, geschützte Säugetiere, verschiedene Libellen-, Schmetterlings– und Falterarten, sowie für viele Amphibien und Kriechtiere. Charakteristisch für die Landschaft sind das feuchte Grünland, das Ackerland mit Baumbeständen, die zahlreichen Alleen, 613 km offene Wasserläufe, ein kunstvolles System von Gräben und Kanälen, Städte mit Bauten der Backsteingotik und Dörfer mit Büdnerzeilen und Bauerngehöften. Von ehemals 28 Schleusen sind heute noch 4 vorhanden, weiß Ralf Ottmann und dass sich in der Lewitz die größte zusammenhängende Teichlandschaft Deutschlands befindet. Bereits vor 1945 wurden die verschiedenen Naturschutzgebiete als solche ausgewiesen und 1994 wurden 16400 ha des Areals zum Europäischen Vogelschutzgebiet erklärt.

Die Erhaltung dieses wunderschönen Flecken Erde liegt Ralf Ottmann besonders am Herzen und so verwundert es nicht, dass er sich im Verein Lewitznetzwerk e.V. engagiert und sich u. a. für den nachhaltigen Schutz dieser Landschaft, die Entstehung eines Naturparks, den Erhalt und Schutz der Natur und Baudenkmäler sowie einen umweltschonenden, landschaftsgebundenen Tourismus einsetzt. „Ich widme mich dem Naturschutz mit Leib und Seele“, unterstreicht er sein Anliegen.

Doch was ist es eigentlich, was den Lewitzranger so an der Natur im Allgemeinen und der Lewitznatur im Besonderen fasziniert? Zum einen sei es die Lewitz als einzigartiges Gebiet, die es so kaum noch gibt und die trotz allem wenig bekannt ist. „Wenn man sich in Norddeutschland umhört, denn kennt kaum jemand die Lewitz“, weiß er aus Erfahrung. Dagegen möchte er mit seinen Publikationen und Lesungen etwas tun. Zum anderen aber ist es die Natur als solches, ihr bewusst begegnen, sie bewusst erleben, das sei für ihn wichtig und hilfreich und das hat er dann auch als Ratschlag für sein Publikum parat. „Gehen Sie in die Natur, finden Sie dort Ruhe, finden Sie wieder zu sich selbst“, so Ralf Ottmann. Dem ist dann am Ende auch nichts mehr hinzuzufügen.

 

 

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