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Parchimer Zeitung

02. Dezember 2016 | 21:11 Uhr

Sanierung von St. Marien : Kirchturm glänzt mit neuem Dach

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Dachdeckerarbeiten gestern abgeschlossen

Regen, Eis und Schnee sind verständlicherweise die schlimmsten Feinde eines Dachdeckers. Als zu Wochenbeginn der Winter ein erstes Intermezzo gab und es zeitweise einfach nicht aufhören wollte zu regnen, hatten Andreas Plump und Jens Awolin von der Firma Gerullat zum Glück schon zum Endspurt auf der Parchimer Baustelle angesetzt.

Seit dem 14. September – damals herrschte noch praller Hochsommer - waren sie in luftiger Höhe von etwa 53 Metern tätig. Der St. Marienturm erhielt sein neues Dach. Auf einer Fläche von ca. 300 Quadratmetern wurden in den zurückliegenden Wochen rund 13 000 Biberschwänze verlegt. Gestern hatte Andreas Plump seinen letzten Arbeitstag in Parchim: Es war nicht nur seine höchste, sondern flächenmäßig auch größte Baustelle in seiner bisherigen Berufszeit.

Andreas Plump begann 1985 seine Dachdeckerausbildung bei der Firma Gerullat und ist seitdem ununterbrochen in dem Fachbetrieb in Laage tätig. Dieser führte schon in den zurückliegenden Jahren alle Arbeiten auf dem St. Marien-Dach aus, die nun mit dem gestrigen Tag vollständig abgeschlossen sind. Die zurückliegenden Monate empfand auch Werner Zierke als eine spannende Zeit: Den ehemaligen Parchimer, der nach seinem Wegzug aus der Eldestadt weiterhin aktiv im Vorstand des Baufördervereins von St. Marien mitwirkt, zog es an so manchem Mittwoch zur Bauberatung zurück in seine frühere Heimatstadt und auf den St. Marienturm hinauf: „Aus alter Verbundenheit. Ich wollte dieses spannende Projekt einfach bis zum Abschluss mitverfolgen“, gesteht der Tischlermeister im Ruhestand.

Gestern wurde dem Ganzen symbolisch das I-Tüpfelchen aufgesetzt, indem die in einer Werkstatt aufgearbeitete historische Wetterfahne ihren Platz auf dem obersten Punkt von St. Marien erhielt (Lesen Sie dazu auch unseren unten stehenden Beitrag). Die neu angeschaffte Kugel glänzte schon seit Tagen für Passanten gut sichtbar auf dem Turmdach. Vor vier Jahren, ebenfalls an einem Novembertag, legte Andreas Plump auch schon mit Hand an, als das restaurierte Giebelkreuz am Schmuckgiebel der Kirche in Richtung Neuer Markt angebracht wurde. Planmäßig voran gehen ebenfalls die Arbeiten an der Turmfassade. Die auf Bautenschutz spezialisierte Fachfirma von Jörg Mehlhorn aus Holthusen ist für die Mauerwerkinstandsetzung zuständig: Marode Traufen, Fugen und Putzflächen müssen repariert, Formsteine an den einzelnen Ornamenten in Ordnung gebracht und alle Anker mit einem Korrosionsschutz versehen versehen werden. Außerdem sind in diesen Wochen insgesamt 1600 Steine an der Fassade auszuwechseln. Wenn alles wie geplant verläuft, sind die Arbeiten bis Ende November geschafft. Ab nächste soll bereits mit dem Abbau der Gerüste begonnen werden. Sie werden auf der Ost- und Nordseite komplett, auf der Süd- und Westseite lagenweise entfernt. Ganz große Optimisten halten es für nicht ausgeschlossen, dass sich der St. Marienturm bis zum Weihnachtsgottesdienst gerüstfrei in seiner neuen alten Pracht präsentiert. Mit der Turmsanierung geht der finanziell größte Abschnitt der mehrjährigen Komplettsanierung von St. Marien zu Ende. Das Investitionsvolumen beläuft sich für die diesjährige Etappe auf rund 408 000 Euro, sagt Diplomingenieur Frank Thoms, der das Baugeschehen an dieser Perle der Backsteingotik seit mehr als sieben Jahren als Planer und Bauleiter begleitet. Eigentlich stand der Turm schon vor drei Jahren auf der Agenda, doch nachdem der Fördermittelfluss nicht so weiterging, wie ursprünglich im Finanzierungskonzept vorgesehen, mussten Bauabschnitte neu geordnet werden.

In der Kirchengemeinde reifen derzeit Überlegungen, wie künftig mit der Glockenanlage verfahren wird. Die beiden großen Glocken aus der Zeit um 1514 gelten als eines der wertvollsten Geläute in MV (Siehe Hintergrundkasten.) Auf dem Programm für 2017/18 steht weiterhin die Restaurierung der Ausmalung des Altarraumes mit den großen Aposteldarstellungen, welche 1908 durch den Parchimer Kirchenmaler Willi Schomann geschaffen wurde. „Mit dieser Restaurierung will die Kirchengemeinde St. Marien auch das Andenken an den im September 1917 im 1. Weltkrieg gefallenen Künstler pflegen“, hebt Prof. Hermann Brause vom Bauförderverein hervor.

 


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erstellt am 11.Nov.2016 | 17:06 Uhr

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