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Parchimer Zeitung

04. Dezember 2016 | 19:20 Uhr

Parchim : Hier wird auch künftig gewaschen

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Waschcenter-Betreiber entkräften Gerüchte um Schließung. Mieter und neuer Vermieter einigten sich auf neue Konditionen

„Wir bleiben mit unserem Waschcenter in Parchim, hier an diesem Standort.“ Mit diesem Satz möchten Alexander und Gabriele Radenkovic die Gerüchteküche stoppen. In der Stadt wird  spekuliert, dass das von ihnen betriebene Waschcenter in der Weststadt schließt  und in den Räumlichkeiten eine Moschee errichtet werden soll. Die Gerüchte wurden in die Welt gesetzt, nachdem  bekannt wurde, dass die vom  Waschcenter angemietete Immobilie veräußert wurde.  Alexander und Gabriele Radenkovic erfuhren selbst erst vom Verkauf, als der Besitzerwechsel bereits  in Papier und Tüten war. Laut SVZ-Informationen handelt es sich bei dem neuen Eigentümer des Gebäudes um einen seit Jahren in Parchim ansässigen Bürger ausländischer Herkunft.

 In diesen Tagen nun kam es zu einer ersten persönlichen Begegnung zwischen dem neuen Vermieter und den Waschcenter-Betreibern: „Er sieht in uns einen langjährigen Mieter. Wir sind uns einig geworden und haben uns auf eine Miete verständigen können, die für beide Seiten  akzeptabel ist“, sagt Alexander Radenkovic. Beide Seiten hätten per Handschlag besiegelt, dass für den Mietvertrag, dessen Laufzeit noch bis März 2017 gilt, im neuen Jahr ein Anschlussvertrag mit einer Laufzeit für zwei Jahre und die Option auf Verlängerung aufgesetzt wird, erklärt  Radenkovic gegenüber unserer Zeitung. „Es sei ein gutes Gespräch gewesen“, versichert er.  

Noch nicht verwunden hat er, dass der Verkauf so an ihm vorbeiging. Die Immobilie  gehörte bis dato den Parchimer Stadtwerken.  „Hätte ich gewusst, dass sie zum Verkauf steht, hätte ich mich darum bemüht“, zeigt sich Alexander Radenkovic enttäuscht. Auf SVZ-Anfrage  erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Dirk Kempke , dass der neue Besitzer von sich aus mit dem Kaufwunsch auf das Unternehmen zugekommen sei. „Wir haben es bewerten lassen und es zum bewerteten Preis veräußert.  Immobilien gehören ohnehin nicht zu unserem Kerngeschäft“, so der Geschäftsführer. Er hebt noch einmal ausdrücklich hervor, dass  die heutigen Betreiber des Waschcenters in all den Jahren zuverlässige Kunden gewesen seien.

Das Waschcenter in der Weststadt besteht seit 1992. Kurz nach dem Jahrtausendwechsel übernahm  Gabriele Radenkovic die Einrichtung von den Vorbetreibern aus Hamburg. Unter dem Label  „Schnell und sauber“ betreiben Gabriele Radenkovic als Geschäftsführerin und ihr Mann  als Technischer Leiter insgesamt sieben Center in Rostock, Potsdam, Berlin und Parchim. In Parchim stehen den Kunden  16 Waschmaschinen zur Verfügung:  14 mit einem Fassungsvermögen von sechs Kilogramm, die anderen  beiden ausgelegt für die doppelte Menge. Außerdem können vier Schleudern, zehn Trockner und eine Mangel genutzt werden – außer an den Feiertagen an sieben Tagen in der Woche von  6 bis 20 Uhr. Heiligabend und Silvester wird mittags abgeschlossen.

Die Möglichkeit, mit der Kochwäsche in 39 Minuten oder beim 30-Grad-Programm  ohne Vorwäsche in 15 bis 16 Minuten durch zu sein, lockt sogar Kunden aus Ludwigslust und Lübz in das einzige Selbstbedienungs-Waschcenter der Region. Diese kurzen Zeiten können erreicht werden, da das heiße Wasser direkt aus einer externen Aufbereitungsanlage gezogen und auf dem Weg zur Maschine je nach Programm auf die gewünschte Gradzahl gemischt wird. Gabriele und Alexander Radenkovic haben laut eigenen Angaben erheblich in die technische Ausstattung investiert – schon deshalb wäre für sie ein Standortwechsel innerhalb von Parchim wirtschaftlich unvertretbar gewesen.

Als eine von vielen  langjährigen Stammkunden ist Gretel Warnke  sichtlich erleichtert,  hier weiterhin wie gewohnt waschen, trocknen und mangeln zu können. Mindestens  einmal in der Woche kommt sie mit einem gefüllten Wäschekorb  ins Center. „Ich habe eine große Familie und oft Besuch von den Enkelkindern. Da ist man ja froh, dass es diese Möglichkeit  gleich in Wohnnähe gibt“, lobt die Weststädterin. Wie schon so oft, wurde sie  von  Tochter Iris von Fehrn  begleitet, die zwei Wochen zu Besuch  in Parchim ist. Auf der Bahnfahrt mit  nach Hause in Schleswig nimmt sie  nun einen  Rucksack voller frisch gewaschener  Sachen. Gretel Warnke und ihre Tochter schätzen die sauberen Räume. „Und  immer ist genug Waschpulver vorrätig“,  weiß Gretel Warnke.

Dieses Kompliment geht vor allem auch an Klaus Joachim, der jeweils zwei Stunden am Tag im Center nach dem Rechten schaut und bei Bedarf  kleine SOS-Reparaturen ausführt.  Zum Auf- und Abschließen braucht er nur schnell über die Straße zu gehen, denn er wohnt  gleich vis a vis vom Center.  Auf die Uhr guckt er eigentlich kaum, dazu macht er seinen Job, in den er vor ca. sechs Jahren durch einen puren Zufall hineinrutschte, viel zu gern.  Vor allem sonnabends herrsche Hochbetrieb.  „Das ist der Hauptwaschtag.“ Klaus Joachim weiß, dass viele seiner  Kunden  selbst zu Hause gar keine eigene Waschmaschine mehr haben.  Auch Klaus Joachim bringt seine Klamotten lieber mit ins Waschcenter.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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