zur Navigation springen

Parchimer Zeitung

29. September 2016 | 03:35 Uhr

Politik : Grebbiner macht Politik: Nächstenliebe als Antrieb

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Plakate in der Region gestaltet: Maik Kindler freut sich über Zuspruch für Tierschutzpartei-Kampagne

Warum tut der Mann sich das an? Er ist als selbstständiger Handwerker im Ökobau ständig auf Achse, betreibt in Grebbin einen Kälberhort für ausgestoßene Tiere, ist Familienvater. Und dann pflastert Maik Kindler in nächtelanger Arbeit den Landkreis mit hunderten Plakaten der Tierschutzpartei zu. Die Belohnung: kreisweit 1500 Stimmen, landesweit mehr als 10 000.

Die kreisexklusiven Motive auf den Plakaten sind so ganz anders als die üblichen Grinseköpfe der Kandidaten. „Federfreunde statt Schreddermüll“ spielt zum Beispiel auf die massenweise Vernichtung von Küken in Mastanlagen an und zeigt Henne und Hahn so kulleräugig, als wären sie als beste Kumpels gerade aus einem Kinderbuch stolziert. Die Plakate bezaubern – kein Wunder, eine Künstlerin aus der Nachbarschaft hat sie gemalt.

Das Aufhängen hat Maik Kindler bei seinen sommerabendlichen Reisen durch den Landkreis magische Momente beschert: „Leute, wie schön unser Landkreis doch ist: idyllische Dörfer und unbebaute Flecken.“ Der 40-Jährige bereut nicht, aus „politischen und persönlichen Gründen“ vor einigen Monaten den Grünen den Rücken gekehrt zu haben. Mit anderen Abtrünnigen schloss sich Kindler der Fraktion Umwelt, Piraten, freie Wähler an.

Ironie: Die Stimmen der Tierschutzpartei machen einen großen Teil der Grünen-Verluste aus, die die Partei aus dem Landtag beförderten. „Auffällig ist, dass die Tierschutzpartei im ländlichen Bereich mehr Stimmen erzielt hat, wo wir vor Ort keine Mitglieder haben“, heißt es in einer Analyse der Landes-Grünen.

Der Grebbiner Maik Kindler hat lange über seine politische Heimat gegrübelt, bevor er sich der Tierschutzpartei anschloss: „Als Familienvater und Kleinunternehmer geht es mir um die Zukunft und wie wir leben wollen. Auch wegen meiner eigenen Biografie ist es mir wichtig, dass Demut und Nächstenliebe auch in der Politik eine große Rolle spielen.“

Dass man der Tierschutzpartei vor Jahren nachsagte, sie werde von rechts unterwandert, will Maik Kindler für heute ausschließen. Er fuhr kurzerhand nach Greifswald und besuchte dort den Landesvorsitzenden. Nach mehreren Treffen im Landkreis war klar: Die Tierschutzpartei passt. Auch im Freundeskreis fand der Grebbiner Unterstützer. Ihnen und der Familie ist er dankbar für die Unterstützung und das Verständnis. Sie heckten die Kampagne aus, entwarfen die Plakate, die es so nur im Landkreis Ludwigslust-Parchim gab. Ihnen geht es nicht um Tierschutz allein, sondern auch um den gesellschaftlichen Umgang.

Maik Kindler: „An der Art und Weise wie wir mit anderen Geschöpfen umgehen, lässt sich der Grad an Menschlichkeit erkennen. Gerade am Umgang mit den Tieren muss sich der Humanismus unserer Gesellschaft messen lassen. Ich will nur Achtung, Respekt und Mitgefühl der Schöpfung gegenüber. Es ist ein saustarkes Gefühl, wenn Tiere dir bedingungslos vertrauen.“

Bei diesem Satz trottet die Deutsche Dogge Balou friedlich heran, das Riesentier lässt sich genüsslich kraulen. Tiere heißt es, erkennen den Charakter eines Menschen.

zur Startseite

von
erstellt am 21.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen