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Parchimer Zeitung

02. Dezember 2016 | 21:10 Uhr

Schausteller auf dem Martinimarkt : „Früher nannte man uns fahrendes Volk“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schausteller-Ein Beruf, der in der Familie bleibt

Bis zu dem „Termin des Jahres“ sind es nur noch gut 24 Stunden. Morgen Nachmittag öffnet der Parchimer Martinimarkt. Viele plündern aktuell ihr Sparschwein. Das mühsam zurück gelegte Geld kann nun endlich für Zuckerwatte, Glühwein und Riesenrad ausgegeben werden.

Bevor es aber losgehen kann, heißt es für die Schausteller auf dem Festplatz an der Bergstraße ranklotzen. Fleißige Hände wohin man schaut. Während die einen inmitten des Standaufbaus stecken, arbeiten andere bereits an Einzelheiten. So werden Achterbahnsitze geputzt, Biergläser gespült, Herbstdekors angebracht, an den Glückslos-Ständen die Regale mit Plüschwaren befüllt.

Ganz beiläufig kocht Carola Kirchner in ihrer Wohnung auf vier Rädern das Mittagsessen. Sekundenschnell schält die Sächsin die Kartoffeln und erzählt: „Ich bin so gern in Mecklenburg. Seit 2008 kommen wir mit der Käsescheune nach Parchim, es ist einfach nur schön“. An ihrem Stand bieten die Kirchners leckere Käsespezialitäten an. Direkt dahinter, inmitten des Rummelplatzes, wohnt das Paar. „In Sachsen haben wir ein richtiges Heim, da wohnen wir höhstens zwei, drei Monate im Jahr. Ansonsten leben wir in unserem Wohnmobil. Das ist unser Zuhause“, meint die Schaustellerin. Das Inventar ist schick und gemütlich zugleich, alles was man zum Leben braucht, hat seinen Platz. Das Innere des Mobils wirkt wie eine kleinere Einraumwohnung, doch an Wohnlichkeit fehlt es überhaupt nicht. „Sesshaft werden“ war für die Kirchners nie wirklich ein Thema. Beide stammen aus generationsübergreifenden Schaustellerfamilien, sie haben selbst Kinder und Enkel, die das Schaustellerleben von kleinauf kennen. „Ich kann mir nichts anderes vorstellen. Das Touren gehört zu unserem Leben. Daher bezeichnete man den Berufsstand früher als fahrendes Volk“, so Kirchner.

Auf dem diesjährigen Martinmarkt heißt das vermutlich jüngste Mitglied einer waschechten Schaustellerfamilie Klara May und ist sieben Wochen alt. Den Volksfesttrubel scheint das Baby schon jetzt zu lieben, meint sein Vater Peer Hamberger: „Selbst in der Schwangerschaft war Klara mit auf den Festen, sie hat schon jetzt einige Märkte hinter sich. Wenn es laut ist, Musik läuft und alle am Arbeiten sind, schläft die Kleine wie ein Stein. Herrscht Ruhe, fängt sie an, Lärm zu machen“.

Hamberger führt den Gastronomiestand „Schlemmer-Katen“. Daneben steht der elterliche Betrieb der Event- und Reisegastronomie Hamberger. Schaustellertum bleibt tatsächlich in der Familie. „Ich bin nicht anders aufgewachsen. Für meine Kinder ist es auch gut. Durch das Reisen, das direkte Miterleben verlieren sie Berührungsängste. Sich auf Neues einzustellen, mit jedem problemlos reden zu können, das lernen sie schnell“, sagt der Rostocker.

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erstellt am 03.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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