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Parchimer Zeitung

04. Dezember 2016 | 21:19 Uhr

Landkreis Ludwigslust-Parchim : Flüchtlinge bleiben in Demen

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Nach Gesetzesänderung gibt es erste Rückkehrer nach MV und auch Umzüge innerhalb des Landkreises Ludwigslust-Parchim

Okba (21) und Al Walid (20) stammen beide aus einer Großstadt im Süden Syriens. Vor dem Bürgerkrieg hatte sie 800  000 Einwohner. Dass sich die Beiden dort nie über den Weg gelaufen sind, ist kaum verwunderlich. Vor vier Wochen jedoch haben sich die jungen Männer kennen gelernt: Sie leben wie derzeit rund 60 Flüchtlinge in zwei Wohnblöcken am Demener Ziolkowskiring. Al Walid schon seit dem Frühjahr, Okba seit vier Wochen. Der 21-Jährige musste von Parchim nach Demen umziehen, weil der Landkreis in der Kreisstadt angemietete Wohnungen kündigte, um auf die stark zurückgegangenen Flüchtlingszahlen zu reagieren und um Kosten zu sparen.

„Es werden ausreichend Wohnungen vorgehalten“, betont Kerstin Finger vom Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt. Sie ist als Teamleiterin Ausländerberatung im Landkreis aktiv. „Da die Mieten in Demen günstig sind, bleibt der Ziolkowskiring ein wichtiger Standort.“ Integrations- und Sprachkurse finden im Evita-Forum statt. Die Kleinen können in die Kita gehen, größere Kinder in die Grund- oder Regionalschule Crivitz. Drei Busse fahren morgens bzw. mittags in die Kleinstadt, einer davon weiter nach Schwerin.

„Wir leben hier dennoch wie im Wald“, bringt Loran die Meinung der jungen Männer auf den Punkt. Der 21-Jährige stammt aus Nordsyrien. Dort hat er Geologie studiert. Loran will so schnell wie möglich Deutsch lernen, um so sein Studium fortzuführen. In MV geht das nicht. Loran will in den Ruhrpott. Doch schon jetzt will er am liebsten nach Schwerin oder Rostock, um wieder in einer Stadt zu leben. Okba wäre schon froh, wenn er zurück nach Parchim könnte. Dort hatte er sich sehr wohl gefühlt. „Aber es gibt keine Wohnung für mich“, bedauert Okba. Das bestätigt Kerstin Finger: „Egal ob Schwerin oder Parchim: In Städten gibt es keine kleinen Wohnungen, die für die vorgeschriebenen Regelsätze angemietet werden können.“ Die jungen Syrer in Demen sind schon ein bisschen frustriert, wenn sie sehen, wie andere Flüchtlinge wegziehen. „Von denen werden jetzt eine Reihe zurückkommen nach Demen“, betont Kerstin Finger. Denn durch eine Gesetzesänderung im Sommer müssen auch anerkannte Flüchtlinge zurück in das Bundesland, in dem sie registriert worden waren. Anderenorts bekommen sie keinen Wohnraum zur Verfügung gestellt. „Natürlich gibt es Ausnahmen“, ergänzt Finger. Anerkannte Flüchtlinge, die ihren Lebensunterhalt allein bestreiten , können leben, wo sie wollen. Und wer andernorts gerade eine Ausbildung oder einen Job gefunden hat, muss nicht zurück nach MV, um in Demen auf den nächsten Sprachkurs zu warten. „Wir wissen noch nicht, wie viele Rückkehrer es geben wird“, sagt Holger Krüger von der Awo, der die Flüchtlinge in Demen betreut. Doch inzwischen hat sich im Ziolkowskiring die Lage deutlich entspannt. Zu Jahresbeginn zogen die ersten Flüchtlinge ein, zumeist junge, alleinstehende Syrer. Zu „Spitzenzeiten“ waren es 160 Personen. Da mussten auch schon mal 14 junge Männer in einer Vier-Raum-Wohnung klarkommen. Heute hat jeder Mann sein eigenes Zimmer. Denn derzeit sind knapp 60 Personen in Demen untergebracht, 20 davon warten noch auf ihre Anerkennung als Flüchtling. Durch die Rückkehrer werde die Zahl der Flüchtlinge hier wieder ansteigen, bis zu 100 Personen könnten aber gut in den vom Landkreis angemieteten Wohnungen im Ziolkowskiring leben, schätzen Finger und Krüger ein.

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erstellt am 11.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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