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Parchimer Zeitung

28. August 2016 | 12:30 Uhr

Mvgida-Demo in Parchim : Die Welt hat die Provinz erreicht

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Parchimer für Vielfalt und Toleranz / 300 Bürger setzen Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung / Mvgida-Demo mit 700 Teilnehmern

Schon am Nachmittag glühten die Handys. Per SMS, WhatsApp oder Telefon hatten sich Parchimer zur gemeinsamen Feierabenddemo verabredet. Kurz vor Beginn der Veranstaltung schien der Parkplatz neben der Sporthalle am Gymnasium aus den Nähten zu platzen. Später war von den Organisatoren – dem Netzwerk Flüchtlingshilfe Parchim – zu hören, dass mit gut 300 Teilnehmern die Erwartungen erfüllt seien. „Herz statt Hetze“, „Für ein buntes Deutschland“, „Kein Mensch ist egal“ war auf den mitgeführten Transparenten zu lesen. Geschätzt jeder zweite hatte ein Licht und eine weiße Papier-Friedenstaube dabei. Hanka Gatter redete als Sprecherin des Netzwerkes Klartext: „Deutschland steht vor einer enormen Herausforderung. Das Ausmaß ist derzeit nicht abzuschätzen“. Ins gleiche Horn stieß Bürgermeister Dirk Flörke: „Wir wurden mit der Belegung der Tennishalle und der Einrichtung in Dargelütz überrumpelt. Ohne die vielen Helfer hätten wir es nicht gestemmt“. Der neue Mann im Rathaus räumte eigene Fehler ein. „Ich stehe für Transparenz. Die Bürger haben das Recht auf umfassende Informationen.“ Schon übermorgen Abend (ab 19.30 Uhr in der St. Georgenkirche) soll es die auf einer Informationsveranstaltung geben.

Peter Stockmann, der heute Abend nicht als Pastor, sondern wie er betonte „als Bürger dieser Stadt“ an das Rednerpult trat, gab zu bedenken: „Wir stehen zusammen, weil es nötig ist. Es gibt nicht nur zwei Seiten in Parchim, nicht den einen oder anderen Parkplatz, wo heute demonstriert wird, sondern viele Meinungen. Die Welt ist in der Provinz angekommen“. Keinen Hehl machte er aus seiner Sorge, dass der innere Frieden gefährdet sei.

Als der Klassiker der Popmusik „Imagine“ von John Lennon erklang und Jung und Alt einstimmten, wurde das Zusammengehörigkeitsgefühl fühlbar. Lichter wurden an die Bordsteine der Straße gestellt, die den Parkplatz der Netzwerk-Demo mit dem nur wenige hundert Meter entfernten Sammelplatz der Mvgida-Sympathisanten verband.

Das Organisationteam der Mvgida-Veranstaltung mit Michael Grewe aus der Nähe von Boizenburg als Anmelder begrüßte kurz nach 19 Uhr rund 700 Demonstranten auf dem Parkplatz gegenüber vom Gymnasium. Unter den Anhängern waren auch viele junge Leute. Scharfe Worte waren auf dieser Demo gegen die Flüchtlingspolitik in Deutschland zu hören. Der Lautsprecherwagen der Kundgebung schallte weit bis in die Weststadt. Erst mit Verspätung startete die Demonstration, da die Veranstalter aufgrund der Teilnehmerzahl Ordner nachmelden musste, die erst noch durch die Polizei überprüft wurden. Nach der Kundgebung gab es einen Marsch von Gegnern der deutschen Asylpolitik durch die Weststadt.

Die Kundgebung der Asylgegner wurde vom Protest von linken Demonstranten begleitet. Dazwischen stand ein Großaufgebot der Polizei. „Wir wollen Störungen verhindern, egal von welcher Seite“, so Klaus Wiechmann, der Sprecher der Polizeidirektion.

Insgesamt 130 Polizeibeamte waren im Einsatz. Ein Demonstrant skandierte den Hitlergruß. Die Polizei nahm gegen ihn eine Anzeige auf und sprach einen Platzverweis aus.

Informationen rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier

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