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Parchimer Zeitung

29. September 2016 | 03:37 Uhr

Reportage : „Die machen ihren Job doch für unsere Sicherheit“

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Ferienzeit – Reisezeit: Mit der Besatzung des Videowagens der Polizei auf Tour

In diesen Ferienwochen ist Mecklenburg-Vorpommern Reiseziel Nummer eins vieler Touristen. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim ist Ziel oder Teil der Anfahrt etlicher Urlauber. Dass diese sicher ans Ziel kommen und sich auf den Autobahnen, Bundes-, Landes- sowie Kreisstraßen an die Vorschriften halten, darum kümmern sich u.a. die Beamten des Autobahn- und Verkehrspolizeireviers in Stolpe.

Neben den Streifenwagenbesatzungen sind Beamte mit einem zivilen Fahrzeug unterwegs, stets auf der Suche nach möglichen Verkehrssündern, die sich und andere in Gefahr bringen. Der BMW ist technisch hochgerüstet. Nicht nur die Motorleistung des allradgetriebenen Fahrzeugs, sondern die hochmoderne Videotechnik im Front- und Heckteil machen das Auto so wertvoll.

Wir waren einige Stunden mit den Polizeihauptmeistern Henrik Blaeß und Burkhard Werner unterwegs. Beide sind bereits seit langem ein eingespieltes Team, kennen sich aus den Zeiten, als die technischen Dienste noch in Wismar angesiedelt waren. Mit knappen Worten verständigen sie sich. Jeder Handgriff sitzt, während das Auge die Fahrstrecke nach vorne und mittels Spiegel und Kamera auch nach hinten stets im Blick hat.

Das erste Problem taucht gleich an der Anschlussstelle Neustadt-Glewe auf. Wegen eines Unfalls ist die Richtungsfahrbahn Berlin voll gesperrt. Doch Einsatzkräfte haben es schwer. Etliche (zu viele) bilden keine Rettungsgasse und sogar dem Videowagen mit Blaulicht und Martinshorn fällt es schwer, durchzukommen. Bis die Fahrer durch wildes Rangieren Platz schaffen, vergehen wertvolle Sekunden und Minuten. Zeit, die möglicherweise über Leben und Tod entscheidt – ob das die Kraftfahrer wissen? Zum Glück gab es bei diesem Auffahrunfall keine Verletzten.

Nach kurzem Stopp geht es weiter. Die Beamten erzählen, dass sie nicht um jeden Preis die Sünder anhalten, „wir haben stets die Sicherheit des Verkehrssünders und unsere eigene Sicherheit im Auge“. Ihr Auto beherrschen sie, denn sie absolvieren auch ein spezielles Fahrsicherheitstraining. Das zeigt sich auch wenig später auf der B 191 nahe Brenz. Ein Audi A 3 kommt von hinten angerast, überholt den Videowagen und schert riskant vor den Beamten rechts in eine Seitenstraße ein. Abrupt zu stoppen und den Sünder verfolgen, war zu riskant – leider Glück für den Audi-Fahrer.

Wieder auf der Autobahn fällt ein polnischer Pkw auf, der mit einem Anhänger unterwegs ist. Doch statt der maximal 80 km/h ist der Fahrer mehr als 100 km/h schnell. Trotz Sprachschwierigkeiten ist dem Mann klar, was er falsch gemacht hat. Um 25 Euro erleichtert, kann er seine Fahrt fortsetzen. Nach einem kurzen Zwischenstopp an einer mobilen Blitzerstelle im Baustellenbereich des künftigen Kreuzes Schwerin (in nur 10 Minuten waren 29 Fahrzeuge schneller als die erlaubten 80 km/h) geht es weiter.

In zwei Schichten ist das Fahrzeug an sieben Tagen in der Woche mit wechselnden Kennzeichen auf der A 24 von Suckow bis Gudow und auf der A 14 vom Kreuz Schwerin bis zur Abfahrt Cambs unterwegs. „Dabei lauern wir nicht, sondern fischen die aus dem Verkehr, die sich auffällig verhalten“, sagt Dietmar Vorbeck, der Leiter des Stolper Reviers. Mit dem Spezialfahrzeug wird nicht nur das Tempo gemessen, „wir können auch Abstandsmessungen vornehmen, auf die Einhaltung der Spurtreue (Rechtsfahrgebot) achten, falsches Überholen wird ebenso geahndet und alles ist per Video stets gerichtsverwertbar“, erklärt Vorbeck.

„Nanu, erst überholt der mich, dann ich ihn, was will der bloß? Dabei hätte ich es mir doch denken können“, sagt eine junge Frau aus Böblingen. Sie ist mit ihrem Golf von Berlin nach Hamburg unterwegs und hat vergessen, den Gurt anzulegen. „Die Autobahn war relativ leer und so habe ich es vergessen“, sagt sie munter. Dass sie gestoppt wird, findet sie nicht schlimm, „die machen ihren Job doch für unsere Sicherheit“, sagt sie und rollt weiter, nachdem sie gezahlt hat. Ein VW-Fahrer aus Brüsewitz mit Kasseler Kennzeichen kommt mit einer mündlichen Verwarnung davon. Er telefoniert auf der A 24 zwar mittels der erlaubten Freisprecheinrichtung, ist aber unbewusst doch in leichten Schlangenlinien unterwegs. „Habe ich gar nicht bemerkt, dass ich damit andere irritiere; hätte nicht gedacht, dass das so ablenkt“, meint er angesichts des Videobeweises.

An diesen heißen Tagen ist der Videowagen weiter unterwegs. Das beste Mittel, nicht von der Besatzung gestoppt zu werden, ist ganz simpel: Einfach an die Vorschriften halten, dann beginnt der Urlaub garantiert entspannt.



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erstellt am 28.Jul.2014 | 07:30 Uhr

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