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Parchimer Zeitung

03. Dezember 2016 | 22:47 Uhr

Parchim : Der Biber nagt sich durch

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Immer mehr Schäden an Stauanlagen im Bereich Mittlere Elde. In der Kreisstadt nimmt der Nager auch unerwartete unterirdische Wege

„Der Biber wird zur Plage“, sagt Uwe Zöllner, Geschäftsführer vom Wasser- und Bodenverband Mittlere Elde. Die Tiere richten zunehmend Schäden an Stauanlagen an. Über 323 solcher Anlagen verfügt der Verband, um damit die Wasserläufe zu regulieren. Rund zwei Drittel davon sind aus Holz und damit potenziell Biber gefährdet.

Eine große Überraschung gab es in diesem Jahr in Parchim. Vom sogenannten Mühlenfließ am Fischerdamm lässt sich der Zufluss zum Färbergraben regulieren. Von außen sieht man nur einen kleinen Betonkasten. Unter dem Wasser sind Holzbohlen. Als in diesem Jahr der Färbergraben trocken gelegt werden musste, um bauen zu können, sollte dieser Stau geschlossen werden. Das funktionierte nicht, berichtet Uwe Zöllner. Ein Biber hatte Bohlen angenagt. Doch der war nicht etwa vom Wasser an der Mühle gekommen, zumal hier ein für Nager unüberwindliches Metallgitter den Weg versperrt. Er kam aus dem Färbergraben, der bis dahin zum großen Teil als unterirdisches Rohr durch Parchim führte. Und er hatte sich den Weg unterhalb der Straße am Fischerdamm hindurch gesucht. Dann fraß er ein Loch in Bongossi, einem Material, das wegen seiner Härte auch als Eisenholz bezeichnet wird.

Dieses Holz hat der Zweckverband bisher gern eingesetzt. Mehrere 17 Zentimeter breite Balken werden – genau angepasst – in Stauanlagen übereinander gesetzt, um so den Wasserstand zu regulieren. Bongossi quillt nicht und hält ewig, ist von Uwe Zöllner und Verbandsingenieur Wolfgang Mey zu erfahren.

Nur vor dem Biber ist es nicht sicher. Der hatte im Verbandsgebiet der Mittleren Elde u.a. auch schon das Eisenholz an einer Stautafel bei Mestlin und eine Eichenkonstruktion bei Wamckow unbrauchbar gemacht. Das erste angefressene Bongossi-Holz platzierten Mitarbeiter vom Zweckverband über ihrer Werkstatttür in Parchim.

Zöllner weiß aus einem Wasser- und Bodenverband an der Peene, dass es dort schon massive Probleme wegen solcher Schäden gibt.

Fakt ist: Der Biber verursacht auch an der Mittleren Elde steigende Kosten. Und der Nager breitet sich in der Parchimer Region weiter aus. Viele haben das Tier mittlerweile in der Natur beobachtet. In Matzlow schwimmt ein Biber im Sommer jeden Tag um 8.30 Uhr durch die alte Elde, berichtet Uwe Zöllner. Nur in der Mooster ist er noch nicht so aktiv. Allerdings hat der Nager auch hier bereits vor Jahren in der Nähe von Siggelkow Bäume gefällt, so Wolfgang Mey. Auf einer Stippvisite war der Nager u.a. auch im Darzer Moor. Heimisch ist er auch in der Löcknitz bei Balow.

Der Biber steht streng unter Schutz. Er darf nicht gejagt und nicht in seiner Fortpflanzung behindert werden.

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erstellt am 16.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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