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Parchimer Zeitung

25. September 2016 | 19:24 Uhr

Parchim : Defekt und Pilotenfehler führten zum Absturz

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Ursache des Parchimer Flugzeugunglücks von Pfingsten 2012 mit zwei Toten aufgeklärt. Triebwerk-Hersteller reagiert.

Zwei Tote Passagiere und zwei Schwerverletzte: Es war einer der schlimmsten Flugunfälle am Parchimer Flughafen, als Pfingsten 2012 ein zweimotoriges Sportflugzeug in einen Wald stürzte. Zeugen hatten beobachtet, dass die Maschine nach dem Start ins Trudeln geraten war. Jetzt steht fest: Eine Mischung aus technischem Defekt und Pilotenfehler hat zum Unglück geführt. Das haben die Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung BFU in ihrem jetzt veröffentlichten Untersuchungsbericht festgestellt.

Schon bei der Bergung am 28. Mai 2012 hatte eine verletzte Flugzeuginsassin die Vermutung geäußert, mit einem Triebwerk habe etwas nicht gestimmt. Das bestätigen die Luftfahrtexperten im Bericht. Demnach sei es „im Steigflug aufgrund einer verschmutzten Kupplung zu einer Überdrehzahl am rechten Triebwerk“ gekommen. Grund: Öl war in die Kupplung eingedrungen. Der 58-jährige Pilot habe dann den Fehler gemacht, das Triebwerk nicht abzustellen und damit den Propeller in Segelstellung zu bringen. Außerdem hätte die Notlandung auf hindernisfreiem Gelände passieren müssen.

Die Experten sehen außerdem, dass die geringe Erfahrung des Piloten auf dem Flugzeugtyp zum Unfall beigetragen hat. Und: Bei der „vorherigen Instandsetzung wurde der technische Mangel am Triebwerk nicht festgestellt.“

Schon Tage vor dem Absturz in Parchim hatte es Probleme mit dem Flugzeug vom Typ Diamond Aircraft 42 gegeben. Auf dem Flug von Basel nach Sylt sei es zum Leistungsabfall des rechten Triebwerks gekommen. Beim Start in Westerland habe das rechte Triebwerk volle Drehzahl gehabt und der rechte Propeller sei trotzdem stehengeblieben. Daten zeigen: Schon hier rutschte die Kupplung. Der Pilot brach den Start ab, trug nichts ins Bordbuch ein, informierte aber nach seinen Angaben den Halter der gecharterten Maschine und den Wartungsbetrieb. Das Flugzeug wurde am 25. Mai 2012 auf Sylt repariert und startete am Tag darauf problemlos nach Parchim.

Auf dem Rückflug nach Basel passierte dann das Unglück. Wieder fiel das rechte Triebwerk aus. Jetzt hätte sich der Pilot nach Expertenmeinung konsequent darum kümmern müssen, das Flugzeug stabil zu halten und dann notzulanden. Nach Meinung der BFU sind dabei Fehler passiert die darauf hindeuten, „dass er mit der aufgetretenen Situation überfordert war“ und das Flugzeug in dieser Phase „mit ihm geflogen“ ist.

Nach dem Unfall hat der Triebwerkhersteller Wartungsanweisungen herausgegeben, die solche Unfälle künftig verhindern sollen.

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erstellt am 21.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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