zur Navigation springen
Anzeige

Anzeige
Anzeige

Lokales

22. Oktober 2014 | 09:57 Uhr

Neue "Völkerwanderung" in Rambow

vom

So viele Besucher wie Freitagabend hatte die Kirche von Rambow lange nicht mehr: Das älteste Gebäude war ein würdiger Ort, um mit einer Festsitzung die 650-Jahrfeier des Dorfes zu eröffnen.

Rambow | Mut, Zuversicht, Glaube und Hoffnung seien es, die die Menschen vorantreiben und diese hätten auch die Rambower in all den Jahrhunderten begleitet - in guten wie in schlechten Zeiten, meinte Ortsvorsteher Ulrich Gutke in seinen einleitenden Worten. So waren noch 20 Jahre nach Ende des 30-jährigen Krieges erst sieben von einst 14 Hüfnerstellen wieder besetzt.

Anzeige
Anzeige

83 Einwohner wohnen heute in dem Dorf zwischen Groß Werzin und Krampfer, 60 Prozent hätten sich nach 1990 hier niedergelassen, machte Ulrich Gutke die "neue Völkerwanderung" deutlich. Bis auf ein Grundstück seien alle Gehöfte bewohnt, wenn auch nicht ständig.

Dass die Rambower 2009 ihre 650-Jahrfeier begehen, ist einem Zeitungsbeitrag zu verdanken, der im Frühjahr erschien und auf die Kopie eines Kirchenvisitationsprotokolls von 1359 mit Erwähnung von Rambow verwies. Erforscht hatte dies die verdienstvolle Landesarchivarin Lieselotte Enders. Bisher galt für Rambow eine Originalurkunde von 1415 als historischer Erstbeleg. "Wir fragten im Hauptarchiv Potsdam nach und erhielten die Neudatierung als historisch bestätigt. Daraufhin haben wir ein Festkomitee zusammengetrommelt, um die 650-Jahrfeier vorzubereiten", erzählt Rainer Schneewolf.

Er selbst trug mehrere hundert alte Fotos aus der Dorfgeschichte und Texte dazu zusammen, scannte sie ein und wählte 65 für eine Ausstellung in der Kirche aus, die Alt- und Neufotos vereint. Auch ein Rambow-Lied mit 24 Strophen stammt aus seiner Feder. Ebenso erschien eine Broschüre mit Aufzeichnungen des Rosenhagener Pfarrers Bernhard Groch von 1926 zur Rambower Dorfchronik, die der Prignitzkenner Torsten Foelsch zum Ortsjubiläum neu zusammenstellte und kommentierte. Was die Rambower ebenso freut - in viel Kleinarbeit erstellte das Festkomitees ein Kartenblatt mit allen Grundstücken, Gebäuden und historischen Daten zur Baugeschichte. Älteste Gebäude sind die Feldsteinkirche (Anfang des 16. Jahrhunderts) - der baufällige Bretterturm wurde 1874 durch den heutigen Turm ersetzt - und ein Fachwerkhaus von 1730. Ebenso erwähnt Pfarrer Groch, dass Rambow bereits von den Wenden besiedelt war. Nach Direktor Vogel aus Perleberg, der eine Veröffentlichung zu Ortsnamen der Prignitz herausgab, sei Rambow abzuleiten von dem wendischen Wort rebow oder reba, was Hacker oder Hauer bedeutet und auf das Roden von Wald für die Bebauung und Gewinnung von Ackerland verweist.

Das Jubiläum führte Alteingesessene, Neu-Rambower, ehemalige Dorfbewohner und Gäste zusammen. Zu den Alteinwohner gehören zum Beispiel Siegfried (82) und Ilse (81) Staack. Die Großeltern hatten 1906 in Rambow einen Bauernhof gekauft. "Mein Vater wurde 101 Jahre alt", erzählt Siegfried Staack. Fortgeführt wird der Familienbesitz nicht, er ist bereits an einen Berliner verkauft. Anders dagegen bei den Familien Wernecke/ Kautz. Hier wohnen vier Generationen unter einem Dach. Mit 94 Jahren ist Minna Wernecke auch die älteste Rambowerin.

Ulrich Gutke kam 1962 mit 23 Jahren als junger Agronom-Assistent zur MTS-Glöwen, die ihn zuerst nach Viesecke delegierte. Zwei Jahre später wurde ein LPG-Vorsitzender in Rambow gebraucht. Hier blieb er hängen. "Ein Landwirt muss bodenständig sein", so der Ortsvorsteher.

Neu-Rambower sind Horst Maaß und seine Lebensgefährtin Katja Buhlmann. Sie zogen vor sechs Jahren aus Berlin bzw. Neufahrland aufs Dorf. "Hier habe ich mehr Platz für Wohnmobil, Anhänger und Tiere", begründete Horst Maaß seinen Umzug. Für Katja Buhlmann bot sich die Möglichkeit, eine eigene Keramikwerkstatt zu eröffnen.

Nicht entgehen lassen wollte sich das Dorfjubiläum Christel Grashoff. Die 54-Jährige wuchs in Rambow-Ausbau auf und wohnt heute in Breese. Lachende Gesichter bei Karin Fenske (Wittenberge) und Cornelia Gutke (Schwerin) - sie hatten sich auf alten Fotos in der Kindergartengruppe und beim Baden in einer Zinkwanne wiederentdeckt. Im Festzelt, am Lagerfeuer und am Sonnabend bei einem reichhaltigen Programm gab es noch viel zu erzählen. Auch luden mehrere Häuser und Höfe zu einem Tag der offenen Tür ein.

zur Startseite

von
erstellt am 31.Aug.2009 | 08:58 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Stadtverkehr Wittenberge : Ohne Umweg wieder nach Hause

Prignitzer Verkehrsgesellschaft ändert Fahrroute - Passagiere kommen aus der Innenstadt direkt zurück in den Gehrenweg

Anzeigenmärkte