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Ludwigsluster Tageblatt

03. Dezember 2016 | 07:48 Uhr

Vielank/Lübtheen : Zutritt zum Truppenübungsplatz?

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Das Gutachten zur Munitionsbelastung liegt nun vor: Einige Areale der 6000 Hektar großen Fläche könnten ab 2017 freigegeben werden.

Lange haben alle darauf gewartet, jetzt liegen die Ergebnisse zur Munitionsbelastung des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lübtheen vor. Ergebnisse, die Hoffnung machen, dass einige Bereiche des 6000 Hektar großen Areals nach Auslaufen der Sperr-Verordnung Ende 2016 wieder betreten werden könnten.

Am Montag stellte der Munitionsbergungsdienst des Landes allen Beteiligten die Sachlage vor. Das sollte eigentlich schon im Frühjahr passiert sein. Details wollte gestern niemand der Verantwortlichen nennen. Nur so viel: Es soll Verbesserungen geben. „Wir sind ein Stück weiter“, sagte etwa Ronny Schult, Leiter des Ordnungsamtes Dömitz-Malliß. Auch Wolfgang Utecht, Verwaltungschef von Ludwigslust-Land, zeigte sich  optimistisch.  „Ich bin positiv überrascht, dass einzelne Abschnitte freigegeben werden könnten.“ In den nächsten Wochen werde sich laut Ronny Schult zeigen, welche Konsequenzen die Verantwortlichen aus dem seit Ende Oktober vorliegenden historisch-genetischen Gutachten ziehen. Es könnten aber Areale von dem Betretungsverbot ausgenommen werden, deutete auch er an. 

Nachdem der Munitionsbergungsdienst Ende 2015 den kompletten Schießplatz in die Gefahrenkategorie vier hochgestuft hatte, ordneten die angrenzenden Ämter Dömitz-Malliß, Ludwigslust-Land, Hagenow-Land und die Stadt Lübtheen zum 1. Dezember letzten Jahres das vollständige Betretungsverbot bis Ende 2016 an (SVZ berichtete mehrfach). Was zu Protesten in der Region führte.   Denn schon zu Militärzeiten und auch nach dem Rückzug der Bundeswehr 2013 gab es Genehmigungen zum Betreten des Platzes, mitunter ohne Auflagen und auf eigene Gefahr. Eigentümer der Fläche ist weiterhin der Bund.

Betroffene Bürger und Gemeinden befürchten nach wie vor, dass sie  auch künftig nichts von der als Nationales Naturerbe eingestuften Landschaft vor ihrer Haustür haben werden. Dazu gehört  der Verein „Braunkohle – Nein“, der seine Forderungen in einem offenen Brief formuliert hat, der SVZ vorliegt. Die Mitglieder schätzen, dass das Gebiet auch weiterhin gesperrt bleibt, so  Helmut Eggers aus Lübtheen. „Das können wir nicht nachvollziehen.“ Schließlich seien auch Jäger von dem Verbot ausgenommen.

„Wir müssen die Leute vor der Gefahr schützen“, begründete Bernd Skobel, Leiter des Ordnungsamtes Lübtheen. Die Ordnungsämter seien für die öffentliche Sicherheit zuständig. Doch trotz Verbotes würden sich viele „Unvernünftige“ nicht an die Anordnung halten und zum Beispiel mit ihren Quads über selbst angelegte Schneisen auf der Sperrfläche fahren. Aber „ich weiß nicht, wer die Verantwortung tragen will, wenn etwas passiert“, so Skobel.

Restrisiko bleibt weiterhin bestehen

Denn das Risiko sei da. Selbst, wenn jetzt einige Bereiche wieder in die Kategorie drei zurückgestuft und damit zugänglich werden, bleibe eine  gewisse Gefahr bestehen, ergänzte Ronny Schult. „Wir haben uns angesehen, welche Sprengmengen was auslösen können.“ Der Munitionsbergungsdienst führte am Montag eine Probesprengung mit 70 Jahre alter Munition durch, die zeigte, welche Kraft alte Geschosse haben  können.

Christel Drewes aus Vielank wünscht sich, dass mit der neuen Verordnung ab Januar 2017 zumindest ein Wegenetz geschaffen wird, wie es auch bei anderen ehemaligen Truppenübungsplätzen der Fall sei. Denn es gibt „Flächen, wo nie ein Schuss gefallen ist“, so die Bürgermeisterin. Wenn es nach ihr ginge, müssten zumindest alle Flächen, die erst nach der Wende zu Sicherheitszonen wurden, aus dem Verbot genommen werden. Und sie erhofft sich eine dauerhafte und schriftlich verankerte Ausnahmegenehmigung für den Quaster Tag, der wegen des Betretungsverbotes zweimal ausfallen bzw. verlagert werden musste. Das zuständige Amt Dömitz-Malliß will sich laut Ronny Schult an sein Versprechen halten und die Vielanker zeitig darüber informieren, ob und welche Lösung es geben könnte.

Bis zum 6. Dezember wollen  alle Beteiligten das Gutachtens für sich auswerten. Dann soll  bekanntgegeben werden, ob und welche Abschnitte künftig wieder für jeden offen stehen.    Die endgültigen Entscheidungen müssen dann laut Bernd Skobel der Bund als Eigentümer und das Land als Sicherheitsorgan treffen. Ganz zugänglich werde der ehemalige Truppenplatz nie sein, heißt es nochmal von allen Seiten. Das Ziel, die Natur dort zum Teil erlebbar zu machen, behalten aber alle weiter im Auge. Als „Verpflichtung“, so Ronny Schult. Aber „das kostet Zeit und Geld“.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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