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Ludwigsluster Tageblatt

11. Dezember 2016 | 09:03 Uhr

Ludwigslust : Zähes Ringen um die Schulen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Land zweifelt für neun Schulen zu lange Fahrzeit an / Landkreis möchte alle Bildungseinrichtungen erhalten / Linke fordern mehr Öffentlichkeit

Überleben alle Schulen im Landkreis bis 2020? Das Bildungsministerium hat Zweifel. Es fordert für zehn Schulen bis 13. Januar „glaubhafte“ Nachweise, dass die Wege für die Mädchen und Jungen bei einer Schließung zu lang wären. Der Landkreis arbeitet daran. Die Linke kritisiert, dass die betroffenen Gemeinden bisher nicht informiert wurden, obwohl die Auflagen seit Ende Juli bekannt sind.

Etliche Schulen konnten im vom Kreistag beschlossenen Entwicklungsplan nur gerettet werden, weil zu geringe Schülerzahlen möglich sind, wenn der Weg für die Mädchen und Jungen zu lang wird. Vom Verlassen des Hauses bis zum Klassenzimmer dürfen Grundschüler nicht länger als 2 x 40 Minuten unterwegs sein. Regionalschülern und Gymnasiasten werden 2 x 60 Minuten zugemutet.

Das Bildungsministerium zweifelt die vom Kreis gelieferten Daten für folgende Schulen an: Regionale Schulen Cambs, Malliß, Goldberg, Brüel und Grundschulen Malliß, Neu Kaliß, Marnitz, Mestlin und Groß Godems.

Andreas Sturm (Die Linke), stellvertretender Vorsitzender des Bildungsausschusses, kritisiert, dass nicht einmal die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden Bescheid wissen: „So etwas muss diskutiert werden, damit Eltern sich auch rechtzeitig einmischen können.“ Sturm sieht die Zeit knapp werden, denn die künftigen Schüler werden im Frühjahr in den Schulen angemeldet, also müsse schnellstmöglich Klarheit her. Die Linke Ludwigslust-Parchim hatte dem Thema sogar eine Klausurtagung gewidmet. Am 28. November will der Bildungsausschuss die Schulplanung diskutieren, hat einen Staatssekretär aus Schwerin eingeladen. Warum zweifelt das Land die Pläne des Kreises an? Beispiel Groß Godems: Hier habe der Kreis nur die bei Schulauflösung mögliche Fahrzeit zur Grundschule Marnitz geliefert. Der Einzugsbereich könnte aber auf Marnitz und Parchim aufgeteilt werden. Also müsse auch die Tour nach Parchim berechnet werden. Skurril: Ähnlich argumentiert das Bildungsministerium für Marnitz. Hier müsse nicht nur die Fahrzeit nach Groß Godems sondern auch zu Parchimer (!) Grundschulen berechnet werden. Für die Grundschule Mestlin sollen sogar die Wege nach Domsühl, Dabel, Goldberg und Crivitz geprüft werden.

Andreas Neumann, Beigeordneter im Landkreis, bleibt gelassen: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Fragen zu prüfen und zu klären. Ich gehe davon aus, dass sich alles in Ruhe klären lässt und wir alle Schulen erhalten können.“ Dass die auf den Prüfstand gehobenen Schulen bisher nicht genannt wurden, erklärt Andreas Neumann damit, nicht „unnötig für Unruhe“ sorgen zu wollen. Mit den Landtagswahlen habe das auch nichts zu tun, weil die Verwaltung sich seit Juli intensiv mit dem Thema beschäftige.

Wolfgang Bohnstedt, Fraktionschef der Linken im Kreistag sieht das anders. So ein Thema gehöre diskutiert. „Wir müssen um jeden Schulstandort kämpfen, wohlwissend dass wir uns ab 2020 angesichts der demografischen Entwicklung bewegen müssen.“ Die Linke möchte aber die Diskussion für neue Wege und Trägerschaften öffnen. Bohnstedt: „Wir haben Regionen, in denen die Schulen aus allen Nähten platzen, andere haben zu wenig Schüler. Wie wäre es mit Kooperationen? Das müssen wir von Region zu Region differenziert betrachten – aber nur gemeinsam im Dialog mit Eltern und Schulträgern finden wir tragfähige Lösungen. “ 

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erstellt am 11.Nov.2016 | 19:00 Uhr

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