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Ludwigsluster Tageblatt

06. Dezember 2016 | 09:14 Uhr

Ludwigslust : „Wir sind nicht besser, nur anders“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Stein-Schule stellte ihr reformpädagogisches Konzept am Tag der offenen Tür vor

Leo kann sich nicht trennen. Der Tag der offenen Tür ist fast vorbei. Die meisten Besucher sind längst gegangen. Aber Leon sitzt am Tisch im Klassenraum der Lerngruppe 1-2-3 und sucht die Zahl 23. Neben ihm kniet Lehrerin Katharina Müllers. Immer wieder muss sie ihm neue Aufgaben geben, die er mit passenden Zahlenplättchen lösen will. „Noch eins“, fordert Leo. „Und danach noch eins.“

Der Fünfjährige hat sich mit seiner Mutter Sonnabend am Tag der offenen Tür zum ersten Mal die Edith-Stein-Schule angesehen. Vielleicht ist es ja die Schule, in die er nächstes Jahr eingeschult wird. „Es wäre schön, wenn es klappt“, sagt seine Mutter. Sie hat Leo für das kommende Schuljahr hier angemeldet. Aber seine Anmeldung ist bereits die fünfzigste. Und Platz ist nur für 27.

Die katholische Edith-Stein-Schule mit ihren reformpädagogischen Grundsätzen ist bei Eltern in der Region beliebt. Kinder lernen hier in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen bis zur sechsten Klasse. Es gibt keine Zensuren. Keine Schulklingel. Keine festgelegten Pausenzeiten. Und keine Hausaufgaben. „Für manche Eltern ist das nichts“, sagt Schulleiterin Marion Löning. „Sie meinen, ihre Kinder bräuchten Noten und nehmen sie dann von unserer Schule wieder runter.“ Im Gegenzug dafür aber kämen auch wieder neue Kinder, die mit der Unterrichtsform anderer Schulen Schwierigkeiten haben. „Wir sind nicht besser als andere Schulen. Wir arbeiten nur anders“, sagt Marion Löning.

Seit 2007 lernen Kinder in dem Gebäude der ehemaligen Schwerhörigen-Schule am Hamburger Tor. Die „Steinschüler“ der ersten Jahrgänge sind inzwischen längst auf weiterführenden Schulen, der erste von ihnen macht in diesem Jahr sein Abitur. „Schwierigkeiten hat niemand mit dem Wechsel ins staatliche Schulsystem“, so Löning. „Im Gegenteil. Die Lehrer der neuen Schulen geben uns durchweg ein gutes Feedback.“

Am Tag der offenen Tür stellen sich die Lehrer den Fragen der Eltern. Schüler zeigen ihre Arbeitsmaterialien und erzählen von ihrem Alltag. „Wir haben einen Gong im Flur“, berichtet Kiaras Bruder. „Den darf jeden Tag ein anderes Kind schlagen. Wenn er ertönt, ist Kaffeezeit im Tutti Gusto.“ Kiara geht in die Klasse von Katharina Müllers. Die Lehrerin hat in der Steinschule ihr Referendariat gemacht und ist geblieben. „Weil hier jeder Schüler so wertgeschätzt wird, wie er ist. Jeder lernt in seinem Rhythmus. Die Älteren helfen den Jüngeren. Und manchmal sind sie in ihre Arbeit so vertieft, dass sie die Zeit vergessen“, sagt sie.

So wie Leo am Sonnabend. Er ist der letzte kleine Besucher am Tag der offenen Tür. In zwei Wochen lädt die Schule das erste Mal alle Eltern der angemeldeten Kinder ein. Die Entscheidung, wer eingeschult wird, treffen Hort und Schule gemeinsam. „Wir nehmen uns dafür Zeit“, sagt die Schulleiterin. Sie selbst hospitiert dazu in den jeweiligen Kindergärten und lädt sich die Eltern mit dem Kind zum Gespräch in die Schule.

Die katholische Schule ist offen für alle, so Marion Löning. „Nur 13 Prozent der Schüler sind katholisch, 43 Prozent sind evangelisch.“ Im Gegensatz zu den staatlichen Schulen bietet die Steinschule aber keinen Ersatz für das Fach „Religion“.

Eltern, die sich für das Schulkonzept interessieren, haben jederzeit die Möglichkeit im Unterricht zu hospitieren.

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erstellt am 10.Okt.2016 | 06:34 Uhr

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