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Ludwigsluster Tageblatt

05. Dezember 2016 | 21:35 Uhr

Ludwigslust : Windräder rücken näher

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Planungsverband berät Ende Dezember wieder über Eignungsgebiete. Zwei Zielabweichungsverfahren für Region Ludwigslust beantragt.

Während anderswo – bei Alt Zachun oder Hoort etwa – neue Windparks bereits in greifbare Nähe rücken, ist es im Raum Ludwigslust relativ ruhig um dieses Thema. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hinter den Kulissen weiter an Projekten gewerkelt wird. Und auch der Regionale Planungsverband Westmecklenburg will – wenn auch etwas später als ursprünglich geplant – in Kürze den nächsten Schritt hin zu neuen Windeignungsgebieten gehen. Am 20. Dezember wird sich die Verbandsversammlung mit den Einwendungen befassen, die in der ersten Runde der Öffentlichkeitsbeteiligung für das neue Raumentwicklungsprogramm eingegangen waren. „Wenn es gut läuft, liegt es Ende 2017 vor“, erklärte Ludwigslusts Bürgermeister Reinhard Mach jetzt in Glaisin. „Wir müssen aber sehen, ob zwei Öffentlichkeitsbeteiligungen überhaupt ausreichend sind.“

Die Stadt selbst hat bei ihrem Windpark-Projekt auf die Bremse getreten. Ad acta gelegt sind die Überlegungen, über die Stadtwerke zwischen Techentin und Karstädt Windräder aufzustellen, jedoch nicht. „Wir haben unsere Planungen aber nicht weiter vorangetrieben“, erklärte Reinhard Mach. Man wolle auf die denkmalschutzfachlichen Gutachten vom Planungsverband warten und dann sehen, ob das Flächendenkmal Ludwigslust durch Windenergieanlagen beeinträchtigt werden könnte. „Wenn Karstädt bauen darf und unser Flächendenkmal nicht erheblich beeinträchtigt werden würde, wäre es Frevel, nicht zu prüfen, ob Windenergieanlagen uns nicht finanziell helfen könnten“, erklärte Reinhard Mach. Auf den Einwand eines Glaisiners, was denn erheblich bedeuten würde, gab er zu, dass das ein unklarer Rechtsbegriff sei, der am Ende vor Gericht ausgelegt werden müsste. Der Denkmalschutz hätte in einer ersten Stellungnahme signalisiert, dass man sich zehn Kilometer rund um Ludwigslust keine Windenergieanlagen vorstellen könne, so der Bürgermeister.

Die Karstädter sind bereits ein paar Schritte weiter als Ludwigslust. Dort hat es für den Teilflächennutzungsplan Wind bereits eine frühzeitige Beteiligung von Öffentlichkeit und Behörden gegeben. „In der Gemeindevertretersitzung am 28. November werden wir die eingegangenen Stellungnahmen besprechen“, erklärte Bürgermeisterin Krimhilde Franck gegenüber SVZ. Dann soll der Abwägungsbeschluss zum Vorentwurf gefasst werden. Die Bürgermeisterin bedauert, dass es mit dem Bau in diesem Jahr nicht mehr klappt. „Aber der Verfahrensweg ist sehr lang.“ Die Gemeinde unterstützt das Projekt der Firma Kloss New Energy. „Es ist die einzige Chance für unsere Gemeinde, noch Geld zu bekommen.“ Da bei Karstädt bislang kein Windeignungsgebiet ausgewiesen ist, ist beim Schweriner Energieministerium ein Zielabweichungsverfahren beantragt worden.

Zehn solcher Anträge liegen derzeit in Schwerin für Westmecklenburg vor. „Sie beziehen sich auf Gebiete in den Gemeinden Boizenburg, Eldena, Gägelow, Groß Godems, Hoort, Karstädt, Lüttow-Valluhn, Schimm, Siggelkow und Vellahn“, wie das Energieministerium auf SVZ-Anfrage informierte. Bislang sei keines davon abgelehnt oder genehmigt worden. Das Zielabweichungsverfahren Hoort sei aber derzeit in Bearbeitung. Zu diesem Gebiet, in dem 18 Windenergieanlagen aufgestellt werden sollen, hat sich auch der Regionale Planungsverband Westmecklenburg bereits geäußert. „Die positive Stellungnahme des Planungsverbandes wird im weiteren Verfahren berücksichtigt“, heißt es aus dem Ministerium. Für die übrigen Vorhaben lägen die erforderlichen fachlichen Grundlagen, die die Gemeinden in der Regel über einen Flächennutzungsplan erarbeiten, noch nicht vor.

Auch vor den Toren Glaisins – in Richtung Eldena und Bresegard – ist nach wie vor ein Windeignungsgebiet im Gespräch. Dennoch ist es auch im Ludwigsluster Ortsteil, wo die Wogen vor ein paar Jahren hochschlugen und sogar eine Bürgerinitiative gegründet wurde, relativ ruhig um dieses Thema. „Die Landbesitzer, die den Windpark wollen, reden nicht mehr öffentlich darüber“, sagte Ortsteilvorsteher Holger Friel. Nichtsdestotrotz hatte die Ortsteilvertretung darüber nachgedacht, noch einmal die Bürger zu befragen, um ein Stimmungsbild einzufangen. „Aber letztlich muss man ja feststellen, dass die Bürgermeinung sowieso nicht zählt.“ 

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erstellt am 19.Nov.2016 | 07:00 Uhr

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