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Ludwigsluster Tageblatt

28. März 2017 | 08:18 Uhr

Hohenwoos : Wenn der Wolf über den Hof streift

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Familie Döscher lebt auf ihrem Töpferhof in direkter Nachbarschaft zu den Raubtieren – nicht ohne Sorge um Enkelkind und Nutztiere

Fritz Döscher kann wieder Spuren suchen. Es hat geschneit. Stundenlang. „Das ist gut“, sagt Döscher. „Im Neuschnee findet man die besten Fährten.“ Nicht immer ist er glücklich über seine Entdeckungen. Wie Anfang November, als er im ersten Schnee dieses Winters auf eine Wolfsfährte stieß. „Der Wolf ist direkt von der Tongrube zu uns auf den Hof marschiert, dann am Haus vorbei durchs Gebüsch zur Verkaufshalle und in Richtung Straße verschwunden.“ Die Spur sei eindeutig gewesen. „Nur der Wolf hinterlässt eine linienartige Fährte, weil er die Hinterläufe in die Spur der Vorderläufe setzt“, sagt der 75-Jährige.

Im November grasten Döschers Rinder noch weit entfernt auf den Moorwiesen. Inzwischen hat die Familie sie zu sich auf den Hof geholt und mit Elektrogattern umzäunt. Ob sie hier vor dem Wolf sicher sind? Fritz Döscher weiß es nicht. „Einmal sei ein Hund unten schon fast durch. Und was ein Hund schafft, schaffen Wölfe schon lange.“

Wie nahe der Wolf dem Töpferhof kommt, erlebt Fritz Döschers Sohn Hans-Heinrich bei Spaziergängen im angrenzenden Wald. „Drei Mal haben wir die Wölfe bisher hier gesehen“, erzählt er. „Ein Tier war auffällig hell, ein anderes sehr groß und dunkel.“ Der 30-Jährige sieht die rasant wachsende Wolfspopulation in der Region mehr als kritisch. „Wir verlieren hier ein Stück Freiheit“, sagt er. Als Kind sei er früher durch die Wälder gezogen, habe Holzhütten gebaut und die Natur genossen. „Genau wegen dieses ,Luxus’ leben wir hier. Und den nehmen uns die Wölfe.“ Seine Frau meidet Spaziergänge mit Kind und Hund allein im Wald. Das Baby draußen vor dem Haus im Kinderwagen ohne Aufsicht - für Döschers heute undenkbar.

DiesenGipsabdruck hat Fritz Döscher vor drei Jahren genommen, als er das erste Mal eine Wolfsspur auf seinem Grundstück entdeckte.
Der Gipsabdruck eines Wolfssiegels. Foto: Hennes

Der Wolf ist Dauer-Thema auf dem Töpferhof. Besucher fragen, Jäger schimpfen, Förster erzählen... Letztens seien hier auf dem Töpferhof dutzende Wolfsbetreuer aus ganz Deutschland zusammengekommen. „Sie trugen T-Shirts mit der Aufschrift ,Rotkäppchen lügt’“, erzählt Fritz Döscher und schüttelt den Kopf. Seiner Meinung nach werde das Thema verharmlost. „Wölfe sind und bleiben Jäger. Und je mehr davon hier leben, desto größer werden die Probleme und Sorgen der Menschen.“

Er befürchtet auch, die Jagd bald nicht mehr verpachtet zu bekommen, weil es kaum noch Rotwild gebe. So seien früher im benachbarten Laupin jährlich acht Stück Rotwild pro Jahr geschossen worden, seit vier Jahren aber nicht ein einziges.

Die Rückkehr des Wolfes als wichtigen Bestandteil der Artenvielfalt zu feiern, hält Döschers jüngster Sohn Hans-Heinrich für absurd. „Der Wolf geht zu Lasten vieler Arten. Er macht im Gegensatz zum Jäger keinen Unterschied zwischen Art und Geschlecht seiner Beute. Einziger Nutznießer des Wolfes sind die Pflanzen, weil irgendwann die Wildtiere fehlen, die sie fressen.“

Auch Döschers fordern den kontrollierten Abschuss der Wölfe. „Wird weiterhin nichts unternommen, dann werden irgendwann auch Menschen attackiert“, sagt Hans-Heinrich Döscher. So wie in Spanien Mitte der siebziger Jahre: Dort waren in Galizien mehrere vier- und fünfjährige Kinder vom Wolf gebissen worden. Alle Angriffe passierten damals in einem Radius von sechs Kilometern um die Höhle einer säugenden Wölfin.

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erstellt am 11.Jan.2017 | 21:00 Uhr

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