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Ludwigsluster Tageblatt

09. Dezember 2016 | 04:59 Uhr

Kaliss : Waldbau in der heutigen Zeit

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Das Forstamt Kaliß lud zum Informationstag mit Spaziergang durch die Bestände ein.

Wie der Wald im Rahmen einer nachhaltigen Forstwirtschaft behandelt werden muss, war das zentrale Thema eines Wald-Informationstages am Sonnabend in Kaliß. Das Forstamt hatte Waldbauern, Forstunternehmer und Interessierte dazu eingeladen. Anlass war das zehnjährige Bestehen der Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern.

Forstoberrat Jörg Schröder, Leiter des Kalisser Forstamtes, stellte in einem Vortrag die Strukturen, die Arbeit und die Zielsetzungen vor: Ökonomisch sei die Kostendeckung im eigenen Wirkungskreis das Ziel. In der Ökologie würden der Schutz und die Vermehrung des Waldes, der Erhalt der biologischen Vielfalt und ein stabiler und strukturreicher Mischwald angestrebt werden. Sozial gehe es darum, den Wald als Erholungs- und Bildungsraum sowie Arbeitsplätze zu sichern. Eine aufwendige und reizvolle Aufgabenstellung, wie der Forstamtsleiter anmerkte. Das Forstamt Kaliß besteht aus sechs Revieren mit insgesamt 17 500 Hektar Waldfläche, zu 90 Prozent Kiefernbestände. Im Forstamt sind 23 Mitarbeiter beschäftigt.

Um die Forstwirtschaft in der Praxis aufzuzeigen, unternahmen die Teilnehmer einen Waldspaziergang, bei dem Amtsleiter Schröder an drei markanten Orten die Zielstellungen erklärte. Die verschiedenen Pflegestufen bis zum wirtschaftlich-rentablen Einschlag von Kiefernbeständen erläuterte Schröder in einem Bestand frischer, gut mit Wasser versorgter Kiefern mit einem Wachstumsalter von 42 Jahren. Diese Baumbestände würden mittlerweile im Abstand von 20 Metern gepflanzt werden, so dass ein Vollerntefahrzeug, beispielsweise ein Harvester mit einer Arbeitsreichweite von zehn Metern, durch die Reihen rollen und beidseitig Holz ernten kann.

Arbeitseinsätze in der Forst bedeuten meist schwere körperliche Arbeit, wenn diese nicht maschinell erledigt werden kann. Das weiß auch Lohnunternehmer Christian Schlak aus Brahlstorf. Er berichtete, dass er fast ausnahmslos auf Kräfte aus dem europäischen Ausland setzen muss. Deutsche Bewerber seien die absolute Ausnahme, wenn es darum geht, Neuanpflanzungen vorzunehmen. Kritisch sieht der Unternehmer auch die Kostenentwicklung bei den Wildschutzzäunen. Ein laufender Meter Drahtzaun koste aktuell um die sechs Euro. Ein stolzer Betrag trotz Fördergeldern, meinte Schlak.

Im Forstamt Kaliß setzt man deshalb dort, wo es möglich ist, auf die Naturverjüngung. Eine ökologisch und betriebswirtschaftlich vorteilhafte Vorgehensweise, die ohne arbeitsintensive Maßnahmen auskommt, informierte Forstamtsleiter Schröder. Allerdings sind die Zielvorgaben für die Naturverjüngung des Landes nach seiner Auffassung sehr ambitioniert.

Bei Pflanzaktionen durch Forstbedienstete oder Fremdunternehmer kommen bis zu 12 000 Pflänzlinge je Hektar ins Erdreich. Bei Naturverjüngungen, wie Schröder an einem Bestand aufzeigte, können bis zu 120 000 Kiefernjungpflanzen auf der gleichen Fläche emporsprießen. Und die sogenannten Lichtbäume regulieren den Bestand binnen zehn Jahren auf ein Maß, das dann durch menschliche Pflege mit relativ wenig Aufwand und Kosten gelenkt werden kann.

Den Umbau von Kiefern-Monokulturen hin zu Mischbeständen mit hohem Laubbaumanteil wird im Forstamt Kaliß mit Erfolg vorangetrieben. Beim Waldspaziergang erhielten die Teilnehmer Einblicke in einen jungen Rotbuchenbestand unter einem Altkieferndach und einen Rotbuchen-Altbestand von über 70 Jahren bei Neu Göhren. Gerade Rotbuchen zeichneten sich durch ein anpassungsfähiges Wachstum aus, das durch das zur Verfügung stehende Tageslicht beeinflusst werde, so Schröder. Deutschland und die Griese Gegend gelten als prädestinierte Standorte für Buchenbestände.

Zum Abschluss des Tages hielt Wildbiologe Dr. Norman Stier von der Technischen Universität Dresden einen Vortrag über den Wolf in der Region.  

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erstellt am 16.Okt.2016 | 23:00 Uhr

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