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Ludwigsluster Tageblatt

27. März 2017 | 04:51 Uhr

Gebietsumwandlung in Techentin : Wald oder Wohnen?

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ausschüsse beraten über beantragte Waldumwandlung in Techentin. Eigentümer will auf der Fläche Baugrundstücke schaffen

Ein kleines Stückchen Wald sorgt in Techentin derzeit für Unruhe. Die Eigentümer streben eine Waldumwandlung an, um dort Bauplätze für Eigenheime zu schaffen. Doch nicht bei allen Einwohnern stößt das Vorhaben auf Zustimmung. Jetzt haben die Ausschüsse der Ludwigsluster Stadtvertretung das Thema auf dem Tisch.

Beim zuständigen Forstamt Grabow liegt der Antrag auf Waldumwandlung vor. „Möglich wäre eine solche Umwandlung jedoch nur, wenn ein öffentliches Interesse an einer Wohnbebauung dort besteht“, erklärte Mitarbeiter Michael Peter. „Und dieses muss höherrangig sein als das öffentliche Interesse am Wald.“ Grundlage ist  § 15 Landeswaldgesetz MV, in dem auch Gründe für die Ablehnung eines Umwandlungsantrags  stehen. Fehlende Notwendigkeit gehört dazu.

Der Pfeil zeigt die betreffende Fläche in Techentin.  Grafik: Karte: Stepmap,123map, OpenStreetMap, ODbL 1.0
Der Pfeil zeigt die betreffende Fläche in Techentin. Grafik: Karte: Stepmap,123map, OpenStreetMap, ODbL 1.0
 

Der Antrag ruht derzeit aber. „Wir warten darauf, dass sich die Stadt dazu positioniert“, so Michael Peter. Die Beratungen laufen – heute im Stadtentwicklungsausschuss, kommende Woche im Umweltausschuss. „Wir wollten das nicht als Verwaltung entscheiden, sondern die Stadtvertreter in die Pflicht nehmen“, erklärte Jens Gröger, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung. Er hatte bei einem Treffen auch betroffene Techentiner befragt, ihnen Pro und Contra aufgezeigt. Für eine Umwandlung spreche demnach, dass das Waldstück eine Enklave und damit forstwirtschaftlich schwierig nutzbar sei, dass die Nachfrage nach Baugrundstücken groß und der Lückenschluss in der Bebauung sinnvoll seien. Dennoch: „Die Anwohner haben sich zu rund 90 Prozent gegen eine Waldumwandlung ausgesprochen“, so Gröger. Diesem Votum folgt auch die Beschlussvorlage für die Ausschüsse.

Den Argumenten für das Projekt kann die Techentinerin Annette Dietzel nicht folgen. „Dass das Areal forstwirtschaftlich nutzbar ist, hat sich doch gezeigt, als der Wald Ende 2014 geholzt wurde“, sagt sie. „Und eine Notwendigkeit für die Umwandlung kann die Stadt auch nicht nachweisen.“ Schließlich seien derzeit drei Neubaugebiete in Vorbereitung, stünden eine Reihe von Gebrauchtimmobilien zum Verkauf.

Aus Angst, dass die Waldumwandlung einfach durchgewunken wird, hatte sie selbst einen Antrag an die Stadt gestellt, das Begehren abzulehnen. „Wird so etwas einmal genehmigt, ist das ein Dammbruch, Wald in Bauland umzuwandeln.“ Zudem finde sie es verwunderlich, dass die früheren Eigentümer des Grundstücks ein schnelles „Nein“ zu einer Umwandlung in Bauland bekommen hatten und jetzt  so ein Aufwand mit dem Antrag des neuen Eigentümers betrieben wird. „Es gab früher keinen Antrag, sondern nur Fragen“, erklärte Jens Gröger. „Und Wald bleibt zunächst einmal Wald.“ Einen Antrag auf Umwandlung könne aber jeder stellen.

Und das hat der  neue Eigentümer getan.  Denn auch aus seiner Sicht gibt es Argumente für die Umwandlung. „Ich sehe das als Lückenbebauung, die städtebaulich sinnvoll ist“, betonte auf SVZ-Anfrage der Vater der Eigentümerin (Namen sind der Redaktion bekannt). „Ökologisch wäre sie sogar ein Gewinn, weil wir für die Ausgleichspflanzungen eine 8000 Quadratmeter große Fläche anbieten würden, die nur rund 400 Meter entfernt ist.“ Der kahlgeschlagene Wald – der Baumbestand war hiebreif – ist rund 2500 Quadratmeter groß. „Und wird künftig noch kleiner sein“, so der Techentiner. „Denn wir werden natürlich soviel Wald anpflanzen, wie gesetzlich gefordert. Aber mit Blick auf die Verkehrssicherungspflicht müssen wir Mindestabstände zur Grundstücksgrenze einhalten.“

Wenn sich die Stadt gegen die Waldumwandlung ausspricht und damit dem mehrheitlichen Votum der Anwohner folgt, werde er das erst einmal so hinnehmen. „Ich habe mich aber gewundert, dass zu dieser Versammlung nur Anwohner der Mühlenstraße, nicht aber die vom angrenzenden Kiefernkamp geladen waren“, so der Techentiner.

 

 

 

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erstellt am 16.Mär.2017 | 08:00 Uhr

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