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Ludwigsluster Tageblatt

09. Dezember 2016 | 01:00 Uhr

Ludwigslust : Von Parkbank zu Parkbank

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Mehr als nur eine Inventur: Der Ludwigsluster Seniorenbeirat zählt, testet und bewertet öffentliche Sitzplätze in der Stadt

„Na. So richtig gut sieht die aber nicht mehr aus.“ Hilde Kühnel streicht mit der Hand über die moosbefallenen Latten der Parkbank vor der Lindenapotheke. Das Holz ist feucht vom Regen. Heute wird hier sicher niemand sitzen. Dabei gehört die Bank mit zu den beliebtesten in der Stadt. Hilde Kühnel, die ganz in der Nähe wohnt, sieht hier öfter jemanden sitzen. „Gegenüber ist eine Arztpraxis. Wenn die voll ist und die Sonne scheint, dann warten die Patienten auch schon mal gern draußen auf der Bank.“ An heißen Sommertagen findet man unter der hoch gewachsenen Buche Schatten, kann verweilen und einfach dem Treiben am Kanal zuschauen.

Weit über einhundert Parkbänke stehen im Ludwigsluster Stadtgebiet. Jede von ihnen hat der Seniorenbeirat in diesem Jahr begutachtet, erfasst und bewertet. „Keine davon ist so wackelig, dass sie zur Gefahr werde“, sagt Therese Holm, die Beiratsvorsitzende. „Aber die meisten von ihnen haben doch schon etliche Jahre auf dem Buckel.“ Mit der „Parkbank-Inventur“ wolle der Seniorenbeirat nicht nur die Bänke zählen, sondern auch ihren Zustand dokumentieren. Haben sie Lehnen? Aus welchem Material sind sie gebaut? Sind sie fest im Boden verankert? Ist ein Papierkorb in der Nähe? Sind sie barrierefrei erreichbar? Und: Ist ihr Standort überhaupt der richtige?

Der Stadtverwaltung kommen die Senioren mit dieser Aktion sehr entgegen. „Da kann man nur dankbar sein“, sagt Bürgermeister Reinhard Mach. Mit Sicherheit werde man nach der gemeinsamen Auswertung die eine oder andere Veränderung vornehmen. „Die demografische Entwicklung heute ist eine andere als vor zehn oder zwanzig Jahren. Die Menschen werden älter, wollen aber mobil bleiben“, so Mach. „Wer mit dem Rollator unterwegs ist, braucht auch mal eine Pause. Da ist es doch praktisch, wenn genau die Zielgruppe dann zum Beispiel testet, in welchen Abständen Parkbänke Sinn machen.“

Hilde Kühnel und ihre Mitstreiter Siegfried Kirschke, Detleff Bauer und Hilmar Berlin haben diese Aufgabe sehr ernst genommen. An Schön-Wetter-Tagen sind sie gemeinsam mit Fotoapparat und Notizblock durch das Viertel zwischen Bahnhof und Schlosspark spaziert und haben dabei keine Sitzgelegenheit ausgelassen. „Wir haben Bänke entdeckt, die wir noch gar nicht kannten“, sagt Hilmar Berlin. Schöne, wie die auf einem Grillplatz der Vewoba-Wohnungsbaugesellschaft Ludwigslust mbH im Grünen Weg. Und weniger schöne, wie die rostigen grünen Gittersitze an der Lenné-Schule.

Kurios verläuft der Parkbank-Test vor der Lindenapotheke. Als Siegfried Kirschke hier die Standfestigkeit prüfen will, ermahnt ihn ein älterer Passant, er möge doch die Bank in Ruhe lassen. „Als wenn nicht schon genug Bänke kaputt wären.“ Siegfried Kirschke nahm’s mit Humor: „Immerhin zeigt das doch, wie sehr den Menschen die Bänke am Herzen liegen.“

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