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Wöbbelin : Unvergessenes Leiden und Sterben

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Internationale Begegnung der Generationen 72 Jahre nach der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Wöbbelin

Der Wald nahe der Straße nach Neu Lüblow hat viel Leid gesehen. Ende März bis Ende April 1945 wurden dort die Toten des Konzentrationslagers Wöbbelin durch Häftlinge des „Leichenkommandos“ beerdigt.

In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sind diese Massengräber lokalisiert worden. Ein Gedenkstein weist seitdem auf das massenhafte Leiden hin.

Anfang Mai rückt die Gedenkstätte erneut in den Mittelpunkt. Im Herbst 2016 gestaltete die Mecklenburger Künstlerin Dörte Michaelis auf diesem Gelände eine Klinkeranlage mit 141 Namenssteinen für die Opfer, die aufgrund der extremen Haftbedingungen zwischen dem 27. März und 24. April 1945 im KZ Wöbbelin gestorben sind.

Diese Gedenkstätte wird anlässlich der Internationalen Begegnung der Generationen zum 72. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung des KZ Wöbbelin eingeweiht. Am 2. Mai um 12 Uhr spricht aus diesem Anlass Roeloff Klem dort Worte des Gedenkens. Sein Onkel Arend Klem war am 21. April 1945 im Lüblower Wald bestattet worden.

Drei Tage später starb im KZ Wöbbelin der Vater von Jean-Michel Gaussot. Der Sohn ist heute Präsident der Amicale Internationale KZ Neuengamme und wird auf der Gedenkveranstaltung eine Stunde zuvor sprechen. Treffpunkt dort ist die Gedenkstätte des ehemaligen Lagergeländes an der L 072 zwischen Wöbbelin und Ludwigslust.

Viele Gäste aus dem In- und Ausland werden zur Internationalen Begegnung der Generationen in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin erwartet. „Überlebende aus Polen, den USA und Deutschland sowie viele Angehörige von Opfern, vor allem aus Belgien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden haben ihr Kommen angekündigt“, sagt die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, Ramona Ramsenthaler. Einladende zu den Veranstaltungstagen sind der Verein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis sowie der Förderverein Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin.

Bei der zentralen Gedenkveranstaltung am 2. Mai um 11 Uhr an der Gedenkstätte des ehemaligen Lagergeländes sprechen außer Jean-Michel Gaussot auch Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider sowie die Ministerin für die Region Friesland der Niederlande, Sietkse Poepjes.

Am 3. Mai findet um 10 Uhr im Kino „Movie Star“ in Parchim und am 4. Mai um 11 Uhr im Luna Filmtheater in Ludwigslust die Vorführung des Dokumentarfilm „Linie 41“ über das Getto Lodz statt. In Parchim ist im Anschluss ein Gespräch mit dem Protagonisten Natan Grossmann und der Filmemacherin Tanja Cummings. In Ludwigslust findet das Gespräch am 4. Mai abends um 18 Uhr im Lichthof des Rathauses statt.

Natan Grossmann (geboren 1927) verbrachte als Jugendlicher vier Jahre im Getto. Sein Leben lang versuchte er, seine Erinnerungen an diese Zeit zu verdrängen. Doch das spurlose Verschwinden seines Bruders ließ ihm keine Ruhe.

Auch Jens-Jürgen Ventzki begab sich in Lodz auf Spurensuche. Sein Vater Werner war von 1941 bis 1943 Oberbürgermeister von Lodz (Litzmannstadt). Der Sohn stellt sich der schmerzhaften Frage, inwieweit sein Vater in das tausendfache Morden und Sterben verstrickt war. Von der Begegnung beider Männer handelt der Film.

Hinweis: Das Programm der Internationalen Begegnung der Generationen findet sich auf der Webseite www.gedenkstaetten-woebbelin. de (Rubrik „Aktuelles“ und danach „Gedenkveranstaltungen“ anklicken).

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erstellt am 19.Apr.2017 | 21:00 Uhr

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