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Ludwigsluster Tageblatt

04. Dezember 2016 | 21:20 Uhr

Göhlen : Tüffeln racken wie in Kindertagen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Dorf- und Heimatverein Göhlen geht auf Zeitreise – mit praktischer Arbeit und einem fünfgängigen Kartoffel-Menü

Zeitreise auf dem Acker: Mit Körben, Mollen, Säcken und Kartoffelkratzer ausgerüstet zogen knapp 20 Frauen und Männer am Sonnabend auf ein Feld hinter der Göhlener Begegnungsstätte, um Tüffeln zu racken. Kartoffelernte wie vor 60 Jahren.

Karin Möller zieht den Kartoffelkratzer kräftig durch den kleinen Erdwall. Mehrere große und ein paar kleine Knollen kommen zum Vorschein. Mit geübter Hand greift sie die Kartoffeln und wirft sie in die hölzerne Molle. „Als Kinder und Jugendliche mussten wir immer Kartoffeln racken“, erzählt die 63-Jährige. „Wir hatten ja noch eine kleine Wirtschaft mit Schweinen und Kühen.“ Und auch beim großen Bauern musste sie helfen.

Erika Siering kennt das Tüffelnracken mehr aus der Schulzeit. „In den Kartoffelferien mussten wir in der LPG bei der Ernte helfen“, erzählt die 66-Jährige, die ihre Knie mit einer Kartoffelschürze aus Sackleinen vor der Nässe schützt. „Der Roder fuhr vorweg und riss die Kartoffeln raus, wir haben sie aufgesammelt.“ Eigentlich habe das seinerzeit Spaß gemacht, stellt Erika Siering rückblickend fest.

Man wolle die alte Tradition ein bisschen aufleben lassen, damit sie nicht ganz in Vergessenheit gerät, sagt Karin Möller vom Dorf- und Heimatverein Göhlen. Sie hatte auch die Idee zu dieser praktischen Zeitreise. In Detlef Hinnerichs, stellvertretender Geschäftsführer der Agrarprodukte Göhlen eG und dort für die Pflanzenproduktion zuständig, fand der Verein erneut einen engagierten Partner. Er ließ auf dem betreffenden Acker extra die Speisekartoffel „Belana“ legen. „Das ist eine fest kochende Sorte, die es vor 60  Jahren aber wahrscheinlich noch nicht gab“, erklärt er seinen „Erntehelfern“. Die Genossenschaft baut auf rund 160 Hektar Kartoffeln an, hauptsächlich für die Verarbeitung zu Stärke und zu Kartoffelprodukten. Jeweils zehn Hektar werden jedoch auch für Speisekartoffeln und für die Vermehrung genutzt.

Lange dauert es nicht, da sind acht Zentner-Säcke, einige Körbe und Mollen gefüllt. Und die Vorfreude auf den zweiten Teil des Kartoffeltages steigt. Denn in der Begegnungsstätte sind Christine Hinrichs und Andrea Lüthke längst dabei, das fünfgängige Kartoffelmenü zu vollenden. „Das meiste haben die Frauen schon zu Hause vorbereitet“, erklärt Christine Hinrichs, während sie den Kartoffelkuchen schneidet. Auf dem Herd blubbert die Kartoffelsuppe. Außerdem gibt es Kartoffelschnaps mit Kartoffelstangen, Kartoffelbrot mit Schmalz, Pellkartoffeln mit Quark oder Hering. „Die Kartoffeln dafür haben die Männer gestern schon aus der Erde geholt“, so die Göhlenerin.

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erstellt am 17.Okt.2016 | 07:00 Uhr

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