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Ludwigsluster Tageblatt

24. August 2016 | 06:17 Uhr

Ludwigslust : Teure Honorarärzte springen ein

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Weitere Mediziner wollen das Ludwigsluster Krankenhaus verlassen. Ist die Versorgung der Patienten noch gesichert?

Ärzteschwund am Ludwigsluster Krankenhaus: Seit Beginn der Umstrukturierungsdiskussion im Herbst haben mehr als zehn Mediziner das Haus bereits verlassen oder aber gekündigt bzw. um Aufhebung ihres Vertrages gebeten. Mitarbeiter sprechen von einer Destabilisierung, die Geschäftsführung widerspricht. „Ja, wir haben Kündigungen, deren Zahl uns überrascht hat und die uns sehr schmerzen“, sagte Stiftspropst Jürgen Stobbe, einer der Geschäftsführer des Westmecklenburg Klinikums „Helene von Bülow“, gegenüber SVZ. „Aber das Haus ist handlungsfähig. Wir müssen allerdings an einigen Stellen reagieren und das tun wir.“

Dem Vernehmen nach sollen in der Inneren Medizin nahezu alle Ludwigsluster Oberärzte gegangen sein bzw. gekündigt haben. In der Anästhesie am Standort Ludwigslust hätten drei Oberärzte gekündigt, heißt es. Weitere Mediziner hätten den Ruhestand erreicht oder seien erkrankt. „Von drei Operationssälen laufen nur noch zwei, manchmal nur einer“, erklärte ein Arzt gegenüber SVZ. „Ständig arbeiten Honorarärzte hier, die 40 bis 60 Prozent teurer sind als ein angestellter Arzt.“ In der Kardiologie sei die Patientenzahl gesunken.

Vieles leugnet auch die Geschäftsführung nicht. Aber: „Wir können alle Patienten, die hier ankommen, mit Facharztstandard versorgen“, betonte Propst Stobbe. Um die personellen Lücken zu schließen, würden in Ludwigslust Fachärzte aus Hagenow und Honorarärzte tätig werden. Ganz normale Vorgänge laut Geschäftsführung. Nach der Fusion der beiden Krankenhäuser dürfe man die Standorte personell nicht mehr separat betrachten. Die Honorarärzte seien für das Unternehmen in der Tat teurer. „Aber noch teurer wäre es, einen Chirurgen nicht arbeiten zu lassen“, so Stobbe.

Der Geschäftsführer bestätigte, dass die Zahl der Behandlungen im Linksherzkatheter-Labor gesunken ist. „Das ist auf den Verlust der Ermächtigung, Patienten ambulant zu behandeln, zurückzuführen.“ Diese werden von ihren neuen Kardiologen offenbar in andere Kliniken geschickt. Dennoch sei die Patientenzahl des Klinikums in der Inneren Medizin insgesamt „quasi stabil“. In Chirurgie und Gynäkologie sind die Fallzahlen im ersten Quartal deutlich unter den Planvorgaben geblieben, wie es im Quartalsbericht heißt, der dem Finanzausschuss des Kreistages zur Sitzung am Donnerstag vorgelegt wird.

Erfolglos blieb bisher die Suche nach einem Internisten, der die Schnittstelle zwischen kardiologischer Station, Funktionsdiagnostik und dem seit März von den Helios-Kliniken Schwerin betriebenen Linksherzkathetermessplatz besetzt. Diese Aufgabe sollen nun vorübergehend ebenfalls Helios-Ärzte übernehmen. Verhandlungen über eine Erweiterung des Kooperationsvertrages seien bereits geführt worden, so Jürgen Stobbe. Kommt sie zustande, würde die ärztliche Ebene der kardiologischen Station komplett von den Schwerinern besetzt werden, allerdings zeitlich befristet.

Derzeit führt die Geschäftsführung nach eigener Aussage intensive Gespräche mit Ärzten, die gekündigt haben. „Wir hoffen, dass wir uns mit dem einen oder anderen auf eine weitere gemeinsame Arbeit einigen können“, so der Stiftspropst. Erste Erfolge gibt es offenbar. So habe das Westmecklenburg Klinikum bereits einen neuen Facharzt für Anästhesie eingestellt, mit einer Fachärztin für Innere Medizin seien die Verhandlungen weit gediehen. „Zudem ist es gelungen, mit einem leitenden Arzt (der gekündigt hatte, d. Red.) eine neue Form der Zusammenarbeit zu vereinbaren“, so Geschäftsführer Dr. Volker Schulz. Wie das genau aussehen soll, verriet er nicht. Jürgen Stobbe ergänzte jedoch: „Er wird deutliches Gewicht im Klinikum haben.“

Eine Maxime bestimme alle Gespräche und Überlegungen: An der vom Aufsichtsrat beschlossenen Grundstruktur – ein Chefarzt für die gesamte Innere des Klinikums und darunter fünf weitgehend eigenständige Bereichsleiter – werde nichts geändert.

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