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Ludwigsluster Tageblatt

08. Dezember 2016 | 08:57 Uhr

Ludwigslust : Streit um neuen Aldi-Markt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Landkreis verwehrt Investor zum zweiten Mal die Baugenehmigung Begründung: Geplante Fläche ist zu groß

Auf einen neuen Aldi-Markt müssen die Ludwigsluster länger warten als gedacht. Eigentlich sollten noch in diesem Jahr die Bagger rollen, um das jetzige Gebäude abzureißen. Doch daraus wird wohl nichts, denn bis heute liegt keine Baugenehmigung für den Neubau vor. Gerade hat der Landkreis den zweiten Bauantrag abgelehnt. Knackpunkt ist im Moment wohl die Größe.

„Wenn ein Markt mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche hat, gehört er laut Baunutzungsverordnung in ein Sondergebiet. Doch das existiert am Standort nicht“, erklärte Andreas Wißuwa, Fachdienstleiter Bauordnung beim Landkreis. Das ist die Theorie. In der Praxis gibt es auf dem Aldi-Grundstück schon jetzt großflächigen Einzelhandel. Der vorhandene Verbrauchermarkt, bestehend aus drei Flächen, hat eine Verkaufsfläche von insgesamt rund 1060 Quadratmetern. Die Baugenehmigung dafür war Anfang der 1990er-Jahre erteilt worden.

Allerdings wollte Aldi jetzt mehr, um auch diese Filiale an die veränderten Kundenbedürfnisse anzupassen. „Ein neues Licht- und Farbkonzept, breitere Gänge sowie eine noch übersichtlichere Warenpräsentation bilden die Grundlage unseres neuen Filialkonzeptes“, erklärte die Aldi GmbH & Co. KG auf SVZ-Anfrage. „Dies setzt unter anderem eine ausreichend große Verkaufsfläche voraus.“ Und so stellte die Saller Unternehmensgruppe, der die Immobilie gehört, den Bauantrag für einen Markt mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche. Er wurde abgelehnt.

Für Stefan Meyer, der das Projekt bis vor Kurzem für die Firma Saller betreute, unverständlich. „Der Bescheid geht davon aus, dass die 1200 Quadratmeter – 140 Quadratmeter Erweiterung also – für Ludwigslust nicht mehr verträglich wären“, sagte er. „Dabei wird der Platz für breitere Gänge benötigt.“ Martin Foerder, der bei Saller das Ludwigsluster Projekt nunmehr betreut, ergänzte mit Blick auf das Konzept des „Marktes der Generationen“: „Wir brauchen die größere Fläche, um mit Blick auf die älter werdende Bevölkerung die Regale niedriger und die Gänge breiter machen zu können. Alles soll übersichtlicher, heller, offener, einfach einladender werden. Die größere Fläche wird nicht genutzt, um mehr Artikel anzubieten.“ Nichtsdestotrotz reduzierte die Firma Saller die Verkaufsfläche im zweiten Bauantrag auf die vorhandenen 1060 Quadratmeter. Trotzdem sei wieder angekündigt worden, dass eine Ablehnung droht. „Das hat uns überrascht“, so Stefan Meyer seinerzeit. „Die Begründung wurde dann auch sehr formal.“

Mit Formalismus hat die inzwischen erfolgte Ablehnung nach Aussage von Andreas Wißuwa nichts zu tun. „Die Verkaufsfläche ist auf die 1060 Quadratmeter verkleinert worden, aber die Geschossfläche soll noch immer wesentlich größer als im Bestand werden“, so der Fachdienstleiter. Und die Geschossfläche sei neben der Verkaufsfläche nunmal auch zu berücksichtigen. Ob die geplante „Verschiebung“ des Aldi-Marktes in die andere Ecke des Grundstückes an die Bundesstraße oder andere Änderungen auf dem Areal genehmigungsfähig wären, steht noch nicht fest. „Erstmal muss der grundlegende Knoten bezüglich Verkaufs- und Geschossfläche zerschlagen werden, ehe wir uns mit den anderen Aspekten abschließend auseinandersetzen“, so Wißuwa. Dazu müssten dann weitere Behörden wie das Straßenbauamt oder – bezüglich der Raseneisensteinmauer – der Denkmalschutz gehört werden.

Die Unternehmensgruppe Saller will die Ablehnung der Bauanträge nicht widerspruchslos hinnehmen. „Uns bleibt nichts Anderes übrig, als den Klageweg zu beschreiten“, erklärte Martin Foerder gegenüber SVZ. „Wir halten das für den schnelleren Weg und für den Weg, der zu einer endgültigen Lösung führt.“ Das Unternehmen sei zuversichtlich, den geplanten Bau auf diese Weise hinzubekommen. Allerdings wolle man sich auch nicht Gesprächen mit Stadt oder Landkreis versperren. „Wenn es einen außergerichtlichen Ausweg gibt, sind wir natürlich auch dazu bereit.“

Der Bauausschuss der Stadt hatte sich im März mit dem Projekt befasst. Dort war es vornehmlich um die Fassade und die Raseneisensteinmauer gegangen – aber schon im Zusammenhang mit der Gebäude-Variante an der Bundesstraße und einer Größe von 1200 Quadratmetern (SVZ berichtete). Ernsthaften Widerspruch gab es von den Ausschussmitgliedern damals nicht. Die Stadt ist jedoch auch nicht die Genehmigungsbehörde. Bürgermeister Reinhard Mach betont aber gegenüber SVZ, dass man mit einem neuen Aldi-Markt mit 1200 Quadratmetern leben könnte, mit 1060 Quadratmetern erst recht.

Ein Bebauungsplan, der ein Sondergebiet Einzelhandel ausweist, könnte den Streit beenden. „Aber die Planungshoheit liegt bei der Stadt“, so Andreas Wißuwa. Dessen Aufstellung würde laut Reinhard Mach ein bis anderthalb Jahre dauern. Die Firma Saller glaubt, dass das Planungsverfahren für den B-Plan länger dauern würde, und zieht diesen Weg daher im Moment nicht in Betracht.

Wie und wann auch immer das Problem gelöst wird. Für die Ludwigsluster Kunden heißt es, weiter auf einen neuen, modernen Aldi-Markt zu warten. 




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erstellt am 10.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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