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Ludwigsluster Tageblatt

04. Dezember 2016 | 13:18 Uhr

Velo Classico Ludwigslust : Stilvoll in die Pedale getreten

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Für Helden, Liebhaber und Genießer: Teilnehmer konnten auf drei unterschiedlich langen Touren die Reize des Landkreises genießen

Ludwigslust In Knickerbocker, Sakko und Schiebermütze schlendert Rainer Borchers an den Marktständen am Schweizerhaus entlang. Wie seine Freundin ist er ganz im Stil der 1930er-Jahre gekleidet. „Wir mögen es, in eleganter Kleid gemütlich Rad zu fahren“, sagt Silke Hilker. Da war Ludwigslust am vergangenen Wochenende für die beiden Hildesheimer natürlich ein Muss.  Das FahrradKulturEvent „Velo Classico“ vereinte hier erstmals Vintage-Fans und Freunde des Radfahrens im Stil der guten alten Zeit.

Die „Velo Classico“ ist eine Hommage an die Anfänge des Radsports, wie es sie in Italien oder Großbritannien schon seit mehreren Jahren gibt. „Radfahren war damals etwas für Menschen, die gut leiden konnten“, sagt Tour-Chef Detlef Koepke bei der Eröffnung am Sonnabend. Und ein bisschen leiden müssen auch die Teilnehmer der Ludwigsluster Ausfahrten – und das nicht nur wegen des wechselhaften Wetters mit ein bisschen Sonne und einigen Regenschauern.

Die längste der drei angebotenen Strecken, die Heldenrunde, führt rund 150 Kilometer über Nebenstrecken von Ludwigslust über Schwerin, Crivitz und Parchim zurück in die Lindenstadt. Und das auf Rädern, die mehr als 25 Jahre auf dem Buckel haben, mit einfacher oder ganz ohne Gangschaltung. Um diesen Ritt bewältigen zu können, sind die gut 40 Männer am Sonntagmorgen früh aufgestanden. Der Tag ist gerade erst angebrochen, die Luft nur elf Grad warm, als sie auf der Hofdamenallee im Schlosspark an den Start rollen. Um 7 Uhr machen sie sich auf den Weg. Begleitet von Radsport-Maskottchen Didi Senft auf einem uralten Laufrad und den Männern vom SR-Oldie-Club Karstädt auf ihren ebenfalls historischen, aber knatternden Zweirädern.

Aber was sind 150 Kilometer, wenn man gerade ein 4530-Kilometer-Radrennen hinter sich hat? „Trotzdem eine kleine Herausforderung, wenn man keine Gangschaltung hat“, sagt Andreas Thier vom Altonaer Bicycle Club (ABC). Er hat sich auf Basis eines Fahrradrahmens von 1984 gerade seinen Vintage-Racer, ein historisches Rennrad, mit Holzschutzblechen, historischem Lenker und englischem Sattel zusammengebaut. „Es ist faszinierend, wie die alte Technik früher funktioniert hat und immer noch funktioniert“, erklärt er den Reiz der Retro-Radtouren. Im Sommer hatte er – allerdings auf einem anderen Rad – am Transcontinental Race teilgenommen. Für die 4530 Kilometer von Geraardsbergen in Belgien bis Istanbul brauchte er 27 Tage. „Aber ich bin angekommen“, sagt der 50-Jährige. Rund 100 andere Teilnehmer nicht.

Rainer Borchers und Silke Hilker haben sich die kürzeste, die Genießerrunde ausgesucht. „Man weiß ja nicht, was einen auf der Strecke erwartet“, so die 45-Jährige. In diesem Feld, das sich als letztes um 9 Uhr auf den Weg macht, radeln auch einige Ludwigsluster, darunter der Bürgermeister, mit. Reinhard Mach hatte es schon bei der Eröffnung auf den Punkt gebracht: „Ludwigslust ist eine geschichtsträchtige Stadt. Insofern passt die ,Velo Classico’ sehr gut zu Ludwigslust.“

Das sehen die Gäste ganz ähnlich. „Das ist ein toller Ort hier, großzügig, schön saniert und nicht verbaut“, sagt Oliver Sinz, Modedesigner und Schneider aus Berlin, der seine Kollektion von Bike Tweeds, von ihm entworfene Kleidung für stilvolles und elegantes Radfahren, am Schweizerhaus präsentiert.  Dort trudeln im Laufe des Nachmittags die Teilnehmer der Touren wieder ein. Unterwegs hatten sie nicht nur die Landschaft, sondern bei den Zwischenstopps auch regionale Köstlichkeiten genossen. „Wir wollen so regional wie möglich sein“, sagt Detlef Koepke. Aber auch international, zumindest was die Teilnehmer angeht. So war unter den rund 200 Radlern gestern sogar ein Australier.

 

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erstellt am 20.Sep.2015 | 21:00 Uhr

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