zur Navigation springen

Ludwigsluster Tageblatt

08. Dezember 2016 | 06:59 Uhr

Pritzier : Spätes Lob für ein Riesenprojekt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Kulturkate räumte Hauptpreis für „Kulturarbeit jenseits der Metropolen“ ab / Theaterteam ist mitten in der Neuaufstellung in neuer Heimat Pritzier

Angekündigt war die Preisverleihung an die Kulturkate schon länger und so bestand die Chance, diesen Abend als ganz besondere Feierstunde für Kulturschaffende auf dem Land zu nutzen. Das gelang nicht zuletzt dank der enormen Vorarbeit der Gastgeberfamilie Zeyn, die große Teile ihres Gutshauses zur Verfügung stellte.

Beim „Innovationspreis für Soziokultur“ ist es so, dass der Hauptpreis dort vergeben wird, wo die Hauptakteure tätig sind und waren. Für die Kulturkate und ihr Projekt „Grenzfälle“ war das besonders schwierig, schließlich wurde das Stück auf einem Floß an wechselnden Stellen auf der Elbe gespielt. Doch Pritzier war als Ort der Verleihung eine gute Wahl.

„Dem Projekt ist es in besonderer Weise gelungen, ein Stück deutsch deutscher Vergangenheitsbewältigung zu praktizieren“, heißt es in der Begründung der Jury, die deutschlandweit 12 Projekte begutachtete. Die Wahl authentischer Orte habe dabei Kulturarbeit in eine ländliche Region gebracht, die fast 40 Jahre erleben musste, was staatliche Trennung für das Leben der Bevölkerung bedeutete. Das Theaterprojekt hatte die deutsche Teilung auf dem früheren Grenzfluss Elbe zum Thema gemacht.

Die mit je 4000 Euro dotieren zweiten Preise gingen an den Verein Asphalt Visionen aus Hattert im Westerwald für das Projekt „Die Fünf“ und an Schloss Bröllin e. V. aus Fahrenwalde in der Uckermark für das Projekt „Willkommen bei uns“, das deutsche und polnische Nachbarn im Theaterspiel vereinte. Doch dieser Abend in der Empfangshalle des Gutshauses war mehr als eine reine Preisverleihung. Nicht zuletzt durch die Rede von Lübtheens Bürgermeisterin Ute Lindenau wurde es eine Würdigung der Gesamtleistung der „Kulturkatler“. Denn die Truppe steckt mitten in der Umstellung und wird künftig ohne die bisherigen Protagonisten Volkert Matzen und Charlotta Bjelvenstam auskommen müssen. Die bisherige Kulturkate als Haus ist verkauft, das neue Heim des Projektes ist das Gutshaus in Pritzier. Und in dessen Park soll im kommenden Jahr dann auch das erste neue Theaterstück aufgeführt werden. Die „Grenzfälle“ hatten bei allem Lob für das Projekt zu erheblichen Belastungen und Überforderungen in der Kulturkate geführt. Insofern war der jetzt verliehene Preis eine späte Genugtuung.

Die verschaffte allen im Raum dann Andreas Willisch, Vorstand des Thünen-Institutes, in seiner Festrede. In einer völlig fragmentierten Gesellschaft, wo gerade auf dem Land Erfolg und Misserfolg direkt nebeneinander lägen, seien die Kulturschaffenden so etwas wie die „Agenten der Transformation.“ In einer Zeit der Nichtordnung, des globalen Wirtschaftens, des weltweiten Kommunizierens, in einem ländlichen Raum, in dem kaum noch einer Landwirtschaft betreibe, schüfen sie mit ihrer Kultur Grundlagen einer neuen Bürgergesellschaft. Und das sei in der Umbruchsituation, die der Osten Deutschlands immer noch erlebe, ganz besonders wichtig.

zur Startseite

von
erstellt am 12.Nov.2016 | 07:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen