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Ludwigsluster Tageblatt

05. Dezember 2016 | 17:40 Uhr

Ludwigslust : Sorge um das Krankenhaus bleibt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Stiftspropst Jürgen Stobbe: Noch nichts entschieden / Stadtvertreter fordern bessere Kommunikation

Die Gerüchteküche rund um das Krankenhaus brodelt. Daran konnte Stiftspropst Jürgen Stobbe, einer der Geschäftsführer des Westmecklenburg-Klinikums „Helene von Bülow“ mit den Standorten Ludwigslust und Hagenow, mit seinen Aussagen Ende vergangener Woche nichts ändern. Eher im Gegenteil. Nach dem SVZ-Bericht (Ausgabe vom 28. November) erreichte eine wahre Flut von Briefen und Anrufen, größtenteils anonym, unsere Redaktion. Befürchtet wird der Anfang vom Ende – die Abwicklung des Ludwigsluster Krankenhauses.

In einer Mitarbeiterversammlung sei unter anderem die Verlegung der Gefäßchirurgie nach Hagenow als beschlossen dargestellt worden, hieß es in verschiedenen Briefen und Telefonaten. Auch ein Mitglied der Gesellschafterversammlung, das bei der Zusammenkunft dabei gewesen war, hatte die Aussagen so verstanden, wie es auf SVZ-Anfrage bestätigte.

Jürgen Stobbe widerspricht. „Es ist nichts, aber noch gar nichts beschlossen“, betonte der Stiftspropst gestern im SVZ-Gespräch. Die Geschäftsführung habe von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung den Auftrag bekommen, Konzepte zu entwickeln, um das Westmecklenburg-Klinikum so zu organisieren, dass es auch in Zukunft bei veränderten Rahmenbedingungen (Krankenhausfinanzierung, Zunahme ambulanter Operationen) wirtschaftlich betrieben werden kann. Die Entscheidung über konkrete Veränderungen, etwa Verlagerungen von Angeboten, würden jedoch nicht von der Geschäftsführung, sondern von Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat getroffen werden. Im zeitigen Frühjahr sollen die Konzepte dort zur Beschlussfassung vorgelegt werden, so Jürgen Stobbe. Ihre Erarbeitung solle ein Prozess sein, in den die Mitarbeiter einbezogen werden. „Dabei gibt es Punkte, an denen nicht zu rütteln ist“, erklärte der Stiftspropst und verwies auf die Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Onkologie sowie die Kardiologie. Letztere soll gestärkt werden, indem über eine Vereinbarung mit den Helios Kliniken Schwerin mehr Patienten kommen. Die Vereinbarung wird derzeit verhandelt. Gestärkt werden sollen an beiden Standorten die Notaufnahmen – etwa durch einheitliche Aufnahme- und Behandlungsabläufe. „Für eine Notaufnahme werden aber bestimmte Mediziner und stationäre Angebote benötigt“, erklärte Jürgen Stobbe, warum diese Entscheidung andere zwangsläufig nach sich zieht.

Geplant ist – und das nach Aussage des Geschäftsführers schon seit gut zwei Jahren, alle Krankenhausbetten im Neubau zu konzentrieren. Das würde Fahrten über lange Gänge, Fahrstuhlfahrten und damit pflegerischen Aufwand reduzieren, die zwischen dem Samariter-Haus und zum Beispiel der Funktionsdiagnostik im Neubau derzeit in erheblichem Umfang anfallen.

Die geplante Kooperation mit der Evangelischen Suchtkrankenhilfe MV, die in Ludwigslust eine Reha-Einrichtung betreiben will, ist nach Jürgen Stobbes Aussage unabhängig von den Strukturveränderungen zu sehen. Die Reha-Betten würden nicht Krankenhausbetten ersetzen, sondern zusätzlich kommen. Eine Option wäre das Samariter-Haus. „Aber auch da ist noch nichts entschieden“, so Stobbe. Kommt die Kooperation, würde das – unabhängig vom konkreten Standort der Einrichtung in Ludwigslust – zu deutlichen Veränderungen der medizinischen Leistungen des Stiftes, vor allem in der Inneren Medizin, führen. „Oberstes Ziel ist es, den Betrieb beider Häuser in Hagenow und Ludwigslust nachhaltig zu sichern und auszubauen.“

Viele Mitarbeiter und Bürger scheinen daran zu zweifeln. Und auch Stadtvertreter sind zumindest irritiert. „Ich bin sehr erbost über die Informationspolitik“, sagte Uwe Langmaack, AfL-Fraktionsvorsitzender. „Ich habe bestimmt 25 Anrufe bekommen und konnte als Stadtvertreter keinerlei Auskunft geben.“

Wilfried Romberg (Bü 90/ Grüne) meinte, dass man bei einem so sensiblen Thema gut überlegt mit den Mitarbeitern sprechen müsse. Und auch die anderen Ludwigsluster werden hellhörig, wenn es um Umzugspläne geht. „Weil schon so vieles aus Ludwigslust verschwunden ist“, sagte Romberg und verwies auf Schwerhörigenschule, Finanzamt, Kinder- und Geburtshilfestation. „Ich glaube aber nicht, dass man sich generell Sorgen um den hiesigen Krankenhausstandort machen muss.“

Auch Melitta Roock (Die Linke) teilt solche Sorgen nicht. „Es ist nicht vorgesehen, einen Standort zu schließen“, sagte sie nach dem Besuch beider Häuser. „Aber es wird Veränderungen geben.“

Nach einem Gespräch mit Jürgen Stobbe, an dem Ludwigsluster Stadtvertreter und der Bürgermeister teilnahmen, habe er ein Stück Hoffnung, dass sich die Überlegungen ins Positive bewegen, sagte Stadtvertretungspräsident Helmut Schapper gegenüber SVZ. „Das Ziel ist aber noch nicht erreicht.“ Im Gespräch habe man auch an die Sorgen erinnert, die man geäußert hatte, als die Geburtshilfe aus Ludwigslust wegging… Das Gespräch habe er aber mit dem Gefühl verlassen, „dass wir ernstgenommen werden“. „Wir haben hier tolle, motivierte Mitarbeiter, hervorragende Ärzte und einen guten Ruf – das sind gute Grundlagen, um den Standort zu stärken.“

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erstellt am 05.Dez.2014 | 13:23 Uhr

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