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Ludwigsluster Tageblatt

11. Dezember 2016 | 08:59 Uhr

Tischlerei Alfred Wenzel : Selbstständig seit 50 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

In der Tischlerei Alfred Wenzel, Kaliß, wird heute gefeiert: Am 1. November 1966 eröffnete die Firma

Als Alfred Wenzel 1966 die Gelegenheit hatte, Maschinen von einem Meister aus Dömitz zu kaufen, der in Rente ging, ahnte niemand aus der Familie, dass daraus eine nunmehr 50-jährige Firmengeschichte werden würde. Heute ist es immer noch die Tischlerei Alfred Wenzel, allerdings mit dem Zusatz „Inhaber Ronald Koch“. Der Schwiegersohn hat am 1. Januar 1999 die Tischlerschürze übernommen. Am heutigen Sonnabend wird es am Firmensitz in Kaliß einen Empfang geben. Viele werden kommen, die das Unternehmen über Jahre begleitet haben. Alfred Wenzel wird nicht mehr dabei sein. Er ist leider viel zu früh verstorben. Seine Frau Inge ist es, die die alten Geschichten noch kennt. Sicher wird die eine oder andere auch heute erzählt.

Als es 1966 begann, war eine ganz andere Zeit. Nicht einfach war das Vorhaben, sich selbstständig zu machen. Die SED in der DDR wollte keine Kapitalisten. Alles sollte Volks- oder genossenschaftliches Eigentum sein. Alfred Wenzel hat sich durchgesetzt. „Er stammte aus dem Sudetenland, war das Arbeiten durch die Landwirtschaft gewohnt“, erzählt Inge Wenzel. Der erste Auftrag der neuen Firma war ein Herzhäuschen, daran erinnert sie sich noch. Was die volkseigene Industrie, die Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) oder Zwischenbetrieblichen Bauorganisationen (ZBO) nicht schafften, da kamen die privaten Betriebe wie der von Alfred Wenzel zum Zuge. Dazwischen mussten die Aufträge von den privaten Eigenheimbauern geschoben werden. Wartezeiten von zwei Jahren für Fenster oder Haustüren waren an der Tagesordnung.

Die Jahre waren geprägt von unendlich viel Arbeit. Vieles gab es nicht, es musste selbst hergestellt oder organisiert werden. Holzbretter zum Beispiel. Viel Geduld gehörte dazu, sie zu Baumaterial zu machen. Die Borke war zu entfernen, Posten für Posten musste selbst getrocknet werden. Eine typische DDR-Geschichte ist auch, wie die Firma zu einem Auto kam, einem „Framo“.

Dann war die Wende da. Aber leichter wurde es nicht. Ronald Koch war eigentlich Hochseefischer. Der Liebe zu seiner Frau Karin wegen ging er eines Tages von Bord und schulte zum Tischler um. Auch weil er Freude an dem Handwerk gefunden hatte. Das war 1982 und der Weg zum neuen Beruf führte über die Erwachsenenqualifizierung.

1990 folgte ein weiterer Schritt: Ronald Koch begann ein Meisterstudium. Zunächst in Lüneburg, ein Jahr später konnte er nach Ludwigslust wechseln, musste allerdings die gesamte Ausbildung noch einmal von vorn beginnen. „Trotzdem, es wurde einfacher, die Arbeit im Betrieb mit dem Meisterstudium zu verbinden“, erinnert sich der Chef heute. Die ersten Jahre nach der Wende waren ein kompletter Neuanfang. Aber es hat sich gelohnt. Alfred Wenzel hatte bis zu seinem Ruhestand 1998 insgesamt 17 Lehrlinge ausgebildet. Unter der Regie seines Schwiegersohnes sind es seit 1999 ebenfalls bereits elf Auszubildende, die ihren beruflichen Weg in dem Kalisser Betrieb begonnen haben. Vier davon sind bereits Meister geworden.

Und um die Firmennachfolge ist es auch nicht schlecht bestellt, auch wenn Ronald Koch mit seinen 58 Jahren noch nicht ans Aufhören denkt. Sohn André hat bereits seinen Meister gemacht und arbeitet im Betrieb mit. Die Produktpalette der Firma ist breit. Im Internet kann man mehr darüber lesen. Für Familie Koch ist es selbstverständlich, sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl zu engagieren. Ronald Koch tut das zum Beispiel als zweiter stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Neu Kaliß und als Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss der Tischlerinnung. Sein Sohn André ist Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Kaliß. Und auch der Name Karin Koch ist mit vielfältigen Aktivitäten in der Gemeinde verbunden.

Das alles neben der vielen Arbeit im Betrieb. Da kann man schon mal ein wenig inne halten und auf die Wurzeln zurückblicken, aus denen die Kraft zum täglichen Weitermachen kommt.

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erstellt am 04.Nov.2016 | 22:00 Uhr

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