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Ludwigsluster Tageblatt

04. Dezember 2016 | 13:15 Uhr

Ludwigslust : Schulwerkstatt auf Rädern

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Schüler reparieren gespendete Fahrräder selbst

Pause in der Caritas-Schulwerkstatt. Sofort schnappen sich Domenic und Andrew ein Fahrrad und radeln los. „Das ist zurzeit unsere Lieblingsbeschäftigung“, sagt Domenic und fährt auf dem Hinterrad davon. Die Fahrräder sind seit ein paar Tagen fester Bestandteil des Schulalltags. „Wir wollten die Fahrräder hier haben, um gemeinsam mobiler zu sein und den Weg zu unserer Kooperationsschule schneller zu bewältigen“, erklärt Einrichtungsleiterin Birgit Schubert. Denn zum Sport- und Englisch-Unterricht geht es zweimal in der Woche an die Lenné-Schule. „Außerdem sollen die Kinder lernen, richtig mit einem Fahrrad umzugehen.“

Die Räder haben die Schüler zum Teil selbst mitgebracht, zum Teil sind es Spenden. Einige waren in Ordnung, andere mussten erst repariert werden. Dazu sind Schüler und Lehrer in die Kinder- und Jugendwerkstatt des Zebef gefahren. „An meinem Fahrrad mussten ein Vorderlicht angebaut und das Rücklicht erneuert werden“, erzählt Andrew. „Und der Sitz wurde höher gestellt.“ Am Ende der Woche stand dann eine gemeinsame Fahrradtour auf dem Programm – allerdings nur für die Schüler, die in der Woche gut gearbeitet hatten. „Wir waren im Schlosspark. Das hat total Spaß gemacht“, sagt Andrew. Dass es in der Schulwerkstatt jetzt Fahrräder gibt, findet er noch aus einem anderen Grund sehr gut. „Wir ziehen ja bald wieder um“, sagt der 12-Jährige. Und die neue Schulwerkstatt wird von der Lenné-Schule noch weiter entfernt sein als alle bisherigen Standorte.

Nach den Herbstferien zieht die Caritas-Einrichtung in die Straße An der Stadtkirche gleich neben der Gärtnerei. Es wird bereits der dritte Umzug in diesem Jahr sein. Aus dem Haus im Wasserturmweg musste die Schulwerkstatt raus, weil Heizung und Isolierung in keinster Weise heutigen Anforderungen entsprachen. Die Räume in der Lindenstraße waren kurz nach dem Einzug an eine Einrichtung des Landkreises vermietet. Und das Haus der Volkssolidarität Am Alten Forsthof, in dem die Schulwerkstatt seit dem Sommer untergebracht ist, steht nur noch in diesem Jahr zur Verfügung. „Aber jetzt haben wir etwas Neues gefunden, das vielen unserer Ansprüchen genügt“, sagt Birgit Schubert. „Wir haben dort rund 120 Quadratmeter in sehr schönen Räumen und vor allem ein großes Außengelände, auf dem die Kinder toben können, ohne dass sie jemanden stören, und auf dem wir einen Garten anlegen können.“ Einen Wermutstropfen gibt es aber auch diesmal. „Die Lage ist nicht ideal. Zwei unserer Schüler kommen mit dem Bus am Alexandrinenplatz an und zweimal in der Woche müssen wir zur Lenné-Schule“, so die Schulleiterin.

In der Schulwerkstatt lernen derzeit sieben Jungen im Alter von elf bis 14 Jahren, die an ihrer Heimatschule nicht mehr klarkamen. „Die Gründe dafür sind vielfältig. Oft sind es sogenannte ADHS-Kinder, die pausenlos den Unterricht stören, bei einigen spielen auch Aggressionen eine Rolle“, erklärt Birgit Schubert. Für sie sei im System Regelschule dann kein Platz. „Die Schulwerkstatt bietet ihnen eine kleinere Gruppe und ein Team, das auf die Arbeit mit diesen Kindern spezialisiert ist“, erklärt die Sozialarbeiterin. „Wir machen ganz viel Beziehungsarbeit und versuchen, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.“ Ziel ist immer die Rückkehr in die eigene Schule, der Weg dorthin unterschiedlich lang.

Im Schulalltag wird mit Belohnungen gearbeitet, die es schon nach kurzen Zeitabschnitten gibt. „Da reflektiert der Schüler beispielsweise schon nach einer Viertelstunde Unterricht, ob er gut gearbeitet hat oder nicht“, sagt Birgit Schubert. Wenn ja, wandert der Punkt an einer für alle sichtbaren Tabelle Richtung Stundenziel. Ist das erreicht, gibt es den Punkt. Wird es nicht erreicht, gibt es einen Strich. „Die Zeit muss dann freitags nachgearbeitet werden“, erklärt Birgit Schubert. Und während die einen nacharbeiten, können die anderen etwas Schönes unternehmen. Zum Beispiel eine Fahrradtour in den Schlosspark. Übrigens: Die Schulwerkstatt würde sich über weitere Fahrradspenden oder Ersatzteile freuen.

 

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erstellt am 12.Okt.2016 | 07:00 Uhr

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