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Ludwigsluster Tageblatt

08. Dezember 2016 | 03:03 Uhr

Ludwigslust : Schulen wohl gesichert – vorerst

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Der Landkreis geht davon aus, unzumutbare Schulwegzeiten belegen zu können. Perspektivisch sind aber auch Schließungen nicht ausgeschlossen.

Die gute Nachricht zuerst. Aktuell muss wohl keine Schule im Landkreis geschlossen werden. „Aus heutiger Sicht sind alle Auflagen für den Schulentwicklungsplan so abgearbeitet, dass alle acht vakanten Standorte gesichert wären“, sagte Stefan Sternberg (SPD), Vorsitzender des kreislichen Bildungsausschusses, auf einer Sondersitzung am Montagabend. „Wenn sich das Ministerium der Einschätzung anschließt.“ Dann schiebt er gleich die schlechte Nachricht hinterher: „Langfristig gesehen werden wir ab 2020/21 Probleme bekommen. Die geburtenschwachen Jahrgänge sind da, und das wird Auswirkungen haben.“ Im Klartext dürfte das heißen: Perspektivisch ist es möglicherweise nicht mehr zu vermeiden, einzelne Schulstandorte aufzugeben. Damit deutet sich eine Abkehr von den Leitlinien zur Schulentwicklungsplanung an, die sich der Kreistag selbst gegeben hatte. „Der Wunsch des Kreistages ist es, das Schulnetz möglichst so zu erhalten, wie es ist“, rief Rainer Pekram, Fachdienstleiter Bildung beim Landkreis, in Erinnerung.

Zunächst zurück zu den acht Schulen, die dem Landkreis jetzt noch einmal Kopfzerbrechen bereitet hatten. Anfang November war bekannt geworden, dass das Bildungsministerium den Schulentwicklungsplan 2015/16 bis 2020/21 nur mit Auflagen genehmigt hatte (SVZ berichtete). Es forderte für mehrere Standorte einen umfangreicheren Beweis, dass unzumutbare Schulwegzeiten entstehen, wenn eine Schule schließt. Auf die Frage von Ausschussmitglied Andreas Sturm (Die Linke), was man denn diesmal anders gerechnet habe, erklärte Guido Wiese von der Kreisverwaltung: „Wir hatten die Schulwegzeiten ursprünglich zur nächstgelegenen Schule geprüft. Aber die nächstgelegene muss nicht immer die am schnellsten erreichbare sein.“ Deshalb seien jetzt Wegzeiten zu weiteren Schulen geprüft worden, zum Teil sogar mit fiktiven Buslinien. Das Ergebnis scheint aber gleich geblieben zu sein. Gar nicht mehr gerechnet werden musste bei der Regionalschule Cambs. Sie ist doch gesichert. Dort seien die tatsächlichen Schülerzahlen deutlich höher als erwartet und in die Planung eingeflossen, so Guido Wiese. Voraussichtlich kommende Woche und damit mehr als einen Monat vor Ablauf der Frist will er die Unterlagen nach Schwerin schicken und hofft auf eine schnelle Genehmigung des Schulentwicklungsplans.

Mit der Genehmigung verschaffe man sich jedoch nicht mehr als eine Verschnaufpause, mahnte Stefan Sternberg. Für die Zukunft müsse man sich Gedanken machen, für einige Standorte vielleicht auch neue Modelle entwickeln. Doch dabei gibt es noch viele Fragezeichen. Wie muss Schule gestaltet sein, um gutes inklusives Lernen – wie von der Landesregierung gewollt – zu ermöglichen? Welche Vorgaben wird es vom Land geben? Konkrete Antworten konnte Thomas Jackl, Abteilungsleiter im Bildungsministerium, darauf noch nicht geben. Mehrere Arbeitsgruppen würden an der Umsetzung der Inklusionsstrategie arbeiten. Im Ergebnis werde es – wahrscheinlich 2018/19 – ein neues Schulgesetz geben. Jackl machte aber deutlich, dass die Entscheidung über das Schulnetz nicht das Land treffe, sondern allein der Landkreis. „Aber wenn sich der Landkreis dauerhaft für sehr kleine Standorte entscheide, werde es nicht einfacher, Lehrer dafür zu gewinnen“, warnte er.

Einfach werden die einzelnen Entscheidungen mit Sicherheit nicht werden, zumal dabei immer mehrere Aspekte berücksichtigt werden müssen. Guido Wiese erwähnte das Beispiel Cambs/Brüel. Die Regionalschule Cambs hat aktuell genügend Schüler, die Regionalschule Brüel Probleme, die Mindestzahlen zu erreichen. Doch Brüel sei Grundzentrum und nach den Zielen der Raumordnung sollten in zentralen Orten allgemeinbildende Schulen vorrangig erhalten bleiben, erklärte Guido Wiese einen möglichen Konflikt. Gerd Laudon (Die Linke) sprach die Region Eldena, Malliß, Neu Kaliß, Dömitz an, wo sich auf knapp 20 Kilometern vier Grundschulen befinden. Da müsse man mit den Gemeinden reden, so Laudon. Doch dass eine Kommune freiwillig ihre Schule aufgeben würde, ist wohl kaum zu erwarten.

Stefan Sternberg warnte vor Schulkannibalismus. „Unser Ansatz kann nicht sein, eine Schule für den Erhalt einer anderen platt zu machen.“ Man werde aber nicht allen Beteiligten einen Gefallen tun können.

Der Bildungsausschuss will nun einen Unterausschuss bilden, der sich frühzeitig mit dem Schulnetz nach 2020 befasst. 


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erstellt am 30.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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