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Ludwigsluster Tageblatt

28. April 2017 | 23:39 Uhr

Ludwigslust : Schlossblick mit Windrad?

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bürgermeisterin entkräftet Zweifel: Bau neuer Windkraftanlagen in Wöbbelin bedroht Ludwigslusts historisches Stadtbild nicht.

„Das geht ja gar nicht“, stößt Margot Rubel hervor, als sie ihren Blick in Richtung Schloss wendet. Über den Baumwipfeln direkt neben dem Barockbau zeichnet sich deutlich der Funkmast ab, der in der Nähe des Ludwigsluster Bahnhofs steht. „Er ist nur rund 50 Meter hoch, die Windräder bei Wöbbelin würden 200 Meter hoch sein“, hatte Heiko Böhringer, Diplomingenieur und Ludwigsluster Stadtvertreter, gerade erläutert.

Böhringer hatte mit Hilfe des Strahlensatzes der Mathematik eine Visualisierung erstellt, wie die Windenergieanlagen des angestrebten Windparks bei Wöbbelin von der B 5 (zwischen Schloss und Stadtkirche) aus zu sehen sein würden. Nun steht er mit Vertretern des Ludwigsluster Freundeskreises Weltkulturerbe, von Schlossförderverein und Förderverein Stadtkirche Ludwigslust genau an jener Stelle. Mit dabei sind Viola Tonn, die Wöbbeliner Bürgermeisterin, und ein Vertreter der Naturstromversorgung GmbH & Co., die das Projekt realisieren will. Die Bürgermeisterin hatte das Gespräch mit den Ludwigslustern gesucht, nachdem der Freundeskreis Weltkulturerbe das Vorhaben öffentlich kritisiert hatte. „Das fand ich sehr positiv“, sagt Norbert Leithold vom Freundeskreis. „Was mich aber irritiert, ist die völlige Ignoranz der Stellungnahmen von Naturschutzbehörde, Denkmalschutz und der Stadt Ludwigslust.“ Und nicht nur das. „Ich finde es auch ernüchternd, dass sie unsere Unterlagen bezweifeln, die sie als Investoren hätten vorlegen sollen. Man kann die Mathematik doch nicht außer Kraft setzen.“

Viola Tonn hatte zuvor betont: „Ich bin wirklich davon überzeugt, dass die Windräder hier nicht zu sehen sind.“ Allenfalls ein kleines Spitzchen. Und sie schiebt nach: „Sonst hätten wir das Projekt gar nicht angeschoben.“

Im Gespräch erläutert sie die Gesamtstrategie der Gemeinde, die hinter dem Windpark-Projekt steckt und in der Runde durchaus Anerkennung findet. „Weil es finanziell fast überall schlecht aussieht, haben wir überlegt, welche Potenziale wir haben“, so Viola Tonn. So sei die Idee entstanden, regenerative Energie zu erzeugen, die die Bürger direkt nutzen können. Eine große Fotovoltaikanlage ist bereits am Netz, der Strom könne allerdings noch nicht direkt in Gemeindeeinrichtungen genutzt werden. Die geplanten vier bis fünf Windräder würden auf Gemeindeland stehen, und die Firma Naturstromversorgung Wöbbelin habe nicht nur ihren Sitz in der Gemeinde, die Gemeinde ist auch Anteilseigner. Bei einem Windrad würden Nachbargemeinden, Bürger und Unternehmen die Chance bekommen, sich zu beteiligen. Größere Sorgen würden ihr als Bürgermeisterin zwei andere angedachte Gebiete machen – das große mit rund 20 Windrädern bei Neustadt-Glewe und eines bei Groß Laasch.

Auch da müsse man wie beim Wöbbeliner Gebiet genau schauen, ob sie die Kulturlandschaft mit ihren Sichtachsen, wie sie in 300 Jahren gewachsen ist, beeinträchtigen würden, so Leithold. Denn das wäre das Aus für die Bestrebungen, das Ludwigsluster Schlossensemble als Weltkulturerbe anerkennen zu lassen.

Man einigte sich schließlich, vorliegende Berechnungen auszutauschen, nachzuprüfen und sich um ein unabhängiges Gutachten zu bemühen. „Wir brauchen neue Berechnungen“, so Pastor i.R. Wilfried Romberg. In einigen Wochen will man sich wieder treffen.

Beim Weg zurück von der B 5 in Richtung Schloss stellt Viola Tonn fest: „Es ist ein einmaliger Anblick. Den möchten wir nicht zerstören.“

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erstellt am 17.Mär.2017 | 07:24 Uhr

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