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Ludwigsluster Tageblatt

04. Dezember 2016 | 09:11 Uhr

Vogelgrippe in Niendorf : Schlachten im Akkord

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Landwirte und Züchter in Angst vor der Vogelgrippe: Hunderte Tiere müssen vorzeitig zum Schlachter

Aus Angst vor dem Vogelgrippe-Erreger schirmt Landwirt André Hoop seine Ställe derzeit streng ab. Denn „das ist schon ’ne heiße Sache“, sagt der Niendorfer. „Niemand weiß, was genau los ist, und hofft, dass er verschont bleibt.“ 1600 Enten und Gänse schnattern sonst auf den Wiesen am Rande des Ludwigsluster Ortsteils. Jetzt schlachten er und seine Mitarbeiter im Akkord „alles, was geht“. Denn würde der Erreger seine Ställe erreichen, wäre das ein großer Verlust für ihn, den laut Hoop selbst die Tierseuchenkasse nicht ausgleichen könnte.

Zum Problem wird die Seuche auch für die vielen Rassezüchter der Region. „Das Risiko ist groß“, sagt Volker Döscher, Vorsitzender des Kreisverbandes der Rassegeflügelzüchter Ludwigslust. Auch wenn seit gestern Nacht 0 Uhr Stallpflicht herrscht – jederzeit könnte es zu einer Sperre im Umkreis kommen. Deshalb fallen auch diverse Tierschauen in den kommenden Wochen aus – so auch die Landesverbandsschau in Sparow und die Kreisschau in Wittenburg. Offiziell ist letztere noch gar nicht abgesagt, „aber wir lassen sie ausfallen“, sagt Döscher gestern auf Nachfrage. Denn vor zwei Jahren sei zwei Tage vor der Schau eine Sperre wegen der Vogelgrippe verhängt worden. Mit finanziellen Folgen für den Ausrichter. Das wolle man dieses Mal verhindern und damit den Verlust auf die bisher investierten paar hundert Euro begrenzen.

Döscher sieht noch ein anderes Problem: Die Vögel müssen derzeit „eingepfercht auf engstem Raum“ leben, und niemand wisse, wie lange. „Das ist großer Stress für die Tiere“, sagt der Vorsitzende. Sie fangen an, sich gegenseitig zu bepicken und das Federkleid zu berupfen. Betroffen seien in erster Linie Wasservögel, Hühner und Zwerghühner, betont Döscher auf Nachfrage. Tauben nicht, sie seien resistent gegen den Erreger.

„Schiete“, findet Züchter Joachim Viereck die Situation. Er hat schon in der letzten Woche einige Tiere geschlachtet, als erste Vogelgrippe-Fälle im Land gemeldet wurden. Die Zuchttiere hält der Vorsitzende des Rassegeflügelzuchtvereins Heiddorf im Stall. Jetzt die Erfolge, auf die „jeder das ganze Jahr über hinzüchtet“, nicht in Ausstellungen zeigen zu dürfen, sei schade. Auch die Zucht im kommenden Jahr sieht er gefährdet. Wenn die Seuche bis Februar anhalten sollte, gäbe es nicht genug Bruteier. Denn bei eingesperrten Vögeln komme es zu weniger Befruchtungen. Er hofft nun, dass die Gefahr nicht so lange anhält.

Der Landkreis indes geht Hinweisen auf Verstoß gegen die verhängte Stallpflicht nach. Aus Erfahrung gehen aber „die meisten Tierhalter vernünftig“ damit um, sagt Sprecher Andreas Bonin. Jeder hätte Interesse daran, dass die Seuche nicht bei ihm oder in der Nachbarschaft ausbricht.

Landwirt André Hoop hat „zum Glück“ die Kapazitäten, seine 1600 Enten und Gänse in zwei Ställen unterzubringen. Doch aus Angst vor dem Erreger schlachtet er schon jetzt an sieben Tagen in der Woche ab morgens um vier Uhr. Sonst beginnt die Schlachtzeit Anfang Dezember. Bis dahin will er in diesem Jahr durch sein und alle Tiere eingefroren haben. Dann droht kein Verlust mehr für sein zweites Standbein, das die Einbußen bei der Milchviehhaltung ausgleichen soll. Und auch der Weihnachtsbraten sei gesichert, so Hoop. Die Leute würden schon immerzu anrufen und hätten Angst um ihren Festschmaus. Seine Frau beruhigt dann, und viele holen sich schon jetzt ihre Gans oder Ente ab.

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erstellt am 15.Nov.2016 | 07:00 Uhr

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