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Ludwigsluster Tageblatt

23. März 2017 | 09:17 Uhr

Neustadt-Glewe : „Schiefes“ Haus wird wieder gerade

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Fast 290 Jahre altes Gebäude in der Rudolf-Breitscheid-Straße in Neustadt-Glewe wird ab April grundlegend saniert.

Dieses Gebäude ist höchstens deshalb ein Blickfang, weil es eventuell dem Schiefen Turm von Pisa Konkurrenz macht. Aber das wird sich jetzt ändern. Das Haus in der Rudolf-Breitscheid-Straße 22 in Neustadt-Glewe soll grundlegend saniert werden.

„Es handelt sich um eines der ältesten erhaltenen Wohnhäuser Neustadt-Glewes und wurde um 1730 nach dem Stadtbrand von 1728 errichtet“, sagt Karl-Heinz Schilling vom Ludwigsluster Büro Architekten und Ingenieure Kaschig+Schilling, das für die Planung und Baubegleitung zuständig ist. Laut Schilling könne man davon ausgehen, dass in dem Haus sogar noch Teile aus der Zeit vor dem Brand verbaut wurden. Aller Wahrscheinlichkeit nach sei das Gebäude in seiner heutigen Art in zwei Bauabschnitten errichtet worden – an den eigentlichen Wohnteil sei später ein Wirtschaftsteil angefügt worden. Und: Der damalige Stadtinspektor Gottlieb, dem das Gebäude einst gehörte, veranlasste in den 1930er-Jahren den Anbau eines Balkons an diesem hinteren Teil.

Mitte April nun soll die komplette Grundsanierung beginnen. Die gesamte Baumaßnahme kostet einschließlich der Planung rund 650  000 Euro und wird aus Fördermitteln sowie einem Eigenanteil der Stadt finanziert.

Karl-Heinz-Schilling: „Im ersten Schritt wird das Gebäude fast vollständig entkernt, nur Gerüst und Dach bleiben erhalten.“ Holz müsse freigelegt werden, um schadhafte Teile zu sanieren oder, wenn nötig, in Teilen völlig zu erneuern. Es sei, so Karl-Heinz Schilling, eine sehr aufwendige Sanierung. Auch deshalb, weil man es insgesamt mit einem schlechten Bauzustand zu tun habe. So sei die eingangs erwähnte „Schieflage“ auf vergammeltes Holz und so entstandene Hohlräume zurückzuführen. Außerdem habe der Baugrund offenbar nachgegeben. Deshalb seien Auffüllungen mit Stahlbeton notwendig. Bei allen Arbeiten sei auch der Denkmalschutz zu beachten.

Im Erd- und im Obergeschoss werden jeweils eine Zwei-Raum-Wohnung entstehen. Die Wohnung im Erdgeschoss werde rund 85, die im Obergeschoss etwa 90 Quadratmeter groß sein. Während die künftigen Mieter unten auf dem Hof eine Sitzterrasse haben, gibt es für die obere Wohnung einen Balkon. Terrasse und Balkon sind zum Südwesten (Kirche und Burgwiese) ausgerichtet.

Bauende soll Ende Februar 2018 sein. Eigentümer des Hauses bleibt die Stadt, die Verwaltung übernimmt die Wobau Neustadt-Glewe.

Dörte Ecks, zuständige Fachdienstleiterin im Rathaus: „Wir setzen mit der Maßnahme unsere Bemühungen fort, die Bausubstanz in der Stadt zu sichern. Hier handelt es sich um sein sehr markantes Gebäude, das wesentlich das städtebauliche Ensemble in der Innenstadt prägt.“

Silvia Neumann vom Neustädter Bauamt hofft, dass sich weitere Eigentümer von Gebäuden in der Innenstadt entschließen, ihre Häuser zu sanieren. „Das würde die Attraktivität hier erhöhen“, sagt sie.

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erstellt am 17.Mär.2017 | 07:00 Uhr

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