zur Navigation springen

Ludwigsluster Tageblatt

04. Dezember 2016 | 02:59 Uhr

Niendorf an der Rögnitz : Rinderherde vom Wolf angegriffen?

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Weibliches Tier muss nach Attacke getötet werden

Noch immer stehen die Rinder auf der Weide am Lindhorst eng beieinander und reagieren schreckhaft auf Besucher und Geräusche. Ein Schutzmechanismus der Herde, die in der vergangenen Woche höchstwahrscheinlich von Wölfen angegriffen wurde. Ein weibliches Tier wurde dabei so stark verletzt, dass es notgetötet werden musste.

Jeden Morgen gegen sechs Uhr macht Wilfried Witt seine Kontrollrunden über die Weiden der Niendorfer Landerzeuger GmbH. „Ich habe mich gleich gewundert, warum die Tiere so aufgeregt waren. Und dann habe ich gesehen, dass eins am Boden liegt und stark blutet“, erzählt der Weidewirt.

An der einjährigen Färse, die noch nicht gekalbt hat, waren deutliche Kratz- und Bissspuren zu sehen. Sofort wurde Jutta Kreuzig informiert, Herdenmanagerin der Tiere. „Als Wilfried auf die Weide kam, dampften die Rinder noch und waren stark verschwitzt. Das deutet auf einen Kampf und eine Jagd über die ganze Weide hin“, erklärt Jutta Kreuzig.

Als die Färse am Freitagmittag von der Weide abtransportiert werden konnte, blieb nur noch die Nottötung. Zu schwer waren die Verletzungen. „Anhand der Bissspuren hatten wir sofort den Verdacht, dass ein Wolf das Tier gerissen haben muss“, sagt Mathias Scheper, Jäger im Revier Niendorf. Noch am selben Tag wurde Norman Stier, Koordinator des Wolfsmonitorings in Mecklenburg-Vorpommern, über den Vorfall informiert. „Meine Kollegen waren vor Ort und haben Genetikproben von dem getöteten Tier entnommen. Ein endgültiges Ergebnis gibt es jedoch noch nicht“, erklärt Norman Stier auf SVZ-Anfrage.

In Niendorf a.d. Rögnitz ist man sich jedoch sicher, dass mindestens zwei Wölfe die Rinderherde angegriffen haben müssen. „Wir haben Pfotenabdrücke von mehreren Tieren entdeckt, die eindeutig nicht von einem Hund stammen“, sagt Mathias Scheper, der bereits seit 16 Jahren als Jäger tätig ist. Die Spuren führen über einen Berg zu der Weide hin, die an die Lübtheener Heide grenzt. Bereits im letzten Jahr entdeckten die Jäger Pfotenabdrücke in der Nähe vom benachbarten Laupin, außerdem wurde ein Wolf bei der Flucht in den Wald gesichtet.

Für Herdenmanagerin Jutta Kreuzig war das die erste Begegnung mit einem Wolf. „Es ist traurig mitanzusehen, dass eines meiner Tiere so schwer angegriffen wurde und letzlich getötet werden musste.“ Jutta Kreuzig arbeitet seit 1983 in der Niendorfer Landerzeuger GmbH und versorgt täglich rund 1350 Tiere, von den Kälbern bis hin zum ausgewachsenen Bullen.

Heute soll die Rinderherde von der Weide zurück in den Stall gebracht werden. „Wir werden jedes Tier einzeln begutachten, um sicherzustellen, dass nicht noch mehr verletzt wurden“, so Wilfried Witt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen