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Ludwigslust : Nächster Schritt zum Bahnhofstunnel

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ausschüsse der Stadtvertretung stimmen für Fortsetzung der Planungen. Gesamtinvestition nunmehr bei rund 35 Millionen Euro

Der geplante Tunnel am Ludwigsluster Bahnhof ist wieder ein kleines Stückchen näher gerückt. Vier Ausschüsse der Stadtvertretung stimmten bei einer gemeinsamen Sitzung am Mittwoch der Vorplanung für den straßenbaulichen Teil zu. Einstimmig. Folgt die Stadtvertretung am kommenden Mittwoch (18 Uhr) dieser Empfehlung, macht sie damit den Weg für den nächsten Schritt – die Entwurfsplanung.  Vor ihrem Beschluss mussten die Kommunalpolitiker am Mittwoch allerdings eine dicke Kröte schlucken. Mit einer Million Euro als Eigenanteil wird die Stadt – anders als ursprünglich gedacht – nicht auskommen. Zwei Millionen Euro scheinen derzeit realistischer, sind aber womöglich auch noch nicht das Ende der Fahnenstange. Grund sind höhere Baukosten und unklare Förderquoten.

Oliver Raettig vom Planungsbüro Pöyry hatte den Ausschussmitgliedern die derzeitige Vorzugsvariante vorgestellt. Danach führt die neue Straße dort, wo heute das alte Postgebäude und das WC-Gebäude  stehen, unter die Bahngleise und auf der anderen Seite der Schienen über den heutigen Hof des Amtsgebäudes Ludwigslust-Land an die Wöbbeliner Straße heran. Postgebäude, WC-Häuschen, Garagen und Archivgebäude auf dem Hof des Amtes sowie das frühere Unterkunftsgebäude  für Lokführer müssen dafür weichen.  Während die Straße mit einem Gefälle von bis zu zehn Prozent unter den Gleisen hindurchführt, ist es für Fußgänger und Radfahrer weniger steil. Ihre Wege werden oberhalb der Straße durch den Tunnel geführt. Vom Tunnel aus gibt es drei Treppenzugänge und Fahrstühle zu den Bahnsteigen. Dadurch stellt die Bahn die längst überfällige Barrierefreiheit des wichtigen ICE-Bahnhofs sicher.

Teil der Vorplanung war eine Kostenschätzung, die enorme Beträge zutage brachte. Die Gesamtinvestition beläuft sich danach auf 35 Millionen Euro. Nach jetzigem Stand. Baupreisentwicklung oder Bauzeitverzögerungen könnten nach Aussage von Jens Gröger, Fachbereichsleiter Tiefbau bei der Stadtverwaltung, für weitere Steigerungen sorgen. Die Kosten teilen sich die Bahn, der Bund und die Stadt als Straßenbaulastträger – jeder muss ein Drittel zahlen und damit rund elf Millionen Euro. Die Stadt rechnet jedoch mit Infrastrukturfördermitteln in Höhe von bis zu 60 Prozent vom Land, die den Eigenanteil verringern und bereits in Aussicht gestellt wurden. Dann bleiben aber immer noch fast 4,7 Millionen Euro. Durch eine Sonderbedarfszuweisung vom Land könnte der städtische Anteil noch einmal gesenkt werden. Wie hoch diese ausfallen wird, ist nach Aussage von Bürgermeister Reinhard Mach derzeit aber völlig offen. „Ausschlaggebend wird sein, wie es dann um die dauerhafte Leistungsfähigkeit der Stadt bestellt ist“, so der Bürgermeister. Und da habe sich Ludwigslust seit 2013 von der Stufe Rot über Gelb auf Grün entwickelt. „Weil wir sparen, weil wir wissen, was wir vorhaben“, so Mach. Die finanzielle Unsicherheit bereitet den Stadtvertretern erhebliche Bauchschmerzen.

„Für mich ist das Problem, dass wir keine schriftliche Zusage zur Finanzierung bekommen“, meinte unter anderem Melitta Roock (Die Linke) „Da wartet ein ganz schönes Sümmchen, insbesondere wenn man bedenkt, was wir an Schulbauten noch vorhaben.“ Und ihr Fraktionskollege Gerd Laudon meinte: „Das Risiko ist so hoch, dass wir ganz große Bauchschmerzen kriegen bei einem Vorhaben, das wir alle wollen.“ Er würde das Land stärker in die Pflicht nehmen wollen. Am Projekt selbst rüttelte jedoch kein Ausschussmitglied.  „Wir haben hier die wahrscheinlich letzte Chance“, meinte Uwe Langmaack (AfL). „Der Tunnel ist wichtig für die weitere Entwicklung der Stadt.“ Dass die Kosten so enorm hoch sein werden, hängt laut Bürgermeister auch damit zusammen, dass an der breitesten Stelle gebaut wird. Das eigentliche Eisenbahnüberführungsbauwerk wird immerhin 70 Meter lang.

Wenn auch die Stadtvertretung zugestimmt hat, wird der Bürgermeister die Bahn auffordern, mit der Entwurfsplanung zu beginnen. Läuft alles nach (aktuellem) Zeitplan, ist mit einem Baubeginn frühestens Ende 2020 zu rechnen, mit der Fertigstellung Anfang 2024.

 

 

 

 

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