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Ludwigsluster Tageblatt

05. Dezember 2016 | 05:28 Uhr

Techentin : Müllanlage stinkt Techentinern

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Stalu betont aber auf Einwohnerversammlung: Alle Grenzwerte bei Schallschutz und Geruch unterschritten

„Wurde die Anlage schon mal überwacht?“ Diese Frage empfing Dr. René Bernitz gleich am Eingang, als der Experte des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (Stalu) am Mittwochabend das Feuerwehrgerätehaus in Techentin betrat. Die Anfrage bezog sich auf die Thermische Abfallverwertungsanlage (TAV) Am Alten Flugplatz 1. Bürgermeister Reinhard Mach hatte das Thema gleich als ersten Punkt auf die Tagesordnung der Einwohnerversammlung gesetzt. „Es gab Hinweise aus Techentin zur Geruchs- und Lärmbelästigung der TAV. Das war in den Vorjahren schon immer mal ein Thema. Ich habe mir die Protokolle angesehen und auch Kollegen, die in Techentin wohnen, gebeten, Augen und Ohren aufzusperren. Deshalb habe ich heute Abend auch Fachleute des Stalu eingeladen, die zu diesem Thema Auskunft geben können“, so Reinhard Mach. Auch um Gerüchten entgegenzutreten, dass nachts in der Anlage die Reinigung abgeschaltet werde.

Das Interesse der Bürger war so groß, dass noch weitere Stühle in den Versammlungsraum gestellt werden mussten, damit alle an diesem Einwohnerforum Interessierten – und das werden so rund 80 Leute gewesen sein – Platz fanden.

„Ja, wir haben die Anlage schon überprüft“, antwortete Bernitz und ließ gleich mehrere Unterlagen durch die Besucherreihen gehen, in denen Prüfergebnisse aus jüngster Zeit und zurückliegenden Jahren vermerkt waren. So bescheinigte ein Prüflabor aus Berlin, dass die Grenzwerte nicht nur eingehalten, sondern auch unterschritten wurden. Das ergaben z.B. Emissionsmessungen im Reingas der TAV Ludwigslust im Zeitraum vom 10. bis zum 12. Mai 2016. Auch eine Schallimmissionsmessung vom Tüv Nord Umweltschutz ergab, dass der Schallpegel am Tage und in der Nacht weit unterschritten wurde. Das Spitzenkriterium in der Kategorie Lärm wird mit großer Sicherheit eingehalten – so sagt es das Tüv-Prüfprotokoll aus. „Wo immer Verdachtsmomente seitens Schall- und Geruchsemission bestehen, können wir jederzeit die Messung wiederholen“, so Bernitz. „Ein kurzes Zwischenfazit dazu: Wovon wir wissen und was wir vorliegen haben, bestätigt, dass keines der Ergebnisse den Betrieb der Anlage beeinträchtigt“, erklärt der Fachmann vom Stalu für Immisssions- und Klimaschutz, Abfall- und Kreislaufwirtschaft.

„Wenn Sie eine Überprüfung vornehmen, sind Sie dann angemeldet?“ lautete eine Frage aus dem Publikum. Wenn das der Fall wäre, so der Techentiner, könnten sich die Betreiber der Anlage darauf einstellen und alles wäre in bester Ordnung. Es gebe eine Regelüberwachung, die angemeldet sei, um alle notwendigen Parameterdaten überwachen zu können, erklärte Bernitz. Aber es werden auch andere Kontrollen durchgeführt, die nicht angemeldet sind. „Wir sind jährlich zu Überprüfungen vor Ort.“

Eine Techentinerin entgegnete, dass Geruchsbelästigung vor allem nachts auftrete, das sei besonders bei Nebel zu bemerken. „Das kann ich Ihnen nicht beantworten“, so Betriebsstättenleiter Andreas Rosemann. „Wenn wir die Rauchgasreinigung nicht drin hätten, würden über der Anlage schwarze Rauchwolken stehen.“ Ein anderer Techentiner störte sich an einem quietschenden und klappernden Kettengeräusch in der Verbrennungsanlage. Lasse sich das abstellen? so die Frage. Das Geräusch stamme von einer technische Anlage, so Andreas Rosemann. „Was wir auf jeden Fall machen können, ist Schallschutz. Eine entsprechende Maßnahme haben wir für das kommende Jahr dort vorgesehen.“ Ein anderer wollte wissen, ob in der Anlage Klärschlamm verbrannt werde. „Wir trocknen den Klärschlamm, verbrannt wird er nicht“, ergänzt Rosemann. Die Abwärme gehe in die Luft, fügte ein Techentiner Bürger an. Wäre es da nicht auch technisch möglich, eine Versorgungsleitung von der Anlage nach Techentin zu verlegen und die Wärme zu nutzen? „Wir als Betreiber können nicht so ohne Weiteres eine Leitung bauen, aber diese Idee könnte heute Abend ein Impuls sein, darüber intensiv nachzudenken“, so Andreas Rosemann.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 19:00 Uhr

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