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Ludwigsluster Tageblatt

08. Dezember 2016 | 06:57 Uhr

Ludwigslust : Kunstwerke für Kanzel und Altar

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Beim Tag der offenen Tür in der Paramenten- und Textilwerkstatt des Stifts Bethlehem in Ludwigslust schauten wieder viele Besucher vorbei

Christina Ritter beugt sch über ein Parament. Es ist ein Tuch, das vor den Altar gehängt wird. „Das ist ein Parament für Advent, für die Kirche in Dambeck in Westmecklenburg“, sagt die Leiterin der Paramenten- und Textikwerkstatt im Stift Bethlehem in Ludwigslust. Am gestrigen Sonntag hatte sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Angelika Wächter in der Zeit von 10 bis 17 Uhr zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. „Wir machen das schon seit vielen Jahren und wir freuen uns immer über die große Resonanz“, so die ausgebildete evangelische Paramentikerin, die vor rund 28 Jahren hier in der Werkstatt des Stifts anfing.

Inzwischen haben weitere Besucher die Werkstatt betreten, sehen sich um, bewundern die textilen Kunstwerke. Schauen den beiden Frauen bei der Arbeit über die Schulter. und sie geben bereitwillig Auskunft, erklären die Arbeitsschritte an den Webstühlen. „Das Tuch für den Altar der Dambecker Kirche wird vier Farben bekommen - Violett, Weiß, Grün und Rot. Bis zum ersten Advent muss es fertig sein, aber wir schaffen das schon“, schmunzelt Christina Ritter, die ausgebildete Handstickerin und Handweberin ist. „Aber es kommt auch schon vor, dass wir Überstunden machen, um die Aufträge termingerecht fertig stellen zu können.“

Eindrucksvoll verbindet sich in der Paramenten- und Textilwerkstatt künstlerische Ausdruckskraft mit der Erfahrung aus dem traditionellen Handwerk am Webstuhl oder durch sorgfältig überlieferte Sticktechniken. Hier wird Glauben sichtbar. Auf Paramenten gewinnt er Gestalt, Form und Farbe.

Wenige Meter weiter sitzt Angelika Wächter am Flachwebstuhl. Sie webt Hede-Handtücher, das sind aus alten Leinen gewebte Tücher, die auch als Deckchen angeboten werden. „Aber wir übernehmen auch Restaurierungsarbeiten an Paramenten“, sagt die Fachfrau, die seit 20 Jahren hier in der Werkstatt tätig ist. „Aktuell ist unsere Auftragslage gut, wir haben viel zu tun, und das bundesweit“, so die Paramentikerin.

Drei Flach- und drei Hochwebstühle gibt es in der Werkstatt. An letzteren entstehen Paramente, in denen Bilder eingewebt werden. Der Webstuhl, an dem Angelika Wächter, auch ausgebildete Paramentikerin, arbeitet, ist rund 200 Jahre alt. Einer, der das ganz genau weiß, ist Bernd Meyer aus Glaisin. Er ist sozusagen Senior-Praktikant in der Paramenten- und Textilwerkstatt. „Ich habe zu Hause einen Webstuhl und wollte gern selbst das Handwerk erlernen. Ich finde das faszinierend, aus einem Faden ein Stück zu weben“, so der 65-Jährige, der ein- bis zweimal in der Woche in die Werkstatt kommt, um weben zu lernen und sich zu vervollkommnen.

Paramentik leitet sich ab von dem lateinischen „parare“. Das bedeutet ins Deutsche übersetzt: Bearbeiten, rüsten, bereiten, schmücken. Paramente sind Bestandteile der liturgischen Ausstattung des Kirchenraumes. Altartücher sind die verschiedenen Tücher für das Abendmahl (Corporale, Palla, Purifikatorium und Velum) aus weißem Leinen. Antependien (lat. das Davorhängende) an Altar, Kanzel und Lesepult weisen auf liturgisch wichtigen Orte hin. Die Werkstatträume befinden sich im Gelände des Stift Bethlehem in der Bahnhofstraße 20. „Wir machen auch Führungen in der Werkstatt, aber eine vorherige telefonische Anmeldung ist schon erwünscht“, so Angelika Wächter.

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erstellt am 13.Nov.2016 | 19:00 Uhr

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