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Ludwigsluster Tageblatt

25. Juni 2016 | 03:32 Uhr

Feuerwehr Eldena : Jeder Einsatz wird zum Glücksspiel

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Weil zu viele FFw-Mitglieder auswärts arbeiten, kann die Eldenaer Wehr werktags maximal nur als „kleine“ Truppe ausrücken

Wenn Oliver Kanns Pieper Alarm schlägt, dann dauert es keine zehn Minuten, bis er von seinem Arbeitsplatz in Karstädt am Feuerwehrgerätehaus in Eldena ist. Kann ist jedes Mal der erste. Er drückt den roten Knopf, damit die Tore sich öffnen, er schaltet das Licht an, und er ist der erste am Spind. „Wenn ich mich umziehe, denke ich: Mal sehen, wer heute kommt“, sagt Oliver Kann. Jeder Einsatz tagsüber in der Woche sei ein Glücksspiel. „Und wenn wir Pech haben, dann sind wir nur zu viert.“

 Dreißig aktive Mitglieder arbeiten freiwillig für die Wehr in Eldena. Nicht mehr und nicht weniger als in den Jahren zuvor. Trotzdem leidet die Tageseinsatzbereitschaft von Jahr zu Jahr mehr. Denn kaum ein Feuerwehrmann hat noch Arbeit im Dorf. Viele pendeln oder sind auf Montage.

Als Stützpunktfeuerwehr wird Eldena auch gerufen, um andere kleinere Wehren in der Region zu unterstützen. Beim letzten Einsatz in Glaisin lief es gut. „Da waren wir zu neunt“, sagt Kann. „In Karstädt dagegen konnten wir nur mit drei Mann anrücken.“ Kann wünscht sich mehr Verlässlichkeit. „Beim Einsatz schwirren einem so viele Fragen und Aufgaben durch den Kopf. Da will ich doch sicher gehen, dass man auch die Leute dafür abrufen kann.“ Das Problem haben viele Wehren im Amtsbereich Grabow. Vor allem die kleinen, sagt Amtswehrführer Bernd Rüsch. So seien in Wanzlitz von den 17 Mitgliedern nur drei in der Woche zwischen 7 und 16 Uhr vor Ort. Damit die Wehr trotzdem einsatzfähig bleibt, habe man mit den Arbeitgebern im Wanzlitzer Gewerbepark vereinbart, Mitarbeiter, die eigentlich in anderen Wehren aktiv sind, im Ernstfall für die Wanzlitzer freizustellen. So viel Flexibilität wünscht sich auch Wehrführer Oliver Kann für Eldena. „Dafür brauchen wir aber nicht nur die Hilfe der Arbeitgeber, sondern auch die Bereitschaft der Kollegen aus den anderen Wehren, ab und zu mit uns zu üben. Damit wir uns kennen lernen und vertrauen können.“

So wirbt die Eldenaer Wehr um Mitglieder
Um erwachsene Eldenaer für das Hobby Feuerwehr zu gewinnen, gehen die   Eldenaer mit einer nicht alltäglichen  Aktion im Ort Klinken putzen. Gemeinsam mit  Andreas Brüning und Christian Wilke hat Wehrführer Oliver Kann bis heute sechzig Haushaltslöschkübel verteilt. Auf den Kübeln kleben Aufkleber, auf  denen beschrieben ist, wie   man sich hilft, wenn die Wehr im Ort trotz Notruf nicht kommen kann, weil schlichtweg die Leute fehlen.   Angesprochen fühlen sollen sich  alle Eldenaer zwischen 18-50 Jahren.  Einer habe sich bereits schon auf die Aktion hin gemeldet. Oliver Kann hofft auf mehr: „Wer Lust hat, schaut einfach beim nächsten Dienst vorbei.“ Die Wehr trifft sich jeweils am ersten Freitag und am ersten Sonntag am Feuerwehrgerätehaus.

Auch die Kommunen könnten ihren Teil leisten. So sollten bei Neueinstellungen in städtischen Betrieben, wie Bauhof oder Waldbad, Feuerwehrmitglieder bevorzugt werden. Wenn es nach Oliver Kann geht, könnten in Eldena gut doppelt so viele Mitglieder in der Wehr sein als heute. „Vielleicht denken ja viele noch, hier wird nur getrunken und gefeiert“, sagt er. „Alles Klischee. Bei uns ist sich jeder seiner Aufgabe sehr bewusst.“ Und jeder wisse auch, dass es mit einmal Dienst im Monat nicht getan sei. „Wer bei der Feuerwehr mitmacht, opfert Zeit und riskiert sein Leben. Das sollte mehr honoriert werden“, so Kann. Er denkt dabei zum Beispiel an Rabattgutscheine im Baumarkt, kostenlose Tickets für den Nahverkehr oder freien Eintritt ins örtliche Schwimmbad. „Damit würdigt man den freiwilligen Einsatz und macht die Feuerwerhr gleichzeitg auch attraktiver.“

Die Jugendlichen im Dorf muss Oliver Kann nicht mehr begeistern. „Wir hatten lange keine so starke und engagierte Jugendwehr“, sagt er. Vierzig Mädchen und Jungen sind es zurzeit. Kann: „Aber wenn es zur Ausbildung geht, bleiben die wenigsten von ihnen im Ort.“

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erstellt am 01.Feb.2016 | 17:10 Uhr

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