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Ludwigsluster Tageblatt

08. Dezember 2016 | 08:55 Uhr

Dömitz : Im blauen Faltboot zum Louvre

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Nach Paddeltouren durch Amsterdam und Venedig steuern Lauterfelds aus Rüterberg jetzt ihren 46 Jahre alten Reise-Zweier durch Paris

Die zwei Säcke auf dem Dachboden sind schnell gefunden. Eva Maria Lauterfeld und ihr Mann kippen sie kopfüber auf die Wiese. Ein Durcheinander von Holzleisten, Spanten, Alustegen, Schrauben und Scharnieren breitet sich vor ihnen aus. Keine zwanzig Minuten später ist der Haufen verschwunden und Eva Maria sitzt in ihrem blauen Faltboot auf der Wiese. „Als Kinder waren wir mit dem Aufbau in zwölf Minuten fertig“, sagt sie. „Wir sind wohl ein bisschen aus der Übung.“

Noch ist es nur ein Test im Trockenen in Lauterfelds Garten. Wenn sie das Boot das nächste Mal aufbauen, wird es knapp 1000 Kilometer weiter südlich ins Wasser gelassen. Lauterfelds erfüllen sich einen großen Traum: einmal im Faltboot durch Paris. Paddeln in Paris ist wegen des regen Schiffsverkehrs eigentlich verboten. Außer an einem Wochenende in Herbst. Dann ist der Fluss zur „TraverSeine“ vier Stunden am Morgen allein für die Wassersportler reserviert. Zwischen mehr als einhundert Kajaks, Kanus, Drachen- und Ruderbooten werden Lauterfelds im blauen DDR-Faltboot 26 Kilometer über die Seine paddeln. Vorbei am Eiffelturm, der Notre-Dame, dem Louvre. „Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich den Eiffelturm aus meinem ersten Faltboot heraus sehen würde“, sagt Eva Maria Lauterfeld.

Paddeln ist ihre große Leidenschaft. „Ich habe den Sport schon als Kind geliebt“, erzählt sie. „Mein Trainer Kalle Gawehn hat mich so begeistert, dass selbst Eis und Schnee mich nicht abhalten konnten, sechs Mal die Woche zum Bootshaus in Wittenberge zu kommen.“ Gemeinsam mit ihrem großen Bruder hatte sie als Zehnjährige so viele Flaschen und Altpapier gesammelt bis es mit dem Geld von der Mutter für ein eigenes Faltboot gereicht hat. Ein RZ 85 Exquisit. Unzählige Fahrten hat Eva Maria Lauterfeld seitdem damit unternommen. Als Kind erst auf der Elbe, der Stepenitz, der Karthane. Als Mutter mit den eigenen Kindern die Havel entlang hoch bis zum Plauer See. Das Boot ist mit ihr in den Thüringer Wald gezogen und danach an den Rhein. „Manchmal hatte ich keinen Platz es aufzubauen. Aber weggeben konnte ich es auch nicht. Es hängen einfach zu viele Erinnerungen daran.“ Am Rhein hat die gebürtige Boizenburgerin dann auch ihren Mann Thomas kennengelernt – beim Drachenbootrennen in Wiesbaden.

Kein Urlaub vergeht ohne dass die beiden nicht in einem Boot sitzen. Letztes Jahr paddelten sie den 80 Kilometer langen Wesermarathon, die Jahre davor in ihrem gelben Seekajak durch Venedig und Amsterdam. Nun also Paris. „Wenn wir zurück sind, können wir wieder ein Häkchen hinter einem Sehnsuchtsort machen“, sagt Eva Maria Lauterfeld. Und davon gibt es für die Lauterfelds noch einige: Demnächst wollen sie die italienische Insel Elba umrunden. Und wenn sie Rentner sind, geht es über die Donau hinunter bis ins Schwarze Meer. Das Boot dafür haben sie längst ausgewählt: es ist das gute alte blaue Faltboot.

 

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erstellt am 30.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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