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Ludwigsluster Tageblatt

26. Juli 2016 | 06:32 Uhr

Ludwigsluster Krankenhaus : Hilferuf der Ärzte

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Kampf um Ludwigsluster Krankenhaus geht weiter / Am Montag Aufsichtsratssitzung und Kundgebung

Der Kampf um den Krankenhaus-Standort Ludwigslust geht in eine nächste Runde. Wohl aber noch nicht in die abschließende. Am Montag trifft sich der Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung, zu der auch Sachverständige aus der Ärzteschaft und Mitarbeitervertreter eingeladen sind. Die Geschäftsführung will dann ein modifiziertes Konzept für die Strukturveränderungen vorstellen. Im Vorfeld der Sitzung soll es eine Demonstration geben. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat zur Kundgebung aufgerufen, die um 16.30 Uhr vor dem Haupteingang des Krankenhauses beginnt.


Bei den „Leuchttürmen“ des Hauses angesetzt


Die Sorgen der Krankenhaus-Mitarbeiter und der Bewohner in der Region sind groß. Sie befürchten, dass die angedachten Strukturveränderungen die Existenz des Ludwigsluster Krankenhauses in Gänze gefährden. In mehreren Schreiben hatte sich eine Reihe von Ärzten an die Mitglieder von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung gewandt. Darin treten sie unter anderem dem von der Geschäftsführung erzeugten Eindruck entgegen, die vorgeschlagenen Veränderungen seien ökonomisch sinnvoll und für die Patienten im Landkreis von Vorteil. Sie bemängeln zudem, dass sie als Fachleute vor Ort in die Überlegungen nicht wirklich einbezogen würden, alternative Konzepte völlig unberücksichtigt blieben. „Jedes Unternehmen prüft vor tiefgreifenden Strukturveränderungen, ob sich die gewünschten Effekte nicht durch andere Maßnahmen, etwa beim Personal, erzielen lassen“, erklärte ein Arzt (Name der Redaktion bekannt) im SVZ-Gespräch. In Ludwigslust fange man stattdessen an, die „Leuchttürme“ des Hauses zu köpfen, die medizinischen Highlights. „Man will das Krankenhaus destabilisieren“, ergänzte ein anderer Mediziner, der zudem bemängelte, dass die Würdigung der Arbeit fehle und zwar nicht nur im medizinischen Bereich, sondern auch in puncto Fachkräfte-Gewinnung. Die sei gerade für ein ländlich gelegenes Krankenhaus wie Ludwigslust nicht einfach. Trotzdem sei es immer wieder gelungen, angehende Mediziner für ihr Praktisches Jahr bzw. später als Assistenzärzte nach Ludwigslust zu holen. Doch mit dem Weggang gestandener Mediziner mit Weiterbildungsermächtigung sei der Status als Akademisches Lehrkrankenhaus in Gefahr.


Mediziner fühlen sich missverstanden


Auf Unverständnis – auch außerhalb des Westmecklenburg-Klinikums – stößt die Tatsache, dass ausgerechnet bei der Kardiologie angesetzt werden soll. Dieser Fachbereich gilt deutschlandweit als eines der wenigen Gebiete, in denen sich noch Geld verdienen lässt. Warum man dann auch noch ausgerechnet den großen Konkurrenten Helios ins Boot holt, bleibt den meisten Menschen ebenfalls unverständlich – möglicherweise, weil man den Gewinn für den Standort Ludwigslust bislang nicht nachvollziehbar erklärt hat. Das auch von Rolf Christiansen, Landrat und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, vorgetragene Argument, dass durch die Kooperation in der Kardiologie eine Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft an sieben Tagen die Woche gewährleistet werden kann, steht offenbar auf wackligen Füßen. Dem Vernehmen nach soll bereits im vergangenen Herbst ein Konzept vorgelegen haben, genau das ab 1. Januar 2015 mit den vorhandenen Ärzten abzusichern. Warum wurde es nicht umgesetzt?

Die Ärzte fordern, dass ein echter Dialog entsteht und dass sich die politischen und diakonischen Entscheidungsträger kritisch mit den geplanten Veränderungen auseinandersetzen. Bisher werden ihnen jedoch nur Polemik, Aggression und nicht genehmigtes Veröffentlichen angelastet. „Wir fühlen uns missverstanden und geringgeschätzt.“

Auf der Aufsichtsratssitzung am Montag besteht die Chance, die offenbar verhärteten Fronten im Interesse des Krankenhauses und der Region aufzuweichen.

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erstellt am 09.Jan.2015 | 21:00 Uhr

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