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Göhlen : Goa-Party: Viertes Jahr, vierter Ort

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Psychedelic Circus zieht diesmal nach Göhlen. Bei einigen Anliegern regt sich Protest. Keine Genehmigung erforderlich.

Vier Jahre nach dem Abschied aus Strohkirchen ist das „Psychedelic Circus Festival“ noch immer nicht angekommen – zumindest nicht an einem neuen festen Veranstaltungsort. Nach Wanzlitz, Glaisin und Eldena wird in diesem Jahr Göhlen zum Mekka für Freunde von Psytrance-Musik und Goa-Partys. Mehrere Tausend Partygäste werden Anfang Juni zu dem mehrtägigen Spektakel an der Lauckmühle erwartet. Dort hatte es auch zu DDR-Zeiten Open-Air-Feste gegeben – wenn auch mit deutlich weniger Besuchern.

Doch längst nicht alle Bewohner der Region sehnen jetzt das Psychedelic Circus Festival herbei. In Klein Krams, das vom Veranstaltungsgelände kaum weiter entfernt liegt als Göhlen, regt sich Widerstand. Susanne Kramer und Rolf Schmieding von der Kramserei haben sich mit einem Protestbrief an Landrat, Amtsvorsteher und Bürgermeister gewandt. „Wir haben nichts gegen ein Musikfestival über mehrere Tage und Nächte“, sagte Susanne Kramer. „Aber eine solche Häufung von drei Festivals mit allen Begleiterscheinungen innerhalb eines Sommers ist nicht akzeptabel.“ Große Illusionen hat die Klein-Kramserin allerdings nicht. „Wir werden das Festival wohl nicht verhindern können, wir wollen das aber auch nicht widerspruchslos hinnehmen.“

Auch Rainer Schmidt, Bürgermeister von Alt Krenzlin, ist sauer. „Wir sind anfangs überhaupt nicht informiert worden“, erklärte er gegenüber SVZ. Vermieter in der Gemeinde hätten über Pfingsten Zimmer an Gäste vermietet, die sich erholen wollen und Ruhe suchen. Und er sieht noch ein besonderes Problem. „In nicht einmal zwei Kilometern Entfernung befindet sich das Alten- und Pflegeheim der Gutshof-Stiftung Krenzlin“, sagt er. „Wie soll das werden?“ Doch auch er sagte: „Große Hoffnungen habe ich nicht.“

Und da liegt er offenbar nicht verkehrt. „Das Grundproblem ist, dass für eine solche Veranstaltung keine Genehmigung notwendig ist, sondern nur ein Auflagenbescheid erteilt werden kann“, erklärte Wolfgang Utecht, Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Ludwigslust-Land. Zudem würden Goa-Partys unter die Freizeitlärmrichtlinie fallen, obwohl es sich um kommerzielle Veranstaltungen handelt. Danach dürfe an bis zu zehn Tagen im Jahr Musik in den zulässigen Grenzwerten abgespielt werden. Im vergangenen Jahr hatte sich nach einer Beschwerde auch der Bürgerbeauftragte des Landes mit dem Thema befasst. In seinem 2016er-Bericht heißt es, dass der zuständige Minister eine Überarbeitung der Freizeitlärm-Richtlinie für nicht erforderlich halte. Zufrieden sei der Bürgerbeauftragte mit dieser Antwort nicht gewesen. „Veranstaltungen für einen einzigen Tag, bei denen sich der Bürger am nächsten Tag erholen kann, dürfen nicht mit solchen über mehrere Tage gleichgesetzt werden.“ Zudem müsse unterschieden werden, ob wenigstens eine minimale Nachtruhe gewährleistet ist.

Im Amt Ludwigslust-Land läuft derzeit die Anhörung zum Psychedelic Circus. „Dazu hat es bereits ein Treffen vor Ort gegeben“, erklärte Günter Möller vom Ordnungsamt. „Fachämter vom Landkreis, von Forst, Rettungsdienst, Naturschutz und andere können sich bis zum 20. April äußern. Auf dieser Grundlage entscheiden wir, welche Auflagen der Veranstalter zu erfüllen hat“, so Möller.

Der Veranstalter ist kein Unerfahrener und gilt laut Günter Möller als solide. Die Firma Music Eggert aus Lübtheen, die seit Jahren das „Airbeat One Festival“ in Neustadt-Glewe und diverse Stadtfeste in der Region organisiert, hat das Psychedelic Circus Open Air Festival übernommen. Dort weiß man auch um die Bedenken vieler Anlieger. „Drogen sind immer ein Thema“, sagte Rolf Eggert. „Wir machen Kontrollen und haben bei der Airbeat auch schon Dealer hochgenommen.“ Zudem arbeite man mit der Polizei zusammen. Und zur befürchteten Lärmbelästigung sagte er: „Es werden wie gefordert mehrere Messpunkte eingerichtet und die Anlagen so eingepegelt, dass an der ersten Wohnbebauung die jeweils geltenden Dezibelgrenzen eingehalten werden.“

Auch die Gemeinde Göhlen war anfangs gegen das Open-Air-Festival. „Aber nach intensiven Gesprächen haben wir uns geeinigt“, erklärte Bürgermeister Helmut Seyer. Es solle jeder etwas davon haben, sagte Rolf Eggert über die getroffenen Regelungen.

Vom 1. bis zum 5. Juni werden mehrere Tausend Partygäste zum Festival erwartet. Die Künstler, die laut Einladung Inspiration für Tanz und Akrobatik auf zwei Flächen liefern, kommen aus der ganzen Welt. 1200 Micrograms etwa aus Großbritannien, Phaxe aus Dänemark, Invisible Reality aus Israel oder Hi Profile aus Griechenland.

 

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erstellt am 19.Apr.2017 | 20:45 Uhr

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