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Ludwigsluster Tageblatt

07. Dezember 2016 | 23:11 Uhr

Grabow : Gewaltszenen im Regionalzug

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bundespolizeiinspektion Rostock und die ODEG führen gestern Präventionstraining mit Achtklässlern aus Grabow durch

„He Alte, komm lass uns hier hinsetzen“, sagte der Mann mit der Bierflasche in der Hand, als er den unteren Bereich des ODEG-Zuges betrat. Gemeinsam steuerte das Paar auf eine Gruppe junger Leute zu. „Los steh’ auf, ich will hier sitzen“, pöbelte der Mann, der leicht alkoholisiert wirkte, die Jugendlichen an. Seine Begleiterin stellte sich drohend  vor die Jugendlichen. „Was ist los, wollen sie dich anmachen, oder was?“ – Eine unangenehme Situation,  mit der die Schüler der Klasse 8b der Friedrich-Rohr-Schule mit Klassenleiterin Gisela Jung konfrontiert wurden. Aber zum Glück auch eine gestellte. Sie ist Teil einer gemeinsamen Präventionsaktion der Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) und der Bundespolizeiinspektion Rostock gestern im Regionalzug von Grabow nach Schwerin.

„Das läuft im Rahmen unserer Präventionsaktion unter dem Thema Mut zur Zivilcourage. Im Vordergrund steht dabei das richtige Verhalten  in Gefahrensituationen, dabei geht es auch ums Helfen, aber ohne sich selbst in  Gefahr zu bringen“, so Monika Hirschke, Polizeioberkommissarin, für polizeiliche Kriminalprävention bei der Bundespolizeiinspektion Rostock zuständig. „Für die Jugendlichen eine ganz neue Erfahrung, denn sie wissen zwar, dass sie mit verschiedenen Situationen konfrontiert werden, aber nicht, was genau kommt.“ Und was da der erfahrene Beamte der Bundespolizei Thomas Stanulla und seine Kollegin Anette Starck als Akteure szenisch präsentierten, das ging den Jugendlichen schon unter die Haut. Da wurden sie mit dem Messer bedroht – natürlich nur eine Attrappe – da, wollte der angetrunkene Mann einem Mädchen die Tasche entreißen, und da  war  ein betrunkener Hansa-Fan, der die Jugendlichen im Zug beleidigte und sie von ihren Sitzplätzen verdrängen wollte. Ein anderes Mal spielte Thomas Stanulla einen rabiaten Fahrgast, der eine Frau mit dem Ellenbogen zu Boden stieß und dabei verletzte. Alles Situationen, mit denen die 13- bis 15-Jährigen bei einer Bahnfahrt, egal wo auch immer, in Konflikt kommen können. „Wir wollen mit dieser Präventionsaktion die Jugendlichen nicht nur befähigen, sich in diesen Situationen richtig zu verhalten, wir wollen auch, dass sie in diesen Momenten auch in der Lage sind, Hilfe zu holen“, so Dietmute Graf, Leiterin Marketing und Kommunikation der ODEG. Wichtig ist, in solchen Momenten die Ruhe zu bewahren, sich  nicht provozieren zu lassen, den Notrufknopf im Zug zu drücken, das Servicepersonal anzusprechen und um Hilfe zu bitten. Auch über Handy den polizeilichen Notruf zu wählen, ist eine richtige Entscheidung.

Polizeihauptmeister Waldemar Waldeck hatte die Schüler einige Tage vorher an ihrer Schule aufgesucht und mit ihnen  das Thema Mut zur Zivilcourage, aber auch Gefahren an den Bahnanlagen besprochen. Und im Zug war auch er mit dabei. In einer Situation wurde der Beamte  von den Jugendlichen um Hilfe gebeten und er holte zur Verstärkung zwei Bundespolizisten, die  an diesem Tag  im ODEG-Zug ihren Dienst versahen.

Anfangs haben sich die Jugendlichen noch schwer getan, haben erst mal nur registriert, was da auf sie zukommt – mit einigen falschen Entscheidungen. So als der betrunkene Mann mit dem Messer die Jugendlichen bedrohte und einige aufsprangen, um ihrer Mitschülerin beizustehen. „So zu reagieren, ist sehr gefährlich“, sagte Thomas Stanulla. „Diese Personen sind angetrunken, haben oft auch Drogen genommen. Denen ist dann in  diesem Moment alles egal. Dann  kann es passieren, dass sie zustechen.“ Mehrfach wurden die einzelnen Situationen auf der Hin- und Rückfahrt durchgespielt – und alle Beteiligten von der ODEG, der Bundespolizei sowie  die mitfahrenden Muttis und auch Klassenleiterin Gisela Jung waren mit dem Verhalten und der Reaktionen der Schüler sehr zufrieden. „Für das erste Mal war es in Ordnung  und es hat Spaß gemacht“, so Gisela Jung. Dennis (15) fand das sehr lehrreich und interessant. „Wir wussten ja am Anfang nicht, was uns erwartet und das war  dann schon sehr überraschend. Aber wir können da für das spätere Leben eine Menge mitnehmen, wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten sollen.“  Mitschülerin Anna-Lena (13) sieht das  ähnlich: „Das war sehr emotional und jede Szene hatte eine eigene Spannung. Ich könnte mir vorstellen, so etwas wieder mitzumachen, wenn es dann aber  nicht ganz so doll dargestellt wird.“

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erstellt am 17.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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