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Ludwigsluster Tageblatt

01. Oktober 2016 | 19:12 Uhr

Kummer : Folie soll Wurzeln stoppen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Radweg zwischen Kummer und Warlow frisch asphaltiert. Sollen für geplanten Straßenausbau Pappeln weichen?

Radfahrer kommen wieder sicher von Warlow nach Kummer, ohne sich den Rücken zu ramponieren. Der Rüttel-Radweg, der von den Wurzeln der benachbarten Straßenbäume in Wellen gelegt und aufgebrochen worden war, ist durch einen neuen Asphaltstreifen ersetzt worden. Zuvor war der alte Asphalt abgefräst worden. Zusätzlich sollte eine Wurzelschutzfolie eingezogen werden, damit die Bäume künftig keinen solchen Schaden mehr anrichten können – zumindest solange sie noch stehen…

Der Radweg entlang der L 07 war 2011 gebaut worden. Schon kurze Zeit später wurden erste Dellen im Asphalt sichtbar. „Die Wurzelsysteme haben den Wegeunterbau als wertvolles, gut durchlüftetes Substrat angenommen und es durchwurzelt“, erklärte die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises gegenüber SVZ. Das Dickenwachstum habe dann die Schäden angerichtet. Vor dem Einziehen der Wurzelschutzfolie werden die Wurzeln „schneidend durchtrennt“, so die Naturschutzbehörde. Das solle verhindern, dass ein Herausreißen in Richtung Stamm zu noch größeren Schäden führt. „Die Standfestigkeit der Pappeln ist dadurch nicht beeinträchtigt.   Das   hatte   im     Vorfeld ein Gutachter bestätigt.“

Allerdings war die Folie nicht rechtzeitig geliefert worden, so dass die Baufirma zuvor schon den Radweg und die Auffahrten zur Straße fertig asphaltiert hatte. „Die Folie wird vom Radweg kommend parallel zu den seitlichen Kanten der Auffahrten in Richtung Fahrbahn eingebaut“, erklärte Dr. Thorsten Uhlig vom Straßenbauamt Schwerin das Vorgehen. Sie verlaufe also nicht unter den Auffahrten.

Größere Bauchschmerzen bereitet Kummers Ortsteilvorsteher Udo Jauert eine andere Tatsache: Nach SVZ vorliegenden Informationen soll bereits angesprochen worden sein, die Pappeln komplett abzunehmen – nachdem sie den neuen Radweg völlig zerstört hatten. „Wenn sich das bestätigen sollte, wäre es schlimm“, sagte Udo Jauert auf SVZ-Anfrage. „So ein Umgang mit Steuergeldern ist Verschwendung. Das geht gar nicht.“ Dann hätte man die Bäume gleich beim Bau des Radweges fällen sollen.

Susan Koch, Sprecherin des Landkreises Ludwigslust-Parchim, bestätigte, dass es dazu eine Diskussion gegeben habe. „Aber ein konkreter Antrag auf Fällung der Pappeln liegt nicht vor.“ Und das Straßenbauamt erklärt dazu: „Es wird momentan nicht in Erwägung gezogen, Bäume im Winter oder im kommenden Jahr abzunehmen“, so Thorsten Uhlig. Auch für die darauffolgenden Jahre lägen aktuell keine entsprechenden Planungsunterlagen und Genehmigungen der Naturschutzbehörde vor.

Hintergrund der Überlegungen dürfte die Erneuerung der L 07 sein. „Eine Planung ist in Auftrag gegeben worden“, so Uhlig. „Die Vorplanung wird von einem Ingenieurbüro bis Ende 2016 erstellt sein.“ Sie werde Varianten zur Erneuerung der L 07 zum Inhalt haben. „Nach Prüfung dieser Unterlage wird eine Vorzugsvariante festgelegt, die dann zur weiteren Bearbeitung kommt.“

Völlig ausgeschlossen wäre eine Fällgenehmigung nicht. Sie könnte erteilt werden, sofern die Verkehrssicherheit dies zwingend erfordert, teilte die Naturschutzbehörde mit. „Dies muss durch den Straßenbaulastträger nachgewiesen werden. Neben einer Beeinträchtigung der Bruch- und Standsicherheit der Bäume kann eine aus Gründen der Verkehrssicherheit erforderliche Verbreiterung der Fahrbahn dafür Begründung sein.“ Allerdings müssten die aktiven Naturschutzverbände beteiligt werden. Geht es um mehr als zehn Bäume hätten die Verbände ein Klagerecht gegen die Entscheidung der der Behörde.

Doch selbst wenn die Bäume „eventuell später“ abgenommen werden sollten, wäre die Wurzelschutzfolie nicht umsonst, betonte Dr. Thorsten Uhlig. „Denn in diesem Fall müssten Alleebäume nachgepflanzt werden.“

 

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erstellt am 23.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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