zur Navigation springen

Ludwigsluster Tageblatt

11. Dezember 2016 | 03:14 Uhr

Dömitz : Ein weiterer Verlust für Dömitz

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Die Kulturinitiative „atelier + kantine“ gibt auf. Der Rückzug wird mit Querelen mit der Stadt begründet.

Sie haben international bekannte Fotografen und deren Bilder nach Dömitz geholt. Sie haben Vorträge, Lesungen und sogar ein Festival für elektronische Musik auf der Festung veranstaltet. Doch jetzt ist Schluss. Andreas Herzau und Dr. Renate Ruhne verlassen mit ihrem Kulturprojekt „atelier + kantine“ Dömitz. Nachdem die Stadt es abgelehnt hatte, weiterhin Erhaltungsheizkosten für die unsanierten Räume zu übernehmen, haben sie den Mietvertrag gekündigt. Grund für den Rückzug sind die Heizkosten jedoch nicht, sondern nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

„Die Unterstützung, die wir anfänglich erlebt haben, hatte sich immer mehr zu einem Gegenwind entwickelt“, erklärt Andreas Herzau. Und Renate Ruhne ergänzt: „Seit rund einem Jahr lebten wir in der Situation, dass wir ständig behindert wurden.“ Nicht nur einmal wurden Veranstaltungsplakate abgerissen, so Andreas Herzau. Von einem Schild verschwand trotz vorheriger Absprache mit der Stadt der Hinweis, dass Gäste des Cafés keinen Festungseintritt zahlen müssen. „Und immer wieder hörten wir von Gästen, dass sie am Eingang unfreundlich behandelt worden seien“, so Renate Ruhne. Dann blieb auch noch das große Gittertor, das zuvor immer geöffnet war, geschlossen, was den Lieferanten das Leben schwer machte. „Wir waren permanent mit solchem Kleinkram beschäftigt, so dass wir kaum dazu kamen, über Kulturprojekte nachzudenken“, so Renate Ruhne. Versuche, im Gespräch eine Lösung zu finden, seien fehlgeschlagen. „Unser Hauptproblem war letztlich, dass man einfach nicht mit uns redete“, so Andreas Herzau. Das änderte sich auch nach der Kündigung nicht. Im Gegenteil. „Niemand suchte das Gespräch, stattdessen erhielten wir schriftlich die Kündigungsbestätigung.“

Den Vorwurf, dass die Macher von „atelier + kantine“ behindert worden seien, weist Bürgermeister Helmut Bode gegenüber SVZ zurück. „Wir haben die Initiative erheblich unterstützt“, betont er und zählt unter anderem die ermäßigte Miete und Hilfe durch den Bauhof beim Einrichten der Räume auf. Ein Teil der Mitglieder des Wirtschaftsausschusses hätte jüngst auch dafür gestimmt, weiterhin Heizkosten zu übernehmen. „Aber dagegen habe ich im Ausschuss mein Veto eingelegt“, so Helmut Bode, „weil das ist im Rahmen der Haushaltskonsolidierung, in der wir uns befinden, nicht machbar ist.“ Wie wolle man den Bürgern Steuererhöhungen erklären, wenn man auf der anderen Seite ein einzelnes Unternehmen bezuschusst, fragt der Bürgermeister. „atelier + kantine“ habe überdies relativ großzügig beschildert, ohne sich an die Werbesatzung zu halten und ohne zur Kasse gebeten worden zu sein.

Während Helmut Bode kein Wort des Bedauerns fand, trauert Marina Möller, Vorstandsmitglied im Förderkreis Festung Dömitz und frühere Stadtinfo-Mitarbeiterin, „atelier + kantine“ sehr nach. „Für Ausstellungen, wie sie hier geboten wurden, muss man sonst in die Metropolen fahren“, sagt sie. In der Kommunikation zwischen Stadt und den „atelier + kantine“-Machern hätten sich Missverständnisse manifestiert, so dass beide Parteien nicht mehr zueinander finden konnten. Für die Räume einen neuen Nutzer zu finden, dürfte nach all den Miseren der Vorgänger schwer werden, so Möller.

Die Kulturinitiative „atelier + kantine“ ist nicht das erste Projekt in Dömitz, das nicht gewollt war oder sich vergrault fühlt, mangelnde Kommunikation nicht zum ersten Mal zu beklagen. „Hier wird alles weggebissen, es gibt keine Willkommenskultur und keine Kommunikation“, sagt Martin Larsen, Besitzer vom „martins“ in Dömitz und selbst Stadtvertreter. In zwölf Jahren, in denen er Veranstaltungen auf der Festung organisiert hat, habe auch er seine Erfahrungen gemacht. „Mit einem Freund hatte ich bereits eine Firma gegründet, um die Festung kulturell zu vermarkten“, erzählt der Musikmanager. „Es war nicht gewollt, es interessierte nicht.“ Und so wurde das Projekt gestoppt. Und nicht nur das. Nachdem die Stadt die Nutzungsgebühr für das Festungsareal drastisch erhöht hatte, zog er mit seinen Veranstaltungen nach Hitzacker. Komiker René Marik und Liedermacher Konstantin Wecker präsentierte er dort im „Verdo“. „Dort habe ich alles – Künstlergarderobe, Duschen, Toiletten, bezahle die Hälfte und wurde mit offenen Armen empfangen“, so Martin Larsen. Die Freilichtbühne auf der Festung blieb dagegen fast die gesamte Saison über verwaist. Dabei hatte sie im vergangenen Jahr die von Künstlern und Veranstaltern lange herbeigesehnte Überdachung bekommen, für die nicht nur Fördermittel flossen, sondern auch Gelder von der Dömitzer Initiative „Leben und Kultur“ (LuK), die Larsen mit gegründet hatte. Ein Hohn nach den Anstrengungen, die die Luk-Mitstreiter unternommen hatten, um die Spenden einzusammeln.

Wenigstens ist auf der Freilichtbühne für kommendes Jahr Besserung in Sicht. „Wenn ein paar Bedingungen erfüllt sind, wäre ich bereit, wieder Veranstaltungen auf der Festung zu organisieren“, sagt Martin Larsen. Wegen der Überdachung würde er auch etwas mehr als früher zahlen.

Mit Blick auf „atelier + kantine“ sagt Larsen: „Schade. Man hätte nochmal miteinander reden sollen, um eine Lösung zu finden.“ In Dömitz sei es schwierig, neue Dinge zu etablieren, resümiert Martin Larsen, der die weitere Heizkostenübernahme jedoch auch schwierig gefunden hätte. „Die konservativen Kräfte sind hier ganz stark.“

Der Weggang der Kulturinitiative ist nach Ansicht von Marina Möller für Dömitz auch abseits von Kunst und Kultur ein Rückschlag. „Touristische Entwicklung ist ein Puzzle, das man nach und nach zusammensetzen muss. Mit ,atelier + kantine’ ist wieder ein wertvoller Puzzlestein verloren gegangen."

 

zur Startseite

von
erstellt am 17.Nov.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen