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Ludwigsluster Tageblatt

29. September 2016 | 05:18 Uhr

Ludwigslust : Doppelgänger verderben Pilzgenuss

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Expertin Brigitte Schurig kennt hunderte Arten und informiert beim Museumsabend im Natureum über Gefahren

Pfifferling, Steinpilz, Marone oder Wiesenchampignon – das sind Pilzarten, die dem Mecklenburger bekannt sind. Doch wie steht es um Hallimasch, Krause Glucke oder Mairitterling? Essen oder lieber im Wald stehen lassen? Für Fragen wie diese und anderes Wissenwertes war am Dienstagabend die Pilzsachverständige Brigitte Schurig im Natureum anzutreffen.

Auch in diesem Jahr drehte sich beim Museumsabend im September wieder alles um Pilze. Bei der Pilzausstellung wurden über 70 verschiedene Arten präsentiert. „In den letzten Jahren waren es manchmal über 200 verschiedene Arten, da können wir in diesem Jahr nicht mithalten. Es ist einfach zu trocken“, beklagt Uwe Jueg, Vorsitzender der Naturforschenden Gesellschaft Mecklenburg. Umso größer war dann die Freude, als die Besucher selbst Pilze mitbrachten und der Ausstellung zur Verfügung stellten. Auch Marlies Thiede aus Deibow hatte einige Pilze im Gepäck. „Ich habe einen Riesenbovisten für die Ausstellung mitgebracht. Den habe ich in Brandenburg auf einer Pferdekoppel gefunden. Die werden riesengroß, aber ich habe nur einen Kleineren mitgebracht, damit er auch auf den Tisch passt“, sagt die erfahrene Pilzsammlerin. Nils und Karina Thiede aus Parchim, ihres Zeichens eigentlich Geologen und Mitglieder des Natureums, steuern gleich 28 verschiedene Arten zu der Ausstellung bei. „Wir sind die Tage extra nochmal zu unseren Geheimstellen gefahren, um ein paar Pilze mitbringen zu können. Aber es ist schwierig in diesem Jahr, der Regen fehlt“, sagt Karina Thiede. Ein Satz, den man an diesem Abend von jedem Besucher der Pilzausstellung hört. Aber Brigitte Schurig kann beruhigen: „Wenn es jetzt für ein paar Tage ausgiebig regnen würde, könnte noch eine kurze, aber heftige Pilzzeit kommen.“

Schon in ihrer Kindheit hat die Begeisterung für Pilze begonnen, damals suchte Brigitte Schurig mit ihrem Vater in den Wäldern des Erzgebirges, wo sie ursprünglich herkommt. Nach etlichen Weiterbildungen machte sie 1988 ihr Hobby zum Beruf und arbeitet seitdem als Pilzsachverständige, außerdem ist sie Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Die Pilzexpertin kennt hunderte Pilzarten und weiß somit auch, was zu beachten ist, damit das Pilzmahl bekömmlich wird. Das Thema Pilzvergiftung greift sie in ihrem Vortrag auf und sorgt bei den interessierten Besuchern für viel Staunen. In diesem Jahr musste Brigitte Schurig schon zweimal medizinische Notfälle als Pilzsachverständige beraten. „Ein älteres Ehepaar wurde in die Helios-Klinik in Schwerin eingeliefert, sie zeigten Symptome wie bei einem Alkoholrausch. Da wusste ich schon Bescheid“, berichtet sie. Ein Kurier lieferte ihr die Putzreste nach Hause und die Vermutung bestätigte sich: Das Ehepaar hatte fälschlicherweise Panterpilze gegessen, die durch ihr Nervengift einen Rausch auslösen. Schurig leitete diese Information an den Arzt weiter, den Eheleuten konnte geholfen werden.

Bei der abschließenden Pilzverkostung musste niemand um sein Wohl bangen. Drei verschiedene Pilzsuppen, Pilzklopse und Pilzbutter sorgten für einen gelungenen Abschluss der diesjährigen Pilznacht im Natureum.

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erstellt am 21.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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