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Ludwigsluster Tageblatt

10. Dezember 2016 | 13:50 Uhr

Kommune will Gebäude sanieren : Dömitz kämpft mit Leerstand

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bürgermeister: Stadt kann Privateigentümer nicht zu Investitionen zwingen

Wer durch die Dömitzer Altstadt spaziert, stößt immer wieder auf leerstehende, unsanierte und zum Teil schon verfallene Häuser. Besonders rund um das – ebenfalls ungenutzte – Kaufhaus und das Rathaus beeinträchtigen solche Immobilien das Stadtbild. Drei prägende Gebäude – das alte Amtsgericht, das Fachwerkhaus in der Torstraße 1 und das einstige Hotel „Fritz Reuter“ – sind in den letzten zweieinhalb Jahren eingestürzt oder aus Gründen der Sicherheit abgerissen worden. „So sieht doch halb Dömitz aus“, kommentierte ein User auf Facebook den Abriss des „Fritz Reuter“. „Was in dieser Gesellschaft keine Kohle mehr bringt, wird verfallen lassen und dann abgerissen. Neu bauen ist billiger und Tradition hat keinen Wert mehr.“ Es gibt auch Stimmen, die der Stadt vorwerfen, dem Verfall tatenlos zuzuschauen.

Dem widerspricht Bürgermeister Helmut Bode. Der Stadt seien oft einfach die Hände gebunden. „Vielfach befinden sich die Häuser in Privateigentum. Einige wurden als Spekulationsobjekt gekauft und dann über Jahre nicht angerührt“, erklärt der Bürgermeister. „Wir können den Eigentümer nicht zwingen zu sanieren.“ Das bestätigt auch Andreas Wißuwa, Fachdienstleiter Bauordnung beim Landkreis. „Wenn die Stadt Privateigentümer zu Investitionen zwingen wollte, müsste sie eine Satzung haben, in der ein Baugebot festgeschrieben ist“, erklärte er jüngst. „Doch selbst dann wäre es nur schwer durchsetzbar.“ Im Landkreis gebe es derzeit keine Kommune mit entsprechenden Regelungen.

Leerstehende oder verfallene Häuser in den Altstädten sind kein Problem, das allein die Dömitzer umtreibt. Auch Ludwigslust musste viele Jahre mit ansehen, wie an exponierter Stelle – an der Kreuzung Schweriner Straße/Seminarstraße – prägende Gebäude immer weiter verfielen. Erst jetzt haben sich neue Eigentümer gefunden und mit der Sanierung begonnen. Die alte Post hat die kommunale Wohnungsgesellschaft Vewoba übernommen und saniert. Auch die Stadt Grabow bzw. deren Wohnungsbauunternehmen hat bereits mehrfach Häuser, die von Leerstand und anschließendem Verfall bedroht waren, aufgekauft, modernisiert und dann selbst vermarktet.

Ein Weg, den Dömitz kaum gehen kann. Zum einen weil es kein kommunales Wohnungsunternehmen gibt, zum anderen weil sich die Stadt wegen klammer Kassen in der Haushaltskonsolidierung befindet. Und dann gibt es noch eine weitere Hürde. „Wenn privat nutzbare Objekte, die sich im Eigentum der Stadt befinden, mit Städtebaufördermitteln saniert werden, muss die Stadt eines Tages, wenn die Städtebauförderung ausläuft, einen Wertausgleich zahlen“, erklärte Oliver Buchholz vom treuhänderischen Sanierungsträger GOS, auf SVZ-Anfrage. Dabei gehe es um nicht unwesentliche Summen. In Dömitz wäre das nach Aussage von Helmut Bode bereits 2021 soweit. Es bleibt also wenig Zeit, um für ein Objekt einen Privateigentümer zu finden – und damit ein Risiko.

Doch die Stadt will es dennoch versuchen und damit vielleicht auch ein Zeichen setzen. Einige leerstehende Häuser gehören der Kommune, Verkaufsbemühungen schlugen bisher fehl. „Wir wollen dort die Sanierung vorantreiben und sanierten Wohnraum schaffen“, erklärt Helmut Bode. Der Bauausschuss habe sich bereits dafür ausgesprochen, die Stadtvertretung muss noch zustimmen. Vorbehaltlich der Zustimmung solle die Sanierung des Gebäudes Torstraße 31 in die Umsetzung gehen, so Oliver Buchholz. Weitere Kandidaten wären nach Aussage Helmut Bodes die Häuser Fritz-Reuter-Straße 13 und Elbstraße 30 – beide ungenutzt – sowie die bewohnte Immobilie in der Elbstraße 18. „Wenn die Häuser saniert sind und wir dann Mieteinnahmen haben, erhöht das auch die Chancen für einen Verkauf“, ist der Bürgermeister überzeugt.

Gleichzeitig verweist Helmut Bode auf die Initiative einiger Privateigentümer. „In der Friedrich-Franz-Straße und in der Wallstraße tut sich etwas“, so Bode. „Es ist also nicht so, dass gar nichts passiert.“ Und die Stadt wird voraussichtlich ab kommenden Mai das Nebengebäude des Rathauses mit Hilfe von Städtebaufördermitteln für rund 210 000 Euro sanieren. Der Antrag sei bereits an das Wirtschaftsministerium gestellt worden, so Buchholz.

Es gibt aber auch Stimmen, dass der Denkmalschutz Sanierungen erschwere. So schreibt eine Facebook-Userin auf der privat betriebenen Dömitz-Seite: „Wenn der Denkmalschutz sich mehr zurückhalten würde und nicht so viele Forderungen hätte, würde bestimmt mehr erhalten und renoviert werden. Was die immer wollen, kann sich kaum einer leisten. So ist es aber in ganz Deutschland und nicht nur in Dömitz.“ Auch in Dömitz prangert ein Schild vor einem Haus in der Fritz-Reuter-Straße das Bauordnungsamt des Landkreises an. Fachdienstleiter Andreas Wißuwa hält dagegen. Seine Behörde entscheide im Einvernehmen mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege. „Wenn der Bauherr Beratung wünscht, können wir gemeinsam schauen, welche Möglichkeiten, auch hinsichtlich der steuerlichen Abschreibungsfähigkeit, es gibt“, so der Amtsleiter. „Wir versuchen, eine Lösung hinzubekommen, die den Interessen des Bauherren gerecht wird, aber den Denkmalschutz nicht ins Hintertreffen geraten lässt.“ Aber es gebe Grenzen, die man nicht überschreiten könne.

 

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erstellt am 10.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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