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Ludwigsluster Tageblatt

05. Dezember 2016 | 03:25 Uhr

Gorlosen : Darum macht sie weiter

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Nachdem Unbekannte Schutt vor ihr Fenster warfen, denkt Gemeindevertreterin Doreen von Soosten nur kurz an Rücktritt

Soll sie wegziehen? Ihren Mund halten? Oder aus der Gemeindevertretung austreten?   Doreen von Soosten hat alles in Erwägung gezogen. Als ihr vor zwei Wochen Unbekannte über Nacht zwei Eimer Schutt über den Gartenzaun vor das Wohnzimmerfenster warfen, war sie erst geschockt und traurig. Dann fiel  ihr ihr Einwand auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung zur offenbar illegalen Bauschuttentsorgung der Gemeinde im Ortsteil  Boek ein.  Das Amt hatte daraufhin noch in derselben Sitzung  die Schließung der Fläche veranlasst. „Sollte der Scherbenhaufen in ihrem Garten eine Reaktion aus der Gemeinde darauf sein?“ Noch ist das nur eine Vermutung. Reine Spekulation. „Aber der Zusammenhang liegt schon nahe“, sagt Doreen von Soosten auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung am Mittwoch. Mit einer  öffentlichen Erklärung hatte sie sich  dort an Gemeindevertreter, Bürgermeister und Einwohner gewandt.  „Über Monate  wurde in der Gemeinde eine Stimmung aufgebaut, die mich als störende Unruhestifterin brandmarkte, für allerlei verantwortlich machte und versuchte, mich als vermeintlich anders lebenden und denkenden Menschen ins Abseits zu stellen“, so Doreen von Soosten vorgestern Abend in Gorlosen. „Warum meinen manche Menschen unserer Gemeinde, dass abweichende Meinungen oder andere Lebensformen einer intakten Dorfgemeinschaft entgegenstehen?“ „Warum gelingt die Trennung von politischer Auseinandersetzung  im Gemeinderat und privatem Alltag hier kaum?“  Und: „Warum werden Zugezogene anders behandelt als hier Gebürtige?“ Ihre Fragen  gehen an diesem Abend ins Leere. Keiner aus der Runde geht darauf  ein. Stattdessen Gemurmel und Kopfschütteln bei den Vertretern des Amtes.   Bürgermeister Berthold Böttcher fällt ihr ins Wort: „Wir wollen mit der Sitzung beginnen“, sagt  er  zu Doreen von Soosten.  „Kommen Sie zum Schluss, anderenfalls muss ich Sie des Raumes verweisen.“  Mehr will der Bürgermeister dazu nicht sagen. Auch nicht auf Nachfrage von SVZ gestern. In der Gemeindevertretung zeigt man sich dagegen auch einen Tag nach ihrer Erklärung betroffen. „Dieser Vorfall in von Soostens Garten war ja nicht nur gegen sie gerichtet, sondern eigentlich auch gegen uns alle“, sagte Bodo Döring, zweiter Stellvertreter des Bürgermeisters, gestern am Telefon. „Wir  Gemeindevertreter haben  aufgrund ihres Hinweises alle dafür gestimmt, dass die Kuhle in Boek  so nicht mehr genutzt  wird.“ Döring findet es traurig, dass ein Gemeindevertreter  im Dorf persönlich angegriffen wurde.

Auch Gemeindevertreterin Kathrin Heiden ist empört. Nicht nur wegen der Nacht- und  Nebelaktion in Soostens Garten, sondern auch „weil Amtsvertreter und Bürgermeister Doreen von Soosten am Mittwoch nicht ausreden ließen“. „Das ist respektlos. Ihre Rede hätte zwei Minuten Sitzungszeit beansprucht. Die müssen für einen derartigen Vorfall einfach drin sein“, so Heiden gestern gegenüber SVZ.

Doreen von Soosten wird trotz allem nicht die Gemeindevertretung verlassen. Nach den Rücktritten von Hans Latta in Eldena, Melanie Czoske in Bresegard und Gaby Schilling in Hornkaten (SVZ berichtete) wäre sie die vierte, die in jüngster Zeit von ihrem  Amt nach eigenem Bekunden aus Unverstandenheit und Resignation  zurücktritt. „Engagement wird bedauerlicher Weise oft als Einmischung empfunden“, sagte Doreen von Soosten. Seit zwölf Jahren  lebt sie in Gorlosen. Vor  zwei Jahren ist sie  in die Gemeindevertretung gewählt worden.  „Wenn ich jetzt aufgebe, würde es mir in der Gemeinde auch nicht besser gehen“, sagte sie. „Ich bin angetreten, um mich für das Dorf zu engagieren, mitzugestalten und Demokratie zu leben.“ Dass  der Bürgermeister ihre Rede am Mittwoch einfach abbrach, hat sie gar nicht so sehr getroffen. „Ich bin ja schon froh, dass ich mich zu der Sache überhaupt erklären durfte.“

 

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erstellt am 11.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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