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Ludwigsluster Tageblatt

09. Dezember 2016 | 20:22 Uhr

Grabow : Auswanderer-Akten aufarbeiten

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Katharina Lußky restauriert Komplettregister mit Daten zu Personen aus Grabow und umliegender Orte, die in Amerika ihr Glück suchten

Stadtarchivarin Simona Pries und die Berliner Restauratorin Katharina Lußky schauen auf die auf dem Schreibtisch liegenden Aktenbücher. Sie gehören zu den ganz wertvollen historischen Beständen im Grabower Stadtarchiv, es sind Auswanderungsakten von Menschen aus der Region, die nach Amerika übersiedelten. „Das umfasst den Zeitraum von 1837 bis 1897“, sagt Simona Pries und zeigt dabei ein Komplettregister mit Daten zu Personen aus Grabow und den umliegenden Gemeinden, die damals ausgewandert sind. Das Register enthält Aufnahmescheine mit persönlichen Daten, die für die Überfahrt mit den Schifffahrtsgesellschaften nach Amerika notwendig waren. Der Besuch der Berliner Expertin hat einen besonderen Grund: Sie wird die Unterlagen zur Restaurierung mit in ihre Werkstatt nehmen. Der von der Stadt Grabow gestellte Antrag auf Förderung zur Finanzierung der Arbeiten ist bewilligt. „Wir haben einen Antrag auf eine einjährige Modellprojektförderung bei der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) in Berlin gestellt“, erläutert die Stadtarchivarin.

„Das war im April diesen Jahres und nun freuen wir uns, dass es geklappt hat und wir zu den 36 ausgewählten Modellprojekten in ganz Deutschland gehören“, so Simona Pries. Das Register, das auf einer historischen Tagung aus Anlass „200 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen den USA und Mecklenburg“ im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus zu sehen war, zog die Aufmerksamkeit all jener auf sich, die als Nachfahren aus den USA auf den Spuren ihrer mecklenburgischen Verwandten wandelten. Simona Pries: „Bei uns im Archiv Grabow schauten im Jahr 2015 acht Gäste vorbei, die Nachfahren des Carl Wiedow aus Glaisin sind, der in dem Buch von Johannes Gillhof ,Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer’ als reale Figur vorkommt.“ Zum Bestand der zu restaurierenden Unterlagen gehören auch Dokumente des Agenten Dincklage aus Grabow, der damals die Überfahrt der Auswanderer organisierte.


Nicht der erste Auftrag für die Expertin


Für Restauratorin Katharina Lußky ist es aber nicht der erste Auftrag. „Ich habe auch schon alte Stadtbücher und Protokollbücher des Grabower Magistrats restauriert“, sagte die 37-Jährige, die sich auf die neue Aufgabe freut.

„Bei den Unterlagen des Komplettregisters handelt es sich um Unikate, die wir natürlich auch anderen Generationen erhalten wollen“, so Simona Pries. Zu tun gibt es auf jeden Fall einiges für Katharina Lußky. „Die Dokumente müssen erst einmal alle trocken gereinigt werden, die Seiten weisen viele Risse und Fehlstellungen auf, das muss alles geschlossen und ergänzt werden. Knicke werden geglättet, Einbände werden mit einem neuen Lederrücken versehen. Dann werden die Aktenbände unter Verwendung von Konservierugsmaterialien neu verpackt.“ Die Arbeiten sind sehr aufwendig und umfangreich, dennoch will die Restauratorin in zwei bis drei Monaten damit fertig sein. Für Archivarin Simona Pries ist es eine gute Sache, dass es nun losgeht. „Der Bestand an diesen wertvollen historischen Akten ist nicht nur für die Stadt Grabow und die umliegenden Orte wichtig. Eine Digitalisierung der Dokumente ist auch geplant.“

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erstellt am 28.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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