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Ludwigsluster Tageblatt

03. Dezember 2016 | 14:40 Uhr

Grabow : Als Junge den Toten begraben

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Wie August Knoke nahe des Chausseehauses zu seinem Grab kam. Nach siebzig Jahren endgültige Ruhestätte auf Friedhof Grabow

August Knoke hat seine letzte Ruhe nun auf dem Grabower Friedhof gefunden. SVZ hat mehrfach über den Mann berichtet. Er gehört zu den Gefallenen des Zweiten Weltkrieges und war in einem Grab an der Chaussee zwischen Ludwigslust und Grabow beerdigt. Das hätte bis heute niemand gestört, wenn nicht die neue Autobahn A 14 gebaut worden wäre. Da rückte das Grab von August Knoke wieder in den Mittelpunkt. Engagierte Bürger schalteten den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ein. Eines Tages öffnete dessen Umbetter Joachim Kozlowski das Grab und brachte die sterblichen Überreste auf den Grabower Friedhof (SVZ berichtete). Dort hat August Knoke seine letzte Ruhe gefunden. Und auch Hans-Jürgen Grünewald aus Techentin kann jetzt mit dem Thema abschließen.

Der heute 83-Jährige musste als 12-Jähriger mit zwei anderen Halbwüchsigen August Knoke begraben. Er erzählt die Geschichte: Die drei Jungs hatten im April 1945 in ein so genanntes Wehrertüchtigungslager einzurücken, das sich auf dem Segelflugplatz vor den Toren Parchims befand. Ihre braunen Hemden mussten die Mitglieder des „Jungvolks“ gegen die schwarzen Uniformen der Hitlerjugend tauschen, obwohl sie das dazu übliche Alter von 14 Jahren noch gar nicht erreicht hatten. Die Tage vergingen mit militärischem Drill und der Ausbildung an Panzerfaustattrappen. SS war auch auf dem Gelände. „Eines Tages, wir waren gerade beim Exerzieren des Hitlergrußes, hörten wir entferntes Grummeln. Unser Ausbilder war ein Oberleutnant, der nur noch einen Arm hatte. Den haben wir nach der Ursache gefragt“, erinnert sich Hans-Jürgen Grünewald. Das seien die Russen, erfuhren die Jungen. Schließlich flohen die SS-Männer. Der Oberleutnant schickte die Jungen nach Hause, versehen mit dem Ratschlag, unbedingt die Straße zu meiden.

Also machten sich die Techentiner auf den Weg durch den Wald. Erst nach fünf Tagen sollten sie ihr Dorf erreichen. Zwischendurch brachte sie ein Forstmann bei Wabel über die Elbe. Als die Halbwüchsigen sich schließlich Techentin näherten und über die heute nicht mehr existierende Brücke kamen, sahen sie nahe des Chausseehauses einen Panzer mit einem großen weißen Stern – Amerikaner. „Wir waren erschrocken, denn wir hatten ja noch unsere Uniformen von der Hitlerjugend an“, so Hans-Jürgen Grünewald. Nachdem die Drei sich nach links in den Wald geschlagen hatten, sahen sie die Leiche eines Wehrmacht-Majors liegen.

Die Amerikaner hatten indessen die Hitlerjungen bereits entdeckt. Der Chausseewärter musste Werkzeug bringen, und die GIs forderten die Jungen auf, die Leiche an Ort und Stelle zu begraben. Hans-Jürgen Grünewald hatte die Erkennungsmarke an sich genommen, sie ist dann später abhanden gekommen. Siebzig Jahre sollte August Knoke am Ende dort liegen, bis er seine letzten Ruhe in Grabow fand.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 07:00 Uhr

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