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Hagenower Kreisblatt

27. September 2016 | 03:53 Uhr

Boizenburg : „Wir brauchen doppelt so viel Zeit“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Wasser- und Bodenverband Boize-Sude-Schaale leidet unter den Auflagen der Unteren Naturschutzbehörde. Beiträge werden dadurch teurer

Strahlender Sonnenschein, ein Arbeitsplatz im Grünen unter blauem Himmel – doch Andreas Schwebs und Thomas Wojak wirken geradezu deprimiert. Der Grund: Seit diesem Jahr muss der Wasser- und Bodenverband Boize-Sude-Schaale (WBV) auf einem Drittel seiner Fläche die Böschungen und Ränder der Gewässer II. Ordnung mit Balkenmähtechnik und Kreiselharke pflegen. Diese Auflage hat die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim (LUP) in Zusammenarbeit mit den Biosphärenreservaten Schaalsee-Elbe (BSRA) für Fauna-Flora-Habitat- und Natura 2  000 - Gebiete sowie solche im BSRA erlassen.

Als Grund wird angegeben, dass durch die Schlegelmähtechnik Kleinlebewesen wie Frösche nicht rechtzeitig fliehen können und getötet werden.

„Na und?“, könnte man fragen, doch diese Auflage hat letztendlich so weitreichende Folgen, dass sich dadurch die Kosten für die Pflege um 49  000 Euro im Jahr erhöhen. Kosten, die die 65 Gemeinden und Kommunen im WBV und auch die Endverbraucher zusätzlich belasten werden.

„Die Kreiselharke schafft jetzt nur noch drei statt sechs Kilometer am Tag. Durch den Balkenmäher mit den zwei Schnittmessern brauchen wir im Vergleich zum Schlegelmäher fast doppelt so viel Zeit wie vorher“, berichtet Andreas Schwebs, Geschäftsführer des WBV. Ein deutlich höherer Arbeitsaufwand also, für den die beauftragten Firmen auch bezahlt werden wollen. „Hinzu kommt, dass einerseits nur wenige Firmen die geforderte Technik besitzen und andererseits nicht jeder den Balkenmäher mit den zwei Messern bedienen kann“, so Schwebs.

„Raumfahrzeug“ nennen er und seine zwei Kollegen den Balkenmäher. „Der Fahrer muss fahren, lenken und die beiden Schnittmesser jeweils unterschiedlich je nach Zustand des Untergrundes bedienen. Wenn er das falsch macht, sind die sofort stumpf.“

Schwebs und seine beiden Verbandsingenieure Thomas Wojak plus Peter Haase würden selbstverständlich auch den Naturschutz hochhalten. „Aber es gibt keine Beweise wie z. B. Studien, dass durch die Balkenmähtechnik tatsächlich weniger Kleinlebewesen getötet werden. Nach unserer Erfahrung sind die Schlegelmäher so laut, dass alle Tiere rechtzeitig fliehen.“ Es sei außerdem absurd, dass gleichzeitig die Landwirte, die direkt neben den Böschungen der Gewässer ihre Flächen haben, weiterhin mit der Schlegelmähtechnik arbeiten dürften.

„Die Kosten der Pflege werden sich dadurch für den WBV um 15 Prozent erhöhen. Wir bekommen von den Verbandsmitgliedern jedes Mal zu hören, wir sollen die Beiträge nicht weiter erhöhen, doch das geht nun nicht anders“, so der Geschäftsführer.

Der WBV bewirtschaftet rund 2  270 Kilometer Gewässer II. Ordnung auf gut 139  000 Hektar. Das Verbandsgebiet grenzt mit 55 Kilometer an Schleswig-Holstein und mit 40 Kilometer an Niedersachsen, im Osten reicht es bis kurz vor Ludwigslust und im Norden bis nach Rehna.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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