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Zarrentin erhält Knochenmarkspende : „Wie ein zweites Leben für mich“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Burghard S. (76) hat nach schwerer Erkrankung und einer Knochenmarkspende seine Lebensqualität wieder gewonnen

Er ist im Herbst 2013, im Alter von 73 Jahren, innerhalb kurzer Zeit sehr krank geworden. Der gesamte Bewegungsapparat war auf ein Mal geschwächt, laufen und Luft holen fielen ihm schwer. Deshalb musste Burghard S. (Name der Redaktion bekannt) damals sogar sein geliebtes Hobby, das Campen im Wohnwagen am Schaalsee, kurzfristig abbrechen und für ein Jahr pausieren.

Nur eine Knochenmarkspende gab dem heute 76-jährigen seine Lebensqualität zurück. Die Hilfe, die er durch den Spender erfahren hat, veranlasst ihn heute, über seine Krankheit und den Heilungsprozess zu sprechen, um vor allem junge Leute anzuregen, über eine Knochenmarkspende nachzudenken.

„Meine Hausärztin informierte mich damals darüber, dass ich umgehend in das Medizinische Gesundheitszentrum nach Lübeck eingewiesen werden müsse. Dort bekam ich eine erste Bluttransfusion, weil die roten Blutkörperchen in der erforderlichen Menge bei mir nicht mehr vorhanden waren. Regelmäßig bekam ich dann wöchentlich Transfusionen“, erzählt der heute in Büchen lebende und in Groß Zecher am Schaalsee campende weiter.

Seine Situation verschlimmerte sich bis Anfang Dezember 2013 so stark, dass er stationär in eine Klinik eingewiesen werden musste. Dort wurde dann die Ursache der schweren Erkrankung festgestellt.

„Es handelte sich bei mir um eine Aplastische Anemie, die ich hatte. Das ist Blutarmut. Der Körper produziert nicht mehr genug rote Blutkörper, es handelt sich dabei um eine Art Blutkrebs, der aber nicht mit Leukämie zu vergleichen ist. Dadurch kam die Schwäche und meine gesamte kritische Situation“, erzählt Burghard S. weiter. „Ich war schwer krank, entweder werde ein Spender gefunden, oder die Lebenserwartung sei sehr gering, hieß es damals von den Medizinern. Ich brauchte dringend einen Knochenmarkspender“, erinnert sich Burghard S..

Die Suche nach dem Spender wurde europaweit geführt. In Ulm gibt es eine Datenbank mit allen typisierten Spendern. „Dort wurde auch mein Spender gefunden. Die Mediziner haben den jungen Mann, der sich bei der Bundeswehr typisieren ließ, im Februar 2014 angerufen, ob er bereit wäre zum Spenden. Ohne Zögern hat er zugestimmt“, so Burghard S.. Es bedurfte einer umfangreichen Voruntersuchung im Krankenhaus, für die er von seiner ehemaligen Firma kein frei bekam. „Da hat er gekündigt, das muss man sich mal vorstellen, und die umfangreiche Untersuchung auf sich genommen. Immerhin war er 24 Stunden im OP. Seine neue Firma, die er sich dann gesucht hat, war seiner Situation als Knochenmarkspender positiv gegenüber aufgeschlossen. Mein Spender ist ein 25-jähriger Bäckermeister aus Süddeutschland aus dem Raum Göttigen“, so Burghard S..

Nach Transplantation und kurz vor der Entlassung aus dem Lübecker Klinikum habe er sich bei ihm bedankt, ohne zu wissen, wer eigentlich Spender ist, weil alles anonym abläuft. Wenn es allerdings gewünscht wird, kann nach zwei Jahren ein Briefwechsel initiiert werden. „Das habe ich gemacht, wir hatten uns im Jahr ein- zwei Mal geschrieben, ohne zu wissen, wer die andere Person ist. Nachdem die zwei Jahre abgelaufen waren, hatten wir uns verabredet, mein Spender kam für eine Woche nach Hamburg, wir zeigten ihm die Stadt. Wir tauschen regelmäßig Kontakte aus. Ich bin jetzt gesund, die Krankheit wurde dank der seiner Spendenbereitschaft, erfolgreich bekämpft“, erzählt der Büchener weiter. Für ein Jahr lang musste Burghard S. die Campingsaison in Groß Zecher bei Zarrentin aussetzen, weil sein Immunsystem noch sehr schwach und zu anfällig war.

„Die Knochenmarkspende, die ich bekam, ist wie ein Geschenk, wie ein zweites Leben für mich, wofür ich sehr dankbar bin. Ich bin froh, dass es Menschen gibt, die uneigennützig bereit sind, sich typisieren zu lassen. Ich will gleichzeitig Menschen anregen, sich typisieren zu lassen, weil das Leben retten kann“, macht der Genesene deutlich. Heute hat er seine normale Lebensqualität wieder bekommen, ist im Sommer mit seiner Frau auf dem Campingplatz in Groß Zecher und genießt sein Rentnerleben.

Was hat den Spender Sebastian Traub dazu bewegt, sich typisieren zu lassen? „Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir mit meinen 19 Jahren damals keine wirklichen Gedanken darüber gemacht“, sagt er im SVZ-Gespräch. „Wir hatten vor der Blutentnahme für die Bestimmung der Blutgruppe eine Präsentation der Stefan-Morsch-Stiftung, bei der uns alles über das Thema Stammzellenspende erklärt wurde“, erzählt er weiter. Damals habe er daran gedacht, dass er selbst froh wäre, bei einer persönlichen Notlage einen Spender zu finden. Nach Blutspende und Typisierung hatte er sich in die Spenderkartei eintragen lassen. „Im Februar 2014, nach vier Jahren, rief mich die Stefan-Morsch-Stiftung an und fragte, ob ich bereit wäre zu spenden, da ich als Spender in Frage käme. Als es dann konkreter wurde, dass ich für Burghard als Spender ausgewählt wurde, gab es keinen Zweifel, dass ich Knochenmark spenden werde“, erinnert er sich weiter. Im Nachhinein sei er richtig froh, glücklich und auch stolz, dass er so einem tollen Menschen helfen konnte und ihm ein Stück Lebensqualität zurückgeben konnte. „Ich würde immer wieder für eine Spende bereit sein“, betont er abschließend.

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erstellt am 02.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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